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Polaris: Dawn Of The Last Day

Um den Nachwuchs ist es wahrlich nicht schlecht bestellt
Wertung: 8/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 42:40
Release: 19.07.2013
Label: Eigenregie

Mutig, heutzutage noch in Eigenregie eine CD heraus zu bringen, die im Grunde eine gehörige Portion Old School in sich birgt, aber auch vor einigen wenigen modernen Ausflügen nicht zurückschreckt. Und warum mutig, die jetzt vielleicht aufkommende Frage? Das ist im Grunde recht leicht beantwortet, denn hier im Pott kann man schnell den Eindruck gewinnen, dass sich die Fans recht schwer tun, eine Thrash-Band zu unterstützen, die sich noch keinen Namen gemacht hat oder nicht obskur genug ist. Beides trifft auf die Hattinger Polaris nicht zu, die sich vor der polarisierenden Undergroundpräsenz Polaris in Brasilien (bisher eine Demo „Running Away“ von 2011) oder den Schweizer Eidgenossen Polaris (eine in Eigenregie erstellte Full-Length „Praise The Lords“ aus dem Jahre 2008) nicht zu fürchten brauchen.

Die deutschen Polaris aus dem südlichen Nordrhein-Westfalen bestehen schon seit 2004, hatten aber immer wieder mit Wechseln am Schlagzeug zu kämpfen. Kaum hatten sie ihre erste Demo „Gobal Warning“ eingetrümmert und die ersten Liveerfahrungen gesammelt, da hieß es auch schon wieder, einen neuen Kesselwemser einzuarbeiten, der dann auch nicht nur auf der 2012er Demo „Aurora & Darkest Potency“ zu finden, sondern auch für die Drumspuren auf dem vorliegenden Longplay-Debüt „Dawn Of The Last Day“ zuständig ist. Mittlerweile ist er aber auch nicht mehr dabei und wurde im September 2013 durch Michael Kusch ersetzt, der für die Produktion dieses Debüts die Knöpfchen regulierte.

Alles klar soweit? Bleibt nun noch die Frage, warum die Biographie so ausführlich ausgefallen ist, geht das doch immer den meisten LeserInnen am Allerwertesten vorbei. Aber auch das ist ganz einfach zu beantworten: Das Debüt setzt sich aus Songs aller Schaffensphasen der Band zusammen, wobei mir unbekannt ist, wie die Songs sich vielleicht auch im Laufe der Jahre verändert haben. Auffällig aber ist, dass „Dawn Of The Last Day“ beliebe kein Stückwerk ist, viel eher wie aus einem Guss klingt, was mit Sicherheit auch an der formidablen Gesangsarbeit liegt, ist doch Frontmann und Gitarrist Alexander mit einem hohen Erkennungswert gesegnet, driftet dabei nicht wie sonst schon so häufig in den growlenden Death Metal ab, sondern kommt eher wie eine Mischung aus alten Mille und John Connelly (Nuclear Assault) daher. Sonstige Vergleiche aber kann man sich getrost klemmen, Fans teutonischer Klopper, aber auch Fans der Bay-Area-Rupper dürften hier mit Gänsepelle und leuchtenden Augen belohnt werden.

Das wird auch bei „Pirates Of Thrash“ deutlich, denn Polaris zimmern hier in bester Teutonia-meets-Bay-Area-Hommage einen unvermittelt losbretternden Riffhammer zurecht. Das überrascht insofern, da sie eher im Midtempo verhaftet sind, wie bei „Immolation Of The Dead“ sogar recht bedächtig, melodisch und schon fast sehnsüchtig starten und etwas später nur gelegentliche Tempoverschärfungen einbauen. Mit „Aurora“ liefern sie einen fett amtlichen Thrasher, der zwar immer wieder geschickt leicht ausgebremst wird, bevor die nächste heftige Riffattacke vor den Latz knallt, doch gerade bei den immer wieder aufkommenden feinen Soli rufen Polaris ihr Gespür für feine melodiöse Strukturen ab.

Während das leicht vertrackte „Wanderes In The Mist“ eher im groovigen Midtempo daherkommt und „Deserting Fate“ sich eher wieder zu einem treibenden Thrashbanger entwickelt, eint beide Songs das Verwenden von passenden Gangshouts. Aber auch Darkest Potency“ (forsch treibender Thrasher mit schönen Leadgitarrenmelodiebögen am Ende) und „Among The Blind“ (startet als erwartungsfreudiger Speedhammer, bremst dann doch eher wieder zum Midtempogroover mit Einsetzen des Gesangs) haben sie noch zwei weitere bärenstarke Tracks in der Hinterhand.

Auch Polaris aus NRW zeigen auf, dass es um den Nachwuchs in der deutschen Metalszene, hier speziell der Schublade Thrash, wahrlich nicht schlecht bestellt ist. „Dawn Of The Last Day“ sollte daher nicht wörtlich und prophezeiend genommen werden, sondern vielmehr als Chance für Glücksmomente im Thrashheadlager. Derweil werden die Hattinger es schwer haben, beim zweiten Album noch eine Steigerung abzuliefern.

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