Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Pretty Maids: Motherland

Hätte durchaus ein paar mehr Ecken vertragen können
Wertung: 7,5/10
Genre: Heavy Rock
Spielzeit: 50:37
Release: 22.03.2013
Label: Frontiers Records

Gab es letztes Jahr zum 30-jährigen Jubiläum die quasi Live-Best-Of „It Comes Alive (Maid In Switzerland)“ auf die Lauscher, so legen die Dänen-Rocker mit „Motherland“ nun ein neues Studioalbum vor, wobei sie dabei nicht vor der so arg bösen Zahl dreizehn zurückschrecken, denn so viele Studioalben haben sich jetzt in der schönen langen Karriere von Pretty Maids angesammelt – eine Karriere, und das ist kein großes Geheimnis, die auch so manch rasante Abfahrt in die heavyrockende Belanglosigkeit androhte. Doch nie (sehen wir mal von dem Überkracher „Future World“ von 1987 ab) waren sie so wertvoll wie heute, möchte man meinen, denn schon mit „Pandemonium“ haben sie sich frei nach dem ollen Baron aus Münchhausen am eigenen Schopfe aus dem alles verschlingenden Businesssumpf gezogen. Und eines darf man auch nicht vergessen: Auch wenn die eine oder andere Platte seit der Jahrtausendwende nicht gerade der Bringer war, so haben sie immer noch live alle am Schlafittchen packen können.

Gerade bei den Vertretern aus der konstitutionellen Monarchie spricht man immer wieder gerne von Dynamit, doch solcherlei Explosionsgewalt muss man bei Pretty Maids lange suchen, auch wenn der eine oder andere Song richtig zündet. Dabei sind gerade im Heavy Rock die Unterschiede zwischen poppig-banal und kraftvoll-kernig eben so gering, dass sich auch Pretty Maids immer in Habachtstellung befinden (müssen), weil sie ständig genau an dieser Klippe entlang segeln. Beweis für eine dieser Grenzerfahrungen ist das mit einem schönen Ohrwurm ausgestattete und mit schon lieblich verträumten Leads ausgefüllte „To Fool A Nation“, doch die Gesangslinie, die so auch auf einem Roxette-Album stehen könnte, bekommt nur etwas Biss durch den etwas angerauten Gesang Ronnie Atkins’.

So richtig granatenstark voll zubeißend zeigen sich die Dänen dann beim Titeltrack „Motherland“, denn hier wuchten sie endlich volle Möhre in die Vollen und lassen es mit so energetischer Kraft wie lange nicht mehr krachen. Auch „Hooligan“ ist ein gitarrendominantes Werk, welches zwar titelgerecht noch etwas böser klingen könnte – gerade die Chorshouts sind einfach noch deutlich zu süßlich – aber Pretty Maids zeigen auf, dass sie doch noch richtig fett riffen können und nicht immer auf zu sicher machen (brauchen), mit „Infinity“ gehen sie es sogar schwer und schwülstig an, alles ein wenig schwermütig, aber auch einmal mehr mit dem richtigen Gespür für die perfekte Melodie beim Refrain.

Das richtige Gespür kann man ihnen eh kaum absprechen, denn schon beim Opener „Mother Of All Lies“ mit der keygeschwängerten Einleitung und den reichlich modernen Effekten bauen die Schönmädels einmal mehr auf einen ohrwurmartigen Refrain mit Starkstromgitarren und Popdrumming. Wobei schon auffällig ist, dass sie immer wieder auf den gleichen Songaufbau setzen: Zuerst ein (bei schmaler Hitze) bratendes Gitarrenriff, welches sich dann auflöst und dem poprockigen Rhythmus die Herrschaft überlässt, wie z.B. auch bei dem starken „The Iceman“, wo sie nach gitarreskem Anfang schnell wieder in diese poppige Welt abdriften - passend hier, dass das Keyboard eher auf Kontraste zielt anstatt sich in der Vordergrund zu schieben, vor allem die schönen streicherähnliche Einlassungen passen wie die Faust auf's Auge.

Auch wenn Ronnie Atkins durchweg eine mehr als passable Gesangsleistung abliefert, so kann sein angerautes Organ nicht verhindern, dass „Sad To See You Suffer“ einfach keine Kanten aufweist, so dass die Ballade schon recht schnulzig wirkt und ohne wirklichen Herzschmerztransport auskommen muss. „Bullet For You“ kratzt zwischendurch ebenfalls an der Grenze zur Popmusik, dafür ist die Melodielinie beim Gesang einfach zu süßlich, auch wenn dieser Song das fast emotionalste Gitarrensolo durch Ken Hammer abbekommen hat.

Auch heutzutage sind Pretty Maids nicht aus der Heavy-Rock-Welt wegzudenken, denn auch „Motherland“ ist wieder ein schönes Sammelbecken für typische Dänen-Trademarks der Sorte: viel Melodie, ohrwurmartige Refrains, die sich immer wieder süßlich in den Gehörgang einnisten, dazu regelmäßig eine zart bratende Gitarre, die dafür sorgt, nicht ganz im Popmusiksarg zu versinken. Trotzdem: Ein paar mehr Ecken hätten Pretty Maids ruhig einbauen können, denn so perlen dann auch ein paar Songs einfach ab.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna