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Potentia Animi: Sind die Lichter Angezündet?

Generell gesagt ist die Platte für nicht deutschsprachige Mittelalterliebhaber ein definitives Muss
Wertung: 4/10
Genre: Folk
Spielzeit: 26:21
Release: 04.12.2006
Label: Staupa Musica

“Potentia Amini”, so werde ich belehrt, bedeute “Kraft der Seele”. Seele scheint in ihrem Neuling “Sind die Lichter angezündet?” aber zu fehlen. Von Anfang an:

Hinter dem Namen verbergen sich Bruder Nachtfraß, Bruder Liebe, Bruder Schaft, Bruder Schlag und Bruder Schnabausus Rex, die sich die Metaphorik des Mönchtums vorbehalten.

Gegründet von Liebe und Nachtfraß stiess Bruder Stoch zu der Band, verließ jene aber 2003 wieder. Dafür stiessen Schaft, Schlag und Schnabausus Rex zu dem Duo sowie der ständig im Hintergrund agierende Bruder Moeh, der das erste Gebet produzierte.

Ihre Lied-Kleinode beschreiben die Fünf selbst als “brodelnde, archaische Klangkonglomerat mit wunderschönen, mehrstimmigen Chören, hymnischen Pop-Refrains und züchtigenden Hard Rock-Anleihen“. Ob das auf die letzten zwei Werke „Das erste Gebet“ und „Psalm II“ zu übertragen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Rühmlich ist die Weihnachts-EP „Sind die Lichter angezündet?“ aber auf keinen Fall geworden.

Das Gedicht am Anfang mag noch ganz passend sein. Wirklich gut vorgetragen wechselt Herr Nachtfraß dann aber gleich in die Weihnachtsinterpretationen hinüber. Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf. Bei der Version von „Morgen Kinder wird‘s was geben“ hofft man, dass es anschliessend besser wird. Ein hohler Text, begleitet von Akkordeon und Xylophon - nicht mehr und nicht weniger gibt das Stück her. Ob man lederne Pferdchen oder gelben Vaseline witzig findet, sei jedem selbst überlassen. Dass am Ende der EP das gleiche Stück noch einmal von Schnabausus Kind vorgetragen wird, ist definitiv die Grenze der Geschmacklosigkeit.

Aber wie gesagt, man hoffte auf Besserung. Leider stellt sich der ganze Tonträger als zusammengetragene Ergebnisse einer zu feuchten Bandprobe heraus, sodass ich bei “Es ist ein Ros entsprungen” wirklich anfange, am Verstand der Bruderschaft zu zweifeln. So platt ist nicht einmal die überall beschimpfte Chartmusik! Einzig lobenswert ist die kunstvolle Orgel.

Ich selbst bin kein allzu großer Fan hochformulierter Weihnachtslieder, aber wen die Formulierung “Mir ist ein Duft entsprungen” zum Schmunzeln bringt, ist entweder stockbetrunken - oder Produzent des Liedes. Musikalisch gesehen ist an dem Song nichts auszusetzen: Die Stimmen sind klar, teilweise singt die Bruderschaft mehrstimmig, aber eine derart sinnfreie Interpretation kann man wirklich niemandem empfehlen.

Von einer wunderschönen akustischen Gitarre getragen beginnt das Intro zu “Stille Nacht”, eine Geige setzt ein und beim Klang von Nachtfraß Stimme legen sich sofort alle Hassgedanken gegen die Verhunzung der vorherigen Lieder. Sollte hier tatsächlich auf jedwede platte Textveränderung verzichtet worden sein? Tatsächlich! Der Text stimmt, die Vortragsweise auch - ein wunderbares Lied. Wahrscheinlich hätte man es als langweilige Interpretation abgetan, weil es wirklich richtig klassisch geworden ist, in Anbetracht des vorherigen musikalischen Unfugs wird die “Stille Nacht” zum Goldstück der Platte.

Genauso wunderbar beginnt “Tausend Sterne sind ein Dom” mit einem tiefen Cello und natürlich wird hier der Text auch wieder ordentlich verkorkst. Mit diversen Bandgeschichten, deren Dunkelheit mit geklauten Sternen gelöst werden soll. Ich gebe zu, dass auch der Originaltext von “Tausend Sterne...” nicht sonderlich toll klingt - und immerhin ist der Gesang wunderbar.

Viel hat die Platte nicht mehr zu bieten: Ein sehr orientalisches “Kling, Glöckchen, kling!”, das nach 3 Minuten tatsächlich noch Text bekommt (auf den man aber hätte verzichten können) und einem fast klassischem “Oh Tannenbaum”, das mit einer Spieluhr begleitet wird, aber plötzlich vom Baum zu einer Magd wechselt und warum, das weiss wohl nicht einmal die Bruderschaft.

Generell gesagt ist die Platte für nicht deutschsprachige Mittelalterliebhaber ein definitives Muss. Wer die richtigen Texte zu der musikalisch wirklich tollen Untermalung laut singen will, dem sei der Silberling ebenfalls empfohlen. Alle anderen seien zu Protestaktionen gegen die Verschandelung dieses musikalisches Talents, das in der Bruderschaft zweifellos vertreten ist, aufgerufen. Oder zum Raub der Alkoholvorräte ihres Klosters angeregt.

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