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Pitpony: Greetings, Changeling!

Fans von Gitarrenmusik kommen hier auf ihre Kosten
Wertung: 8/10
Genre: Noiserock, Alternative Metal, Experimental
Spielzeit: 46:00
Release: 04.11.2011
Label: FinestNoiseReleases

"Du hast noch nichts gehört... wenn du noch nichts gehört hast." Dieser wenig aussagekräftige Satz, der ganz stark an die iPhone-Werbung erinnert, schaut einem auf der Info zum neuen Pitpony-Album "Greetings, Changeling!" entgegen. Tja, umgekehrt wird ein Schuh draus: Wenn man die Platte nämlich schlussendlich gehört hat, ist man immer noch genauso fast schlau wie vorher. Was die Drei von der Tankstelle hier zusammenmischen, sprengt die Grenzen des auditiven Bewusstseins: Da prallen psychedelische Noiserock-Passagen auf einen Schuss Hardcore und Postrock, als hätten sich System Of A Down mit City Weezle gepaart, das alles garniert mit den teils aberwitzigen Vocals von Drummer Steff. Es wird geschrien, geflüstert, geklagt, gesungen, immer untermalt von einem schön dominanten Schlagzeug und mal erdigen, mal aufkreischenden Gitarren. 

Dass die Band aus Berlin stammt, dem deutschen Melting Pot der Kultur und Kunst, hört man irgendwie. Das Chaos der Stadt spiegelt sich durchaus in den zwölf Tracks wieder, die auf 46 Minuten gebannt wurden. Bereits beim Titelstück zu Anfang der Platte wird klar: Pitpony sprengen die musikalischen Ketten nicht mit stumpfer Gewalt, sondern winden sich geschickt aus Genrelimitierungen heraus und um stilistische Beschreibungen herum. Irgendwie muss man die Jungs nun aber doch benennen, um einigermaßen klarmachen zu können, was man hier so auf die Ohren bekommt; die Gitarren braten also, Steff pendelt zwischen manischem Geschrei und Grunge-artigem, gepresstem Gesang im Stile von Bush. Ein geiler Einstieg ist das allemal, nun bleibt abzuwarten, ob die "small but angry creature", das Pitpony nämlich, das Niveau halten kann.

Bei "Thought For Sore Minds" geht es dann erneut richtig zur Sache, inklusive rasant geschredderten Gitarren, die man sich am liebsten eine Stunde in Endlosschleife anhören würde. Dem Begriff Noiserock werden die Ponys aber erst mit "Hollow Days, Precious Nights" gerecht, einem düster-wütenden Stück Musik, das sich über beinahe sieben Minuten erstreckt, und von bedächtigen, fast geflüsterten Zeilen zu schwarzmetallischen Schreien übergeht. 

Im Verlauf der Platte wechseln Pitpony gerne und häufig das Genre. Ob Groover à la Motorjesus ("Average") oder leicht melancholische Stücke wie "Reign Over The Sea", es dürfte hier wirklich für jeden Fan von abwechslungsreicher Rockmusik etwas dabei sein. Lediglich "A Reasonable Dance" fällt etwas aus der Reihe und kommt eher wie etwas unmotivierter und vor allem uninspirierter Indierock daher. Das klammern wir schnell aus, diesen Faux-Pas, und stürzen uns auf die genialen Intro-Gitarren beim folgenden "Take A Left Turn For The Right".  Der Song entwickelt sich fast zu so etwas wie einer düsteren Jamsession, ab und an unterbrochen von sehr leisem, zurückhaltendem Gesang, der kurz darauf in einem verzweifelten Schrei gipfelt.

Meine Güte - dafür, dass ich mit der CD gute zwei Tage gekämpft habe, bevor das Ding überhaupt mal länger als fünf Minuten in der Anlage überstehen durfte, kann ich mir jetzt eine positive Bewertung auf jeden Fall nicht mehr verkneifen. Schön, wenn man seine Meinung so revidieren kann. Pitpony können einiges, sowohl im technischen als auch songschreiberischen Sektor. Wer auf Gitarren steht, kommt an der Scheibe eigentlich nicht vorbei. Alle anderen sollten aber auch einmal reinhören.

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