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Porcupine Tree: Octane Twisted

Muss jeder Fan natürlich haben
keine Wertung
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 128:18
Release: 23.11.2012
Label: KScope (Edel)

Steven Wilson verwöhnt seine Fans derzeit vom Allerfeinsten. Im Mai die Kollaboration mit Mikael Åkerfeldt, die das tolle Storm Corrosion-Album zur Folge hatte, kürzlich die exzellente Blu-ray/DVD „Get All You Deserve“, außerdem für nächstes Jahr die Ankündigung eines neuen Soloalbums und von neuen Tourdaten, und nun gibt es mit „Octane Twisted“ auch endlich wieder eine neue Porcupine Tree-Scheibe für die lechzende Meute. Zugegeben, es handelt sich um kein neues Studioalbum, sondern lediglich eine Liveplatte, doch nachdem ursprünglich für Anfang 2012 ein neues Stachelschweinbaum-Werk vorgesehen war, dies aber letztlich über den Haufen geworfen wurde, da Wilson sich bei seinen Soloaktivitäten zurzeit kreativer fühlt, musste für die PT-Fans ja zumindest ein Kompromiss her.

Und sicherlich kann die Band bereits auf eine ganze Reihe von Live-Veröffentlichungen zurückblicken (darunter zwei DVDs), doch wer die Gruppe selbst schon einmal im Konzert erlebt hat, weiß um ihre Livequalitäten und würde einen neuen Release in dieser Hinsicht niemals in Frage stellen. Abgesehen davon war schon länger davon die Rede, eine DVD herauszubringen, wo das komplette „The Incident“ live aufgeführt wird, so wie man es damals auch mit „Fear Of A Blank Planet“ machte, das bekanntermaßen auf dem „Anesthetize“-Silberling für die Ewigkeit festgehalten wurde.

Hier liegt nun zwar keine DVD, sondern ganz klassisch eine Doppel-CD vor, doch das ist schließlich auch was wert. Es wird allerdings eine Edition mit Bonus-DVD geben, diese entspricht jedoch nicht der Promoversion, weswegen hier nicht näher darauf eingegangen werden kann. Jene Fassung ist streng limitiert, man sollte sich also sputen, wenn man sie besitzen will.

Was die Performance auf „Octane Twisted“ (das wie schon „Arriving Somewhere“ in Chicago mitgeschnitten wurde) angeht, so ist diese selbstverständlich sehr stark und natürlich ist der Sound über jeden Zweifel erhaben, aber das braucht man bei einem Produkt, bei dem Steven Wilson involviert ist, ja eigentlich nicht mehr zu erwähnen. Fett und sauber abgemischt tönen die Instrumente, doch das Livefeeling ist stets greifbar. Gerade Stevens Stimme hört sich einfach superauthentisch an – wo andere zig Effekte draufknallen, vielleicht weil sie Angst haben, live nicht die Leistung wie im Studio bringen zu können, klingt der PT-Frontmann total echt und ohne Nachbearbeitung und digitale Unterstützung. Es gibt wieder einmal nichts auszusetzen, die Darbietung von „The Incident“ mit dem mächtig drückenden Doppelschlag zu Beginn „Occam’s Razor/Blind House“ über das rockige „Drawing The Line“, den düster-verstörenden Titeltrack, das an Pink Floyd zu „Animals“-Zeiten erinnernde Überepos „Time Flies“ bis zum tränentreibenden, wunderschönen Finale „I Drive The Hearse“ ist makellos, aber natürlich dennoch nicht völlig sklavisch am Original orientiert.

So cool es auch ist, „The Incident“ nun auch als Liveprodukt im Regal stehen zu haben – die kleinen Juwelen finden sich vor allem auf dem zweiten Rundling. Sicher, der Opener „Hatesong“ ist ein Klassiker, den die Band schon viele Male aufgeführt hat, doch ist er mit seiner komplexen Struktur und dem dennoch eingängigen Mainriff immer wieder ein Garant für Stimmung, wie die euphorischen Reaktionen beweisen, nachdem Colin Edwin lediglich die ersten paar Töne auf seinem Bass gespielt hat. Ein Song, der immer spannend bleibt, weil gerade Gavin Harrison zeigen kann, was er draufhat, und überhaupt relativ viel Raum zum Improvisieren bleibt – allein deswegen hat der Track auf jedem Liveoutput seine Berechtigung.

Bemerkenswert ist trotzdem vor allem die Berücksichtigung von „Stars Die“ (der älteste Song, den sie an dem Abend spielen, wie Wilson den Fans erklärt) und „Dislocated Day“ in der Setlist; zwei Frühwerke, die die Leute so richtig in Stimmung versetzen – nicht wenige wünschen sich immerhin, Porcupine Tree würden mehr von ihrem alten Material spielen, ein Stück wie „Radioactive Toy“ beispielsweise dürfte meinetwegen gerne mal wieder in der Setlist der Engländer auftauchen. Auch die Aufführung von „Even Less“ in der langen 14-Minuten-Version (als Studiofassung im Bonusmaterial des 2006er Re-Releases von „Stupid Dream“ zu finden) darf man sicherlich als Rarität bezeichnen. Auf jeden Fall wurde darauf geachtet, dass sich auf der zweiten CD nicht zu viele Sachen wiederholen, die bereits auf vorigen Live-Veröffentlichungen enthalten waren, doch so oder so kann ein Fan von Porcupine Tree oder überhaupt Steven Wilson gar nicht anders als zuzuschlagen. Der Mann treibt einen in die Armut!

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