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Placenta: Missgunst und Neid

Es herrscht allgemeine Verwirrung
Wertung: 7/10
Genre: Deathcore
Spielzeit: 42:15
Release: 13.12.2013
Label: Noizgate Records

13 Jahre sind die Berliner Placenta mittlerweile auf dem Spielfeld der deutschen Metalszene unterwegs, mit „Missgunst und Neid“ steht mittlerweile die dritte Scheibe zum Rezensieren bei The-Pit.de bereit; da fällt es schon mal schwer, noch eine passende Einleitung zu finden. Stützen wir uns auf die Tatsachen: Der Fünfer hat mit der zweiten Scheibe „Fixed Action Pattern“ 2009 starke acht Punkte eingefahren, die nachfolgende „Brutalis“-EP konnte sich sogar noch ein Schrittchen steigern. Das 2011er Album „Replace Your Face“ ging zwar an uns vorbei, dafür belegte die Video-Single „Coca At The Cockloft“ wochen-, ach was: monatelang einen Platz auf der Playlist der Schreiberin dieser Zeilen. Die Zeichen standen auf Sturm und was schließlich dabei herauskam, kann sich seit dem 13. Dezember auf jedem heimischen Plattenteller drehen.

Mittlerweile scheinen die Herren erst richtig angepisst zu sein und pöbeln wie die Weltmeister und nicht zu Unrecht gegen den Trendcore aus Ami-Land. Im ersten Durchgang zeigt sich vermehrt Klargesang – was zur Hölle? Wo Sänger Sven Berlin zu „Brutalis“-Zeiten erst richtig zu Hochform auflief, wird jetzt – nun ja, ein wenig auf die Bremse getreten und klarer Gesang eingeflochten.  Aber halt, Grund zur Panik besteht (noch) nicht: Klarer Gesang muss ja nichts Schlechtes und kann durchaus einen schönen Kontrapunkt zwischen all dem Geprügel sein.

Schwierigkeiten bereiten außerdem die größtenteils deutschen Texte. Ich bin ja gerade noch so ein Fan davon, wenn man vor lauter Geschrei ohnehin nichts versteht – meist greifen die betreffenden Bands aber spätestens im Refrain so derbe damit ins Klo, dass man skippen muss. Ähnlich verhält es sich zum Beispiel bei „Baroness“, das auch beim wiederholten Durchgehen des Textes zwar einige Passagen hat, die ganz gut auf das derzeitige Weltgeschehen passen, insgesamt aber nicht zum Besten gehört, was in der deutschsprachigen Metalszene so kursiert.

"Ein Riese“ kann dann im Komplettpaket überzeugen, auch wenn die Strophenstruktur etwas merkwürdig daherkommt und mit verhaltenem Sprechgesang gestartet wird – der Song hat wuchtige Drums, röhrenden Bass, dynamische Gitarren und eine Stimmgewalt, die man so nicht häufig findet. Ein kleines Manko gibt es dann für den Klargesang, der eine Spur zu klar daherkommt – Fans der alten Scheiben werden sicherlich beim Hören verstehen, was gemeint ist.

„Tanzt“ zielt dann Richtung Abrissbirne, wartet aber im Refrain wieder mit klarem Gesang auf, der allerdings diesmal nicht ganz so kitschig ausfällt. Ein super Track, bei dem sich die Beine passenderweise von selbst bewegen. Wirklich textlich überzeugen kann dann „Wunderschön und wild“, mit unter drei Minuten bleibt hier auch nicht viel Zeit für Herumgekrebse, dementsprechend gibt es auch instrumental gesehen voll eins auf die Mütze. Schönes Ding und im Stile der älteren Placenta-Songs gehalten – da stört auch das bisschen Gesang im Mittelteil nicht, denn der passt hier ausnahmsweise wie Arsch auf Eimer.

Insgesamt herrscht aber allgemeine Verwirrung auf dieser Seite des Computers: Haben sich die Berliner jetzt dem Anti-Ami-Trendcore verschrieben, nur um teils recht kitschige Clean Vocals einzustreuen? Wollen die Herren uns verwirren, indem sie gleichzeitig wie in „Schwarze Tauben Steigen“ einige der besten Screams der gesamten Diskografie loslassen? Man weiß es nicht so recht. Interessant ist das Album allemal, aber oftmals bleiben doch Fragezeichen im Gesicht des Rezensenten. Da geschieht die Punktevergabe dann auch nur recht vorsichtig.

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