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Potentia Animi: Psalm II

Officium ecclesiasticum est quodlibet munus ordinatione sive divina sive ecclesiastica stabiliter constitutum in finem spiritualem exercendum
Wertung: 5.5/10
Genre: Mittelalterrock
Spielzeit: 45:46
Release: 28.04.2006
Label: Soulfood Music Distribution GmbH

Also ehrlich: mich als friedlichen Naturgläubigen beginnt dieses verbissene Christentum langsam echt zu nerven. Klar ist es als Interessent an mittelalterlicher Musik schon schwer, sich dem Einfluss dieser Religion zu entziehen, doch immer mehr Gruppen haben sich auf die Musik, oder zumindest die musikalische Aura der vorchristlichen Kulturen spezialisiert. Musikalische Aura deshalb, weil das Christentum neben der Schrift auch die Notenschrift in Europa einführte. Daher sind sämtliche noch so alten europäischen Melodieaufzeichnungen auf die Christen begründet, und auch in vielen anderen Bereichen der kulturellen Entwicklung haben sie viel für die Gesellschaft getan. Dass es ebenso wie überall eine zweite Seite der Münze gibt, liegt auf der Hand, und doch bin ich von einer zweifelhaften Freude über die Schwindel erregende Höhe unserer Kultur erfüllt.

Und nimmt man nun diese beiden Aspekte des christlichen Kulturguts genauer unter die Lupe, betrachtet sie mit dem Grundgedanken der Satire, und macht dann Musik für ein Publikum, welches die geschickten Andeutungen richtig deutet, dann kommt so etwas heraus wie Potentia Animi. Denn auch auf ihrem zweiten Album spielt die mittlerweile auf Quintettgröße angewachsene Bruderschaft mit Klischees und Liturgie der katholischen Kirche. Wer sie auf einer der zahlreichen Predigten (Auftritte) erlebt hat, dem wurde gleich der dezente Unterschied zwischen einem echten Mönch und diesem sündigen Plagiat klar. Außer den furchteinflößenden Masken gehören auch ein beinahe ebenso aufdringlicher Dudelsack, ein teuflisch exakt gespieltes Schlagzeug, eine Cister sowie ein E-Bass zu der Gruppe, welche neuerdings durch einen Sackpfeifer und einen Streicher erweitert wurde. Da auch für die Aufnahmen des neuen Albums die Besetzung sehr variabel war, bekommt man manches zu Ohren, was den musikalischen Ausdruck der Band leicht verändert. Dennoch kann man ganz klar den Stil wiedererkennen, den Potentia Animi schon auf ihrem Erstlingswerk zum Besten gaben.

Und genau hier beginnt nun eine kleine Schwierigkeit, denn man hat genau die Aspekte des Debüts herausgefiltert, die den Hörern am meisten gelegen waren, hat die experimentellen Glocken- und Ritualtracks weggelassen. Dadurch wirkt das Album zwar umso einheitlicher, doch gibt es nur noch wenige innovative Höhepunkte. Auch textlich hätte die Bruderschaft hier weitaus mehr erreichen können. So ist das Lied "Totus Floreo" zwar eine sehr einfallsreiche Darbietung im Gegensatz zu den vielen anderen Interpretationen gegenwärtiger Kollegen der Band, doch hätte man hier aus dem weitreichenden Fundus der mittelalterlichen, sakralen Werke etwas Interessanteres finden können. Ein Lied der Hildegard von Bingen wäre beispielsweise eine Herausforderung gewesen, da sich bisher noch keine MArock-Band an diese Stücke gewagt hat - einerseits auf Grund des überwiegend extrem sakralen Inhalts und andererseits wegen der melodiösen Eigenheit, welche geistliche Musik innehat.

Da Potentia Animi jedoch mit Leichtigkeit Dance, Orgeln und MArock vermischen können und dabei immer eine eigene Note in die Musik setzen, ist zu verzeihen, dass bei Weilen einige Schwächen auf dem Album zu erkennen sind. Denn einige der Stücke hören sich an, als seien sie speziell für Konzerte auf Mittelaltermärkten geschrieben worden, und man würde sich auf die Hits des ersten Albums und ihr ausgefallenes Konzept beziehen, um die weniger innovativen Lieder interessant zu machen und vor allem im Liveprogramm einen Platz zu gewähren.

Bei den Auftritten jedoch kann man den Mönchen nur vorhalten, dass sie überaus geübte Musiker sind, die ihre Instrumente und das Publikum wunderbar verstehen und zu beherrschen wissen. Und so muss man erkennen, dass die heiligste Verbindung doch immer noch die direkte ist, und viele der Hymnen einfach durch die Anwesenheit der suspekten Stellvertreter dieses ach so suspekten Gottes an spiritueller Aussagekraft gewinnen. Also geht öfters in die Kirche um die zahlreichen Anspielungen der Gruppe zu verstehen. Officium ecclesiasticum est quodlibet munus ordinatione sive divina sive ecclesiastica stabiliter constitutum in finem spiritualem exercendum. Amen.

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