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Placenta: Brutalis EP

Der Name ist Programm
Wertung: 8.5/10
Genre: Deathcore
Spielzeit: 19:50
Release: 09.07.2010
Label: Noizgate Records

Placenta muss man mittlerweile nicht mehr vorstellen. Die Berliner Deathcore-Chaoten haben Ende letzten Jahres mit „Fixed Action Pattern“ eine Platte rausgehauen, die bei uns auf Anhieb 8 von 10 Punkten einsacken konnte (siehe Review). Dass das Quintett inzwischen schon ein rundes Jahrzehnt lang seine Instrumente strapaziert, hört man der Scheibe an – ebenso wie dem neuen Output „Brutalis“, zwar nur eine EP statt einer Langrille, aber nichtsdestoweniger ultrabrutal, lustig und absolut Placenta.

Geändert hat sich auf den ersten Blick nicht allzu viel: Mit den beiden Gitarristen Michael und Jens, Drummer Tobias, Bassist Florian und Sänger Sven steht das Line-Up von Placenta wie der Fels in der Brandung, so wie auf der Vorgängerplatte auch. Auch wieder mit dabei: Der etwas bizarre Humor der Berliner, perfektioniert in Songs wie „Brute Willis“ oder „Yes, You’re Ugly“. Auch bei der Produktion der neuen EP durfte Drummer Tobias wieder ran und diesmal hat der Mann sich selbst übertroffen – der Sound ist noch fetter, noch differenzierter als beim ebenfalls sehr eindrucksvollen „Fixed Action Pattern“ und man wird schon beim Opener regelrecht an die Wand geblasen.

Selbiger hört übrigens auf den schönen Titel „Boredom At Its Best“ und straft sich damit gleich mal selbst Lügen: Selten ist mir bei einer Deathcore-Band ein so geniales Instrumental untergekommen; die Gitarren hämmern sich durch des Hörers Schädeldecke, die eher im Hintergrund gehaltene Melodie verbreitet eine unheimlich intensive Stimmung, die uns auf den Rest der Scheibe einstimmt. Nahtlos geht’s weiter mit „Trendcutter“, bei dem Sven sich wieder ordentlich zu schreddernden Gitarren und einer rasanten Doublebass austoben kann. Leichte Kost ist die Musik der Fünf sicher nicht, hier werden keine gefälligen Moshparts oder Breakdowns verteilt wie beim Schlussverkauf – im Gegenteil, jede Sekunde klingt hart erkämpft, jeder Break lässt nur sehr kurz Zeit, um einigermaßen zu Atem zu kommen.

Textlich besonders schön ist das eingangs erwähnte „Brute Willis“, quasi eine Hommage an die letzten großen Actionhelden unserer Zeit und in Zeiten von schnuckelig-schmalzigen Vampirboys genau das Richtige für alle, die noch wissen, wie wahre Männer auszusehen haben. Sven bringt es auch direkt auf den Punkt: „Brute Willis and Fuck Norris, the perfect pair, the total package“ und am Ende des Songs heißt es dann auch folgerichtig „Hey guys, the world needs more of your kind“. Wie wahr, wie wahr. Ob die beiden Herren sich bei der Band schon für die Werbung bedankt haben? Dass der Song ein Brett ist, brauche ich gar nicht erst zu erwähnen, flinke Gitarrensoli und abwechselnd tiefe Growls und höheres Gekreische geben dem Stück den nötigen Drive, inklusive unheilvoll anmutender Gitarrenlicks.

Charmant geht es mit „Yes, You’re Ugly“ weiter, bei dem Sven sich zu Anfang sogar entschuldigt, weil ihn einfach die Ehrlichkeit übermannt (klar, wer’s glaubt), einem schnellen Stück, das ungefähr so angenehm wirkt wie ein Bohrer beim Zahnarzt, aber ordentlich Staub aufwirbelt, und dem Schluss-Arschtritt „Optimus Prime“, mit dem die Jungs nun auch noch ihre Liebe zu Transformers-Spielzeug bekunden. In jedem Mann steckt also doch noch ein Kind, man muss es nur lange genug suchen.

Placenta haben sich im Gegensatz zu ihrer Vorgängerplatte ein gutes Stück gesteigert, ihren Band-Charakter weiter ausgebaut und mit „Brute Willis“ jetzt schon einen Klassiker abgeliefert. Dabei gehen die Jungs gewohnt brutal, aber mit der Portion Humor zu Werke, die sie so sympathisch macht. „Brutalis“ gehört definitiv in jeden gut sortierten CD-Schrank!

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