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Pretty Maids: Louder Than Ever

Überraschend hart rockende Überbrückung zwischen zwei regulären Alben
Wertung: 7,5/10
Genre: Melodic Heavy Metal
Spielzeit: 52:20
Release: 21.03.2014
Label: Frontiers Records

Kein Best-Of, aber auch kein neues Album, vielleicht eher ein Compilation-Zwitter, denn das dänische Dynamit Pretty Maids liefert mit „Louder Than Ever“ die Neuinterpretation einiger bekannter Songs aus, aufgepeppt mit vier neuen Songs – unterm Strich der Versuch, die Zeit zwischen zwei regulären Studioalben mit komplett neuen Songs zu überbrücken. Natürlich, schnell riecht das immer nach Kohle machen, da darf man auch in Zukunft immer die Ohren schön gespitzt halten, doch das Melodic Quintett knöpft sich hier ein paar Tracks aus der Schaffensphase von 1995 bis 2006 vor und spielt sie in neuem Soundgewand ein. Als zusätzlichen Kaufanreiz packen sie noch eine DVD mit einigen Impressionen der herbstlichen „Motherland“-Tour und weiteren Gimmicks drauf. Auf diesen visuellen Bonus können wir hier aber nicht eingehen, ist dieser Silberling nicht Teil der werbenden Bemusterung.

Auf den ersten Blick mag auch ein wenig die Songauswahl überraschen, sind die neu aufgenommen Versionen doch eher nicht auf den Pretty Maids-Livesetlisten zu finden. Grundsätzlich aber kann man schon sagen: Die Frischzellenkur lohnt sich auf jeden Fall, denn die Dänen nehmen ihre härtere Gangart von den Liveshows mit und lassen es auch auf der CD ordentlich krachen. Bei dem aus 1995 entnommenen „Psycho-Time-Bomb-Planet-Earth” rocken sie gleich in die Vollen, und trotz aller melodischer Aggressionen kommt natürlich das Wechselspiel eingängiger Hooklines und prächtigem Mitsingrefrain nicht zu kurz, dazu der treibende, spannungsgeladene Aufbau – eigentlich eine Empfehlung für die nächste Tour (oder gar ein vorausschauender Ausblick?).

Das „Spooked“-Album von 1997 wird ausgespart, mit „With These Eyes“ schwenken wir hinüber ins Jahr 1999 und dem „Anything…“-Studioalbum. Feuerzeug raus, denn hier kommen die balladesken Züge der Dänen zum Zuge, wobei sie zwischendrin durchaus kraftvoll die Gitarren aufbrausen lassen, womit dann klargestellt ist, dass hier trotz aller Eingängigkeit niemals der Zuckerguss die Oberhand gewinnt. „Snakes In Eden“ gewinnt dagegen an deutlich heftigerem Profil und wuchtet sich recht zackig in den Gehörgang. „Tortured Spirit“ repräsentiert das 2000er Werk „Carpe Diem“ mit wuchtigem Drumming und frisch dahersägenden Gitarren und auch hier darf sich der Fan ruhig fragen, ob denn dieses fetzende Kleinod demnächst bei den Sommerdates auf dem Programm steht.

„Planet Panic“ von 2002 ist mit drei Songs etwas stärker vertreten als die anderen Alben. Zum einen wäre da das headbangkompatible „Playing God“ mit den Double-Bass-Attacken mit deutlich angehobeneren Metalanleihen, zum anderen dürfen sich aber auch „He Who Never Lived“ und „Virtual Brutality“ nicht über einen gesteigerten Härtegrad beschweren – überraschend fetzig, den Pretty Maids-Fan stören eh nicht die immer wieder ach so verpönten Keyboardpassagen, die ja schon damals „Future World“ zum absoluten Klassiker katapultierten. Der Track „Wake Up The Real World“, ursprünglich auf dem gleichnamigen Album von 2006 zu finden, rundet mit ähnlichem Härtegrad die Neueinspielungsarie ab und hinterlässt so einen wertigen Eindruck und nicht den eines Studioschnellschusses.

Noch viel interessanter dürften sich aber die neuen Songs darstellen. „Deranged“ liefert auch gleich den Einstieg ins vorliegende Album. Fette Gitarren treffen einmal mehr auf extrem eingängige Gesangsarrangements, ein richtig starker Heavyrocker erster Kajüte. Deutlich schmusiger kommen Pretty Maids mit „My Soul To Take“ daher, welches mittlerweile ja auch als Videoclip im Netz herumgeistert. Und auch wenn hier wieder in balladeskeren Fahrwassern geschippert wird, so muss der Fan nicht auf eine ordentliche Grundhärte bei der Gitarrenarbeit verzichten. „Nuclear Boomerang“ hört sich da schon vom Titel deutlich anklagender an, leitet mit einem endzeitlich gestimmten Intro ein und rockt mit breiter Gitarrenwand fett ins Maids-Mett – auch hier ganz sicher gern bei den nächsten Livedates gehört. „A Heart Without A Home“ macht erst einmal seinem Titel alle Ehren, balladeskt sich durch die Kabelboxen und ist sicherlich für die feuerzeugschwingenden AnhängerInnen interessant. So richtig überzeugen kann hier aber nur das sehr gefühlvolle Gitarrensolo zu Beginn des letzten Drittels.

Erst ein wenig skeptisch beäugt, doch dann als „überraschend gelungen“ tituliert, dass könnte so durchaus als Fazit für „Louder Than Ever“ durchgehen. Fans des dänischen Dynamit-Quintetts Pretty Maids bekommen hier keine seelenlos zusammengeklatschte Best Of, sondern neuinterpretierte Songs mit gesteigertem Härtegrad, die sicherlich ein wenig überraschend hier landen, aber durchweg überzeugen können. Wenn sie nun diesen Schwung sowie die Livepower der Shows auch zum nächsten Album hinüberretten können, dann werden die Dänen auch anno 2014/ 2015 der Melodicmaßstab aller Dinge sein.

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