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Pigs: You Ruin Everything

Arschtritt auf hohem Niveau
Wertung: 8.5/10
Genre: Solar.Flare Records
Spielzeit: 42:37
Release: 11.04.2012
Label: Alternative Metal, Noise Rock

In der heutigen Zeit, in der jede noch so unbekannte und unbegabte Hinterhofkapelle ein eigenes Genre für sich beansprucht oder gar neu kreiert, fällt es meistens recht leicht, verschiedene Gruppen verschiedenen Schubladen zuzuordnen, Überraschungen oder Fehltritte hinsichtlich der Spezifizierung passieren einem da kaum noch. Umso erfrischender ist es dann, wenn man sich ein neues Album anhört und auch nach mehrmaligem Hören noch nicht so recht weiß, in welche Ecke man die Veröffentlichung und somit die Band denn nun packen soll. Selbiges ist bei "You Ruin Everything" der Amis Pigs der Fall. Der erste Durchlauf hinterlässt einen Grindcore-Nachgeschmack - die zweite Runde fördert ordentliche Groove-Metal-Elemente zutage; nach dem dritten und vierten Durchgang findet sich Rock, Blues und Funk im Sound der drei Musiker.
Dass Gitarrist und Sänger Dave Curran, Drummer Jim Paradise und Bassist/Sänger Andrew Schneider keine Unbekannten in der Rock- und Metalszene sind, dürfte sich spätestens bei den furiosen Instrumentalpassagen von selbst erklären. Vor allem Bassist Schneider dürfte einigen Hardcorefans bekannt sein, verdingte er sich doch bisher vornehmlich als Produzent von unter anderem den mächtigen Converge und sollte ursprünglich auch für Pigs nur hinter den Reglern sitzen - schließlich half der gute Mann aber am Bass aus und fand den Job scheinbar nicht ganz so bescheiden, denn seitdem hat sich das Duo zum Trio vermehrt.

"You Ruin Everything" ist so etwas wie ein Schnelldurchlauf durch die Rockgeschichte, verpackt in ein stellenweise recht dichtes Metalgewand. Hier findet man so ziemlich alle Spielarten von Hardcore, Metal und Rock, ohne dass der Sound auch nur eine Sekunde lang zusammengewürfelt wirkt. Wenn man sich von Prädikaten wie "Alternative" oder "Experimental" losreißen will, passt die Bezeichnung Noise Rock wahrscheinlich noch am ehesten zum Konzept der Band. Ganz sicher sein kann man sich da aber nie.

Bereits "Massive Operator Error" lässt einen kaum im Zweifel darüber, dass Pigs ordentlich rocken können, ohne sich allzu sehr festlegen zu müssen. Ein fast düsteres Gitarrenintro bereitet auf ein von Grunge à la Alice In Chains geprägtes Stück vor, in dem vor allem der Kombination aus klaren, angepissten Vocals und kurzen Screams besonders viel Platz eingeräumt wird. Ein bisschen an die Neunziger fühlt man sich hier erinnert, auch Pearl Jam lassen grüßen - ein schöner Track und irgendwie genau das richtige bei dem sommerlichen Wetter. Dazu bietet das nachfolgende "Drained" mit seinem noisigen Instrumentaluntergrund und den verzerrten Screams einen überraschenden Kontrapunkt, in "Outburst Calender" erwarten den Hörer gar Tooleske Instrumentalpassagen.

Ähnlich variabel präsentiert sich die komplette Tracklist von "You Ruin Everything", ohne dass auch nur eine Nanosekunde abgekupfert wirkt. Wird man wirklich mal eindringlicher an eine Band erinnert, so hat es eher den Eindruck, als wollten die Amis der betreffenden Truppe oder einem ganzen Genre Tribut zollen.

Mit "At Least It's An Ethos Pt. 1 & 2" haben die Jungs sogar einen Doppelepos ans Albumende gestellt. Part eins des Songs besteht aus leicht noisigen, Post-Rock-mäßigen Gitarren und den gerufenen Vocals, die durch die Instrumentalwand dringen. Ein bisschen erinnert das Ganze an die Franzosen Hypno5e, nur ohne Geschrei. Die Härte wird aber im zweiten Teil eingeführt, der zwar elektronischer daherkommt als sein Vorgänger und mit vielen eingestreuten Samples behaftet ist, dafür aber auch über wesentlich deftigere Gitarren und ein strammeres Drumming verfügt.

Mit null Erwartung ist man an "You Ruin Everything" herangegangen, erst recht bei dem Cover, und kommt mit Begeisterungspfützchen in der Hose und einem breiten Grinsen wieder aus der Vorstellung heraus. Pigs machen schlichtweg eines, nämlich Gitarrenmusik, ohne das lahmarschige Studentenprädikat, das man in der deutschen Noise-Rock-Szene des Öfteren findet. Die Platte tritt Arsch und hat sich somit ihre 8,5 Punkte wohl verdient.

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