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Poison The Well: Tropic Rot

Die Pioniere des Post-Hardcore holen zum nächsten Schlag aus
Wertung: 8.5/10
Genre: Post-Hardcore, Metalcore
Spielzeit: 47: 47
Release: 10.07.2009
Label: Ferret/Hellfest/Universal

Wir werden überrollt. Lawinen von Bands aus dem Metalcore, Emocore, Post-Hardcore und Deathcore-Genre stürzen auf uns ein. Gut zu wissen, dass es in all der Verwirrung um Stile und Musiker doch noch die eine oder andere Gruppierung gibt, auf die man sich als Metalcore-Hörer getrost verlassen kann. Zu diesen wenigen Kämpfern gehören die US-Amerikaner Poison The Well, die gerade ihr zwölfjähriges Bandjubiläum feiern dürfen.

Der fünfte Streich des Quintetts trägt den Titel „Tropic Rot“ und zeigt einmal mehr deutlich, dass die Musikszene trotz überteuerter Platten und Massen von illegalen Downloads noch lange nicht tot ist. Im Gegenteil, sie döst höchstens ein wenig vor sich hin, bereit, genau dann zum vernichtenden Schlag auszuholen, wenn man ihr gelangweilt den Rücken zudreht.

Genauso wie diese Platte, auf der man immer genau dann einen Schlag in die Magengegend zu bekommen scheint, wenn man sich schon bei den atmosphärischen Klängen der wenigen ruhigen Stücke der Scheibe in Sicherheit gewiegt hat. Schon der Opener „Exist Underground“ überzeugt: Ein konstanter Metalcore-Stampfer, der seine Glanzmomente vor allem in den Shoutingpassagen hat. Sänger Jeffrey Moreira geht hier, wie auf dem ganzen Album, an die Grenzen seiner Stimmbänder.

Das Ganze funktioniert aber auch umgekehrt: Es folgt das ruhige, leicht verstörende „Sparks It Will Rain“, dessen klarer Gesang dem Song erst seinen psychedelischen Beigeschmack verleiht. Diese atmosphärische Grundstimmung, die eher dem Alternative-Bereich zuzuordnen wäre und weniger dem Hardcore, findet sich öfter auf der Platte und verleiht ihr eine ganz eigene Dynamik, die vor allem auch durch das Wechselspiel zwischen klarem Gesang und nervenaufreibenden Shoutings entsteht („Cinema“).

Ungewohnt fröhlich, aber irgendwie passend zum Titel des Albums, kommt „When You Lose I Lose As Well“ daher, das sich fast schon ins Melancholische steigert und am eindrucksvollsten die stimmliche Weiterentwicklung Moreiras seit den letzten beiden Alben widerspiegelt. Ein absoluter Kracher ist dagegen „Celebrate The Pyre“: von der ersten Minute wird man mitgerissen, gegen die Wand geworfen und gen Zimmerdecke geschleudert. Ein mitreißender Beat und beeindruckende Shoutingeinlagen tun ihr Übriges.

Schon beim folgenden Song wiegt man sich wieder in trügerischer Sicherheit, bis der Song frontal durch die Tür bricht und einer unglaublichen Gesangsleistung Platz macht. Überhaupt kann man den Gesang, vor allem in den härteren Passagen, hier nicht oft genug loben. „Makeshift Clay You“ lebt von dem Spiel zwischen Moreiras rauem, aber angenehmem Gesang und seinen schier unmenschlichen Schreien. Am Ende wird man sich selbst überlassen, sitzt völlig geplättet vor den Boxen und ist sich nicht mehr ganz so sicher, wo oben und unten ist.

Definitiv haben Poison The Well einen großen Schritt gewagt, sich so auf die anfangs gewöhnungsbedürftige Atmosphäre zu verlassen, doch ihre Ahnung hat sie nicht im Stich gelassen. Ähnlich wie ihr bahnbrechendes Album „The Opposite Of December“ aus dem Jahr 1999 legt „Tropic Rot“ jetzt, zehn volle Jahre später, den Meilenstein für eine neue Ära der Band, die einmal mehr zeigt, wie gute Musik zu klingen hat.

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