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Powerball: Thank You For Tomorrow (EP)

Powerball machen einen Sprung nach vorne, kommen aber noch nicht aufs Treppchen
Wertung: 7.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 27:25
Release: 30.12.2010
Label: Frei und unabhängig

Aus dem anscheinend unerschöpflichen Fundus des Ruhrpotts strömen immer wieder neue Bands an die Oberfläche des Metal-Business und die Bochumer Powerball reihen sich ebenfalls bei den Bands mit CD-Veröffentlichung ein. Dabei hatte es im Bandlager auch reichlich turbulente Zeiten gegeben, von denen aber der Fan so gut wie nichts mitbekam. Bei den ersten von The-Pit.de verfolgten Auftritten – u.a. durften sie im Juni 2009 für Tesla in der Bochumer Matrix eröffnen – waren sie noch mit Fronter Ingo am Start und hinterließen schon einen positiven Eindruck.

Mittlerweile ist Ingo allerdings Geschichte und für die vorliegende CD-EP „Thank Your For Tomorrow“ konnten die Jungs von Powerball Anfang 2010 Ulrich Lettau ins Teamgefüge aufnehmen. Im Januar 2010 galt es nun für die Band, ihre auf der Bühne gezeigte Energie auch im Studio in einem kreativen Aufnahmeprozess nachzuweisen, und mit Andy Brings krallten sie sich auch gleich den Ex-Sodom Gitarristen und schnallten ihn auf dem Produzentensessel fest. Nun denn, schnell die CD in den Player schieben – denn was auch immer die Band vorher leistete, zählt nun nicht mehr. Schnell wird noch einmal die Birne resettet und Laucher aufgesperrt.

Schon die ersten Töne sorgten für einen leicht irritierten Blick Richtung Stereoanlage – Einstellungen stimmen, also liegt es an der Aufnahme. Basslastig ist die Aufnahme geworden, die Gitarren wurden zu viel in den Hintergrund gemischt oder wirken einfach ein wenig stumpf. Schnell wird noch mal die Band-Biographie angeschaut: „Powerball mischt den Metal der 80er Jahre mit dem Sound der Neuzeit“, steht dort geschrieben - O.K., geschenkt. Man lasse die Songs sprechen und messe dem Sound nicht die allerhöchsten Prioritäten zu.

Der erste Song einer CD gibt immer die Marschrichtung an und auch bei den Bochumern ist das nicht anders. Ein fettes, von stampfenden Drums getragenes Eröffnungsriff dröhnt gefällig los, der Bass pumpt mit ordentlich Adrenalin, eine erste Erkennungsmelodie dringt durch den oben erwähnten „Soundfehler“ eine Spur zu unaufdringlich in den Vordergrund und schon bei den ersten Zeilen durch Fronter Ulrich wird klar: Der Kerl kann singen. Von episch getragenen Vocallines bis in höhere Stimmlagen schnippt er ohne hörbare Anstrengung und läuft so seinem im Gesang eher limitierten Vorgänger schnell den Rang ab. Mit „Powerball“ haben Powerball einen gelungenen Einstand abgeliefert.

Mit „Ready Set Go“ haben sie nur einen Up-Tempo-Track im Programm, die Bassdrum ballert forsch und wird von aggressiveren Gitarren begleitet. Die Band spielt sich in einen powermetallischen Rausch und hat hier sicherlich einen Live-Kracher an der Angel.

Doch Powerball frönen eher dem stampfenden Teutonenmetal der 80er Jahre und immer wieder versuchen sie sich wie z.B. in „No Mercy“ an mitsingbaren Refrains, bauen klassische Parts ein, die in Live-Situationen nur spärlich von den Instrumenten akzentuiert werden, damit die Fans ihre Qualitäten bei Mitsingspielchen einbringen können.

Mit dem Rausschmeißer haben Powerball einen hervorragenden Track ans Ende der CD gesetzt – im stampfenden Heavy Metal gewandet, Ulrich beweist mit seinem Scream nochmals seine stimmlichen Qualitäten und auch das aus der Frühphase des Metal inspirierte Solo macht Laune auf mehr.

Nicht alle Refrain-Ideen zünden hundertprozentig, was Powerball sicherlich als selbstkritische und detailverliebte Band selber schon bemerkt haben. Negativ ist das aber nicht, denn wer genauso wie die Bochumer auf den stampfenden Retrotrip abfährt, bekommt mit „Thank You For Tomorrow“ einen gelungenen Einstand präsentiert; einen Einstand, der aber auch noch Luft und Spielraum nach oben lässt. Mit Ulrich haben sie einen stimmigen Sänger integrieren können, was der EP merklich gut tut. Powerball machen zumindest einen Sprung nach vorne, aber aufs Treppchen kommen sie mit ihrem Zukunftsgruß noch nicht.

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