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Placenta: Fixed Action Pattern

Trendposers leave the hall
Wertung: 8/10
Genre: Deathcore
Spielzeit: 56:04
Release: 30.11.2009
Label: Noizgate Records

Wenn man als Berliner Band neun Jahre durch die Gegend getingelt ist, ohne irgendeine Form von größerer Publicity zu bekommen, kann man sich wirklich als „Underground“ bezeichnen. Die Deathcorecombo Placenta kriecht mit ihrem zweiten Album „Fixed Action Pattern“ nun endgültig aus der Kanalisation hervor und haut die Berliner Musikszene direkt mal in Schutt und Asche. Was da auf CD gepresst wurde, müsste eigentlich beim bloßen Öffnen der Hülle schon losbrüllen wie eine Horde Wahnsinniger: irrwitzige Growls und Shoutings prallen hier auf kreischende Gitarren, treibende Doublebass-Passagen und einen Bass, der einen fast umhaut.

Das klingt jetzt natürlich alles ultrabrutal und unglaublich true, mit so etwas haben die fünf Jungs aber eher nichts am Hut. Sich selbst nicht allzu ernst nehmen, ist die Devise; Spaß an der Musik haben und den Fans diese Spielfreude übermitteln, ist das, worauf es ankommt. Schließlich haben sie vor fast einer Dekade als Spaßpunkrockband begonnen und sich dann an das Metalgenre herangetastet. Angefacht haben sie ihre neue Leidenschaft mit dem letztjährigen Album „Human Abyss“, auf ihrer aktuellen Scheibe lodert nun die Flamme des Deathcore; und zwar nicht des „Wir-bollern-ganz-böse-und-jammern-im-Refrain-ein-bisschen“-Deathcore: Hier herrscht gnadenlose Brutalität!

„White Chicks Even Chug A Lug“ donnert gleich mal durch die Boxen, die drängenden Drums, Sven Berlins ultratiefe Growls und die extrem druckvolle Produktion lassen keine Wünsche offen. Da hatte scheinbar Drummer und Co-Produzent Tobias Stein seine Fingerchen im Spiel, der sein geliebtes Schlagzeug ein wenig in den Vordergrund schieben wollte. Gut so, denn der Sound ballert einen schon jetzt völlig weg. Zusätzlich gibt´s im Refrain eine ziemlich coole Melodie, jedoch ohne das übliche Emo-Gesinge, das sowieso nur bei wenigen Bands noch einigermaßen gut klingt.

Man möchte kaum glauben, dass hier tatsächlich nur ein Sänger zugange ist – abgesehen von Tobias´ Backingvocals. Herr Berlin brüllt, keift und grunzt sich die Seele aus dem Leib, dass man dem armen Kerl am liebsten einen Eimer reichen möchte; vor allem „Fame By Name“ entpuppt sich als buchstäbliches Brett von einem Song, der komplett und ausschließlich für das moshende Publikum geschrieben zu sein worden scheint. Die Breaks sind genau an den richtigen Stellen, im Refrain wartet Metalcore-mäßiger klarer Hintergrundgesang auf uns, der trotzdem sehr speziell ausfällt.

Dass Placenta gerne mal herumspielen, kann man bei „3 Minutes Rape“ kaum überhören. Abgesehen davon, dass der Titel absolut geil und extrem passend ist, findet man im Einstieg Symphonic Black Metal-Elemente, die Gitarren im Hintergrund klingen lustig nach Dimmu Borgir und bevor man sich richtig über den kurzen Exkurs in Sachen Stilbezeichnungen wundern kann, kriegt man schon wieder voll eins auf die Nuss, weil der Song losgeht wie ein Stier. Da kommt das Elektrobeat-Zwischenstück „Pinocchio Stretches Woodenly In The Forest“ gerade richtig und auch das Einsame-Gitarre-Instrumental lässt uns Zeit zum Verschnaufen. Wie sich die Jungs so beknackte Titel ausdenken und dann ein Zwischenstück einfach nur „Interlude“ nennen konnten, ist mir allerdings ein Rätsel.

Auch der Rest der Platte nagelt einen geradezu an die Wand: Sei es geniale Gitarren- bzw. Schlagzeugarbeit („The Shape Of Death To Come“), oder völlig geisteskranke Shoutings, bei deren bloßem Anhören schon Äderchen im Auge platzen („Prison Prism“) – die Jungs von Placenta haben den Hörer im schmerzhaften Griff. Als Sahnehäubchen gibt’s einen kurzen, aber lustigen Hidden Track, der hoffentlich in angetrunkenem Zustand entstanden ist.

Fazit: Der Tinnitus hat einen neuen besten Freund und der heißt Placenta. Was die Berliner da wegballern, ist kaum zu glauben. Tatsächlich wird das Geballer mit der Zeit ein bisschen monoton, aber bei der Energie traut man sich gar nicht, so etwas überhaupt anzudeuten. Tatsache ist, dass das Quintett einen ziemlich brutalen Deathcore-Klumpen ausgespuckt hat, der technisch wie textlich voll auf die Zwölf geht. Das Rumkrebsen im Berliner Untergrund hat also endlich ein Ende! 

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