Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Poison My Blood: The Great Northern

Da bleibt kein Auge trocken
Wertung: 9/10
Genre: Hardcore, Progressive
Spielzeit: 38:40
Release: 05.11.2010
Label: Let It Burn/Acuity.Music

Für diejenigen, die Poison My Blood nicht kennen, ist die Combo eine echte Überraschung: Zwar haben sich die Fünf „Hardcore“ auf ihr Fähnchen geschrieben, doch wer jetzt stures Gebolze erwartet, dem sei gesagt: Die Band hat noch mehr drauf. Progressive, technisch einwandfreie Einschlüsse gibt es hier zu hören, der Kontrast von filigran und Dampfhammer wird zwischendurch deutlich hervorgehoben und Sänger Wouter L’Homme brüllt sowieso erst einmal alles und jeden an die Wand. Parallelen zu den Briten Devil Sold His Soul tauchen bereits während des ersten Durchlaufs auf, nur dass PMB um einiges deftiger zu Werke gehen.

Aus dem Hause Let It Burn kommen immer mal wieder richtig heftige, geniale Hardcore-Walzen, aber hier hat sich das Label einen absolut fetten Bock geschossen: Nicht ganz vierzig Minuten Spielzeit hat die Zweitscheibe „The Great Northern“, aber das reicht auch völlig; oben ist plötzlich unten, das Innerste ist nach außen gekehrt – in metaphorischer und anatomischer Hinsicht, denn ich könnte mir vorstellen, dass L’Homme live alles zerlegt – und man hat einen leichten Brummschädel von all den Eindrücken. Dabei sieht der Sänger selbst eher schmächtig aus, ein bisschen an Bury Tomorrow-Fronter Danni erinnert er mit seinem schnuckeligen Gesichtchen, aber dieser trügerische Eindruck ist natürlich verflogen, sobald der Kerl den Mund aufmacht.

Seine Kollegen gehen nicht weniger selbstzerstörerisch an die Sache heran: Drummer Tim Moens bearbeitet seine Schießbude, als bekäme er Geld dafür (was übrigens, sollte es noch nicht der Fall sein, nicht mehr lange auf sich warten lassen sollte), Bassist Tom Verryken spielt sich buchstäblich die Finger wund und die beiden Saitenhexer Koen Delanghe und Stijn Borgers überbieten sich in wildem Geschrammel bzw. schwebenden Gitarrenmelodien. So recht weiß man gar nicht, wo man zuerst hinhören soll, deshalb fangen wir einfach mal am Anfang an und sehen, wohin uns der wilde Ritt führt.

Ohne großes Federlesen wird direkt mit „Isolation“ losgelegt – die typischen Hardcore-Breaks werden mit progressiven Gitarren vermengt, was eine etwas konfuse, aber treibende Mischung abgibt. Dazu röhrt sich Fronter Wouter die Seele aus dem Leib – was für ein Einstand! „Thieves“ bietet dann eine Art Progressive Deathcore, mit einem dominanten Bass – der Stil erinnert ganz entfernt an Asking Alexandria, nur ohne den Techno-Anteil. Es ist ein großartiger Song, erst recht mit der unterschwelligen Melodie im Hintergrund.

Ehrlich, Wouter möchte man nicht im Dunkeln begegnen, wenn er sauer ist. Was der Kerl auf „Crossbearer“ raushaut, verstößt gegen alle Naturgesetze - völlig abgesehen davon, dass das Stück auch noch zündet wie Sau, einmalig. Mit „Fracutres“ haut das Quintett sogar ein Instrumental raus, bei dem man förmlich hören kann, wie die Musiker mit den Füßen scharren. Für das Stillsitzen sind die Jungs wirklich nicht gemacht, das hört man direkt im Anschluss bei „I, The Destroyer“: Dissonante Gitarren und kräftige Shouts liefern sich hier ein Duell um den Platz an der Sonne, pardon, am Trommelfell. Das Ganze wird von knochenzerschmetternden Breaks und im Folgenden einer Armada an wirren Gitarren zerlegt – brilliant!

Der Begriff „episch“ wird heutzutage ja beinahe inflationär gebraucht, aber wenn die Gitarrenmelodie gegen Ende von „The Conscious Ignorant“ nicht episch ist, dann weiß man es auch nicht. Es könnte einem glatt die Freundentränen in die Augen treiben, wenn einen die alles vernichtenden Shouts nicht an der Absonderung jeglicher Körperflüssigkeiten hindern würden. Mit „Year Of The Black Rat“ gibt es zum guten Schluss noch einmal einen Überblick über die Qualitäten der Band - immer drauflos, immer brutal, egal ob sich noch jemand bewegt oder nicht. Umso genialer gestaltet sich dann der Abschluss mit den sphärischen Gitarren und dem von Snares beherrschten Schlagzeug, bevor Wouter wie aus weiter Ferne gequält vor sich hin schreit.

Fazit: „The Great Northern“ ist nicht nur „great“, sondern gehört auch mit zu den besten Hardcore-Alben, die ich mir im Laufe dieses Jahres zu Gemüte führen durfte. Die Jungs kreiern eine dermaßen bedrückende Endzeit-Atmosphäre, dass sich jeder Hollywood-Film zu diesem Thema noch eine dicke Scheibe abschneiden könnte. Hier wird noch gefackelt und nicht einfach nur mit einem Streichholz vor sich hingezündet – in nur zehn Songs brennen Poison My Blood alles nieder, was nicht feuerfest ist, inklusive Trommelfell. Gegen Ende hat man ein lustiges Fiepen im Ohr, das blöde Grinsen bekommt man trotzdem nicht mehr aus dem Gesicht.

comments powered by Disqus

Wenn es im August schneit und trotzdem alle schweißgebadet nach Hause gehen

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann