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Pink Floyd: The Story Of Wish You Were Here

Sollte man als Floyd-Fan gesehen haben
keine Wertung
Genre: Progressive/Psychedelic Rock
Spielzeit: 85:00
Release: 22.06.2012
Label: Eagle Vision

„Wish You Were Here“ gilt mit Recht als einer der größten Klassiker der Rockgeschichte. Wer ist noch nicht in den zauberhaften Klängen von „Shine On You Crazy Diamond“ versunken, in die kalte Atmosphäre von „Welcome To The Machine“ eingetaucht, hat inbrünstig den fabelhaften Titelsong mitgesungen oder versucht, Roy Harpers stimmliche Höhen in „Have A Cigar“ zu erreichen? Die insgesamt neunte Studioplatte von Pink Floyd erreichte zwar nicht den unfassbaren kommerziellen Erfolg ihres Vorgängers „Dark Side Of The Moon“ (der mit mittlerweile etwa 50 Millionen verkauften Einheiten allerdings auch nicht weniger als die zweiterfolgreichste Scheibe der Musikgeschichte nach Michael Jacksons „Thriller“ darstellt), steht diesem in Bezug auf die musikalische Qualität jedoch in nichts nach. Und nicht nur unter Fans gilt „Wish You Were Here“ als eines der beliebtesten Alben – Gitarrist David Gilmour und Keyboarder Richard Wright (R.I.P.) bezeichneten das Werk als ihren Favoriten unter allen Floyd-Alben.

Manch einer wird sich vielleicht fragen, ob es angesichts des ohnehin schon vorherrschenden Veröffentlichungs-Overkill heutzutage denn wirklich nötig ist, eine DVD zu einer 37 Jahren Platte, die schon x-mal besprochen wurde, herauszubringen, doch handelt es sich hier immerhin um ein Jahrhundertalbum und außerdem ist die Entstehungsgeschichte dieser Langrille tatsächlich sehr interessant. Man erfährt sehr detaillierte Einblicke und neben ausführlichen Statements der vier Bandmitglieder (auch der 2008 verstorbene Wright kommt zu Wort, hier wurden Aufnahmen eines 2001 geführten Interviews verwendet) geben alle möglichen damals involvierten Leute Anekdoten zum Besten, so zum Beispiel der Coverkünstler Storm Thogerson, der Cartoonist Gerald Scarfe (der einige Videoclips für die Band realisierte und später vor allem bei „The Wall“ eng mit Floyd zusammenarbeitete), die Fotografin Jill Formanovsky, der Stuntman Ronnie Rondell (der brennende Mann auf dem Cover), Gastsänger Roy Harper und Engineer Brian Humphries.

Gerade die Sequenzen mit letztgenanntem sind vor allem für Soundgourmets und Leute, die sich generell für Studioarbeit interessieren, ein besonderer Leckerbissen, da Humphries bei den Stücken teilweise die einzelnen Originalspuren von damals vorführt, wobei einige Details zu Tage treten, die zugegebenermaßen auch mir noch nicht aufgefallen sind, obwohl ich das Album schon mindestens hundertmal gehört haben muss. Man sieht in dem Tonmann dabei richtiggehend die nostalgischen Gefühle emporsteigen, da er sich nach eigenen Angaben zum ersten Mal nach dreißig Jahren wieder in den berühmten Abbey Road Studios aufhält und lange nichts mehr mit dem alten Material zu tun hatte.

Was die Entstehungsgeschichte von „Wish You Were Here“ aber so interessant macht, ist die Tatsache, dass die Band nach dem Megaerfolg von „Dark Side Of The Moon“ nicht wirklich auf dem Rockolymp angekommen war, sondern für ihre Verhältnisse eher maue, unterdurchschnittliche Konzerte spielte und von der Plattenindustrie frustriert war. Auch an Syd Barretts Abgang im Jahre 1968, der die Gruppe wegen psychischer Probleme, die nicht zuletzt auf maßlosen LSD-Konsum zurückzuführen waren, verlassen musste, hatte man immer noch zu knabbern. „Shine On You Crazy Diamond“ ist dann auch Barrett gewidmet, der sich kurz vor der Fertigstellung der Scheibe sogar kurz in den Studios blicken ließ und ein erschreckendes Bild abgab: Aus dem gutaussehenden, unglaublich talentierten Frauenschwarm war ein glatzköpfiger, aufgedunsener Fettsack geworden, der kaum noch in der Lage war, seine Gitarre ordentlich zu bedienen, wie ein paar völlig belanglose und – leider muss man es so deutlich sagen – stümperhaft gespielte Aufnahmesequenzen belegen, die auf der DVD ebenfalls präsentiert werden. Diese sind Barretts musikalisches Vermächtnis, das letzte, was er, soweit bekannt, je auf Tonband bannte.

Nicht nur David Gilmour, Roger Waters und Nick Mason fragen sich, was alles aus diesem einst so kreativen Musiker hätte werden können, wenn er sich in Sachen Drogenkonsum deutlich zurückhaltender gezeigt hätte. Allerdings räumen sie bei sich selbst sogar eine Mitschuld ein, da es ihrer Meinung nach nicht nur die Drogen waren, die Syd zerstörten, sondern er – obwohl er nur eine, wenn auch bahnbrechende Platte (das legendäre Debüt „The Piper At The Gates Of Dawn“) mit Pink Floyd aufnahm – auch vom Musikbusiness ausgebrannt gewesen sei beziehungsweise der Wille der übrigen Bandmitglieder, erfolgreich zu werden und groß herauszukommen, dazu geführt haben könnte, denn dies war nicht unbedingt Barretts Primärziel.

Zum gut einstündigen Hauptfilm gesellen sich außerdem noch 25 Minuten Bonusmaterial mit weiteren sehenswerten Interviewschnipseln mit David Gilmour, Roger Waters und Nick Mason. Gilmour spricht dabei unter anderem über Syd Barrett, mit dem er (was viele wahrscheinlich gar nicht wissen) bereits vor der Gründung von Floyd sehr gut befreundet war, und Waters philosophiert über den Text von „Wish You Were Here“ und das Rockstardasein, das ihm eigentlich so gar nicht behagt, was ja teilweise auch die Lyrics bei „The Wall“ aufzeigen. Dafür, dass Waters häufig als schwieriger Charakter bezeichnet wird, wirkt er in den Interviews doch sehr bodenständig und ehrlich. Ein bisschen was von der damaligen Platte spielen die beiden Saitenkünstler dann auch noch vor, wobei sich mal wieder zeigt, dass David Gilmour nach wie vor den geilsten cleanen Gitarrensound aller Zeiten hat – der Mann ist und bleibt wahrlich ein Klangzauberer.

Insgesamt sollte die DVD von jedem Pink-Floyd-Fan auf jeden Fall mal gesehen worden sein. Hier haben wir ein wertiges Produkt vorliegen, das logischerweise (sie sind ja selbst in der Doku zu sehen) von den drei verbliebenen Bandmitgliedern abgesegnet wurde, und nicht wie in so manchen anderen Fällen ähnlicher Machart irgendwelchen unautorisierten Ramsch, der sich letztlich nur als das Billigprodukt eines Trittbrettfahrers entpuppt, der mal eben den schnellen Euro machen will. Das Menü ist stilvoll gestaltet, Bild und Ton gehen in Ordnung; jedenfalls bei der DVD-Version, die Blu-Ray lag nicht als Promo vor. Erfreulicherweise sind auch Untertitel in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch anwählbar, die teilweise zwar etwas unglücklich platziert sind, was sich allerdings verschmerzen lässt.

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