Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Pissmark: Der Frömmler

Stumpfe Texte und auch sonst eher unspannend
Wertung: 3.5/10
Genre: Brachiale Wiener Härte
Spielzeit: 42:41
Release: 05.02.2010
Label: Eigenproduktion

Die Wiener Jungs von Pissmark provozieren, wo sie können: Der gute alte Bismarck würde sich bei dem Bandnamen wahrscheinlich im Grab rumdrehen, das Cover der aktuellen Scheibe „Der Frömmler“ ziert einen Geistlichen, der sich von einem minderjährigen Knaben oral befriedigen lässt und auch Zeilen wie „Totes Fleisch, ich will lecken, in eure Körper meine Namen stechen“ laden nicht unbedingt zum geselligen Beisammensein ein.

Reichlich platt, möchte man meinen, und auch die selbst erdachte Genrebezeichung „Brachiale Wiener Härte“ lässt Skepsis ob des Einfallsreichtums der fünf Österreicher aufkommen. Dabei sind Pissmark längst kein unbeschriebenes Blatt: Bereits seit 2002 gibt’s die Band, drei Jahre später erschien die erste EP, „Amok“ mit Namen, die es Drummer Rawman, Bassist Burny, Der Baader, Martin El Mere (beide Gitarre) und Sänger Kine sogar ermöglichte, mit den Amis von Pro Pain die Bühnen in Grund und Boden zu stampfen.

Man muss den Jungs zugute halten, dass sie auf „Der Frömmler“ kein Blatt vor den Mund nehmen – hätten sie vielleicht aber lieber. „Mit Dem Kopf Durch Die Wand“ erinnert mich zum Beispiel an die „Farbenfinsternis“ von Eisregen, nur mit billigem Text: „Piss Die Wand An, Schmücke Dein Heim“ gehört jetzt nun mal nicht zum besten deutschsprachigen Liedgut. Der rote Faden etwas ekliger, aber sprachlich relativ uninteressanter Verse zieht sich wie Kaugummi durch fast alle Stücke.

Beim Ausdruck Brachiale Wiener Härte denkt man gerne an die maschinenartigen Riffs von Rammstein, die Wiener bieten aber eher Midtempo-Riffing in den etwas tieferen Regionen und vorwiegend roh klingenden, heiseren Gesang. Problematisch an der Sache ist, dass die Platte allzu gleichförmig wirkt; überall herrscht derselbe bedrohliche Unterton, der hier aber keineswegs eine bestimmte Stimmung aufbaut, sondern einfach nur stumpf wirkt.

Dabei lassen sich Stücke wie „Verbot“, das schleichende „Hundeleben“ oder auch „Schizophren“ gar nicht mal schlecht an. Letzteres bietet insofern Abwechslung, dass das Intro nicht aus einer tief riffenden Gitarre besteht, sondern auch einem kleinen Schlagzeug-Intermezzo – bevor wieder in die üblichen Versatzstücke übergewechselt wird: wenig einfallsreiche Gitarrenlicks und ein Text, der diesmal sogar überraschend einfallsreich ausfällt. Ob die Stumpfheit der Platte jetzt ein Zeichen dafür ist, dass die Band nichts kann (was ich nicht glaube) oder dafür, dass das Publikum einfach nicht den nötigen IQ erreicht, um komplexere Musik zu begreifen, sei mal dahingestellt.

Schade auch, dass ausgerechnet der Titelsong der Platte nur ein Instrumental ist – auf den Text hätte man sicherlich gespannt sein können. Immerhin: Die Jungs haben auch eine Botschaft, wie zumindest bei „Todesboten“ zu hören ist, das sich sehr deutlich gegen Krieg und sonstiges sinnloses Massakrieren ausspricht. Sozial- und politkritisch zeigt sich auch der Inhalt des Rausschmeißers „Schläfer“, der zwar von den Terroranschlägen in London handelt, dennoch leider nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Fazit: Tatsächlich kommt einem bei der Musik ein ganz bestimmtes, nicht besonders schmeichelhaftes Bild des möglichen Publikums in den Sinn, das zu revidieren vermutlich wirklich schwierig wird. Die Platte selbst bietet kaum Abwechslung, aber einige gute Ansätze vor allem in den kritischeren Textpassagen – ansonsten bleiben die Songs aber leider relativ unspannend.

comments powered by Disqus

Top-Stimmung in der Markthalle auch an einem Mittwochabend

Auch die unsägliche Informationspolitik kann einem den Spaß nicht verderben

Stimmungsvoller Abend mit zwei motivierten Bands