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Presumption: Presumption

Tolle Ansätze, aber nicht immer zwingend
Wertung: 7/10
Genre: Doom/Stoner Metal
Spielzeit: 41:26
Release: 11.09.2018
Label: Sleeping Church Records

Schon im November 2017 veröffentlichten die aus Le Mans kommenden Nachbarn Presumption ihr selbstbetiteltes Debütalbum „Presumption“. Grund des Reviews ist allerdings, dass die Scheiblette nun auch via Sleeping Church Records auf Vinyl herauskam – limitiert auf knappe 200 Einheiten in weiß transparentem Vinyl. Da dann aber auch die Klatsche für das Label, denn gegenüber der CD-Version findet man auf der „Neuveröffentlichung“ einen Track weniger – das knapp acht Minuten lange „Sandwitch“ wurde gestrichen. Ein Grund dafür wird nicht verraten, bleibt zu mutmaßen, das man wegen der möglichen 49 Minuten Spielzeit auf ein Doppelvinyl verzichten wollte. Schade, ein paar ältere Tracks von den drei EPs „...Of The Grave“, „From Judgement To The Grave“ oder „Ancestral Rites“ hätten die vierte Seite gut füllen können.

Nun gut, es ist nun so wie es ist, hierzulande dürften die Franzosen eh nur einer Minderheit bekannt sein; zumindest für diejenigen, die ihre Bands durch Liveshows entdecken, ist das Quartett bis auf ganz wenige Shows in Spanien und einer in Belgien noch nie über die französische Grenze live spielend hinaus gekommen. Viel Doom, viel Stoner, auch Metal und immer wieder eine Prise Sludge, das sind die Grundzutaten, aus denen die Vier eine etwas mehr als solide Mischung modernerer Schnittmenge zusammenkomponiert haben. Wer übrigens die drei bisherigen Veröffentlichungen kennt, der ist zumindest schon über „Dr. Satan“ gestolpert, war die Nummer doch schon als Liveversion auf der „Ancestral Rites“-EP zu finden. Mit über sieben Minuten auch so kein Leichtgewicht, rifft sich hier eine schleppende Melange aus hypnotisierenden Gitarren und langsam leicht angeraut einsteigenden Vocals, die einen Hauch von zurückhaltender Beschwörung aufrufen. Überhaupt hat der Song die ganze Zeit dieses einschwörend ausbalancierte, diabolisch messenhafte Etwas, ohne zu übertreiben oder abgrundtief depressiv hinunterzuziehen.

Auch „Atomic Fear“ könnte eventuell bekannt sein, ist der Song doch als Videoclip auf YouTube zu finden. Mehr Doom als Stoner, auch hier immer wieder die Verzweiflung im Gesang, mal eben durch ein paar eher untypische Gangshouts aufgelockert, immer wieder den Fehler anklagend, den wir Menschen anscheinend ständig erneut gerne machen – wir arbeiten halt an unserer Auslöschung.

Als ultimativer Anspieltipp drängt sich allerdings „Red Death“ deutlich in den Vordergrund, ein vielschichtiger, etwas mehr als neuneinhalb Minuten langer Song und so beileibe ebenfalls kein Leichtgewicht, der früh mit ein paar Samples aufgefrischt wird. Schwerfälliger Doom, auch hier wieder sehr abwechslungsreicher Gesang bis hin zum krächzend höheren Ton, der dann auch mal leicht spöttisch verzweifelt aufkommt, eine hypnotisch riffende Dauerschleife, bei der in der Summe auch Triptykon Pate gestanden haben dürften, allerdings erreichen Presumption nicht einmal das eiskalte Übel der Schweizer. Der ruhige Zwischenpart mit flüsternden Vocals setzt eine deutliche Zäsur zum Finale, welches eindeutig gut zweieinhalb Minuten vor Schluss durch das morbide Zwischenspiel der Streicher für erhöhte Aufmerksamkeit sorgt, allerdings bei weitem nicht so depressiv wie My Dying Bride, dafür aber dezent eindringlich schräg tönt.

Dagegen ist „Deadly Barrels“ fast schon doomig bieder, lediglich Frontmann Moomoot sorgt mit einer weiteren Stimmfacette für ein Überraschungsmoment und kratzt sogar kurz mit seinen Stimmbandfurchen in blackmetallische Welten, die beiden instrumentalen Intermezzi „Midnight Suffering“ und „Nomen Est Omen“ lassen die zwingende Notwendigkeit vermissen – dann doch lieber wieder der mit Rückkopplungen begrüßende und so ein wenig an Eyehategod erinnernde Titeltrack „Presumption“ mit seiner doomigeren und instrumental etwas minimalistischeren Aufarbeitung in Dauerschleife, wo eindeutig einmal mehr der facettenreiche Gesang für beängstigende Stimmung sorgt. Was übrigens Moomoot so drauf hat, wird allein im Opener „Pale Blue Horses“ deutlich, wenn mehr Stoner-Elemente für ein rockigeres Gerüst sorgen und der Kerl stimmlich von leicht klar angeraut bis hin zur verzweifelten Aggression sein Talent aufleuchten lassen kann.

Schon recht interessant, was uns die Franzosen Presumption mit ihrem Debütalbum so vorlegen, wenn auch nicht immer alle Songs wirklich zwingend aus den Boxen doomen. Vinylliebhaber aber sollten allein schon vom Sammelfieber gepackt sein, wenn sie dazu auch noch auf Doom und Stoner stehen... denn da kann man nicht viel falsch machen.

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