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Picture: Old Dogs New Tricks

Auf dass die Hunde ewig leben
Wertung: 9/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 52:39
Release: 01.10.2009
Label: Hellion Records / DMI Records

Endlich sind sie zurück und es gibt das erste Studioalbum nach 22 Jahren von der holländischen Heavy Metal Legende Picture. Vor 30 Jahren gegründet, die erste Metal Band aus Holland, die einen Plattenvertrag ergattern konnte und mit unvergesslichen Hymnen  wie zum Beispiel „Eternal Dark“ gesegnet, welcher unter anderem auch von Hammerfall gecovert wurde. Mein persönlich meist herbeigesehntes Album für 2009. Allein das ist eine sehr schwere Bürde, mal hören, ob sie das stemmen können, das 2008er Livealbum konnte ja schon mit zwei neuen Songs kräftig punkten.

Eröffnet wird das Album mit dem Titeltrack „Old Dogs New Tricks“ und recht bösem Hundegebell. Im gemäßigtem Tempo bahnt sich die Band ihren Weg durch die Lautsprecher und arbeitet mit einem guten Headbangergroove. Der Schädel fliegt unweigerlich vor und zurück, ohne aber für Nackenschmerzen zu sorgen, da das Tempo eher den „Old Dogs“ angepasst wurde. Pete Lovell hört man das Alter an, wobei dies hier eher positiv als negativ zu bewerten ist. Das klingt kultig, wie auch die ganze Produktion, die sehr 80er Jahre-mäßig ausgefallen ist. 

„Blood Out Of A Stone“ ist da deutlich zügiger angelegt und sorgt für viel Freude. Das sind die alten Picture, wie man sie liebt. Deutliche Parallelen zum „Eternal Dark“-Album sind offensichtlich. Der Song rockt, auch die nie zu technisch ausgeprägten Gitarrensolos von Jan Bechtum und Rob van Enkhuizen sorgen für mehr Enthusiasmus. Ein erstes starkes Highlight. Schön, dass die Band nach ihren eher schwachen Alben von 1986 und 1987 wieder zu ihren wirklichen Highlights zurück gefunden haben. Da passt auch der Retrosound.

„High On Fire“ zeigt eine etwas neuere Seite der Band, indem man hier zum einen deutlich rockiger zu Werke geht und sich irgendwie in die Reihe alter Rockstars einreiht. Der Refrain ist nicht so stark herausgearbeitet, aber irgendwie schwingt hier unheimlich viel alter  Rockstar-Charme mit. Ich kann es nicht wirklich genauer beschreiben, aber so ähnlich klingen einige alte Rockheroes heute auch. Ich will hier aber keine Namen nennen, da Picture zu jeder Zeit wie Picture klingen.

Dann kommt der erste neue Track, der schon vom „Live 2008“ Album bekannt ist. „Live By The Sword“ entwickelt hier sogar ein wenig Motörhead-Feeling, da sich die Gitarrenmelodie zeitweise recht ähnlich dem Eröffnungsthema von „Metropolis“ anhört. Sehr starke Nummer, die mit einem unglaublich guten Refrain ausgestattet ist, der sich tief ins Gehirn festfrisst. Das tolle Gitarrensolo muss aber auch noch einmal gesondert erwähnt werden.

Deutlich anders wird es dann mit der fast schon ein wenig verträumten Ballade „Now It`s To Late“. Mit Rob van Enkhuizens Akustikgitarre garniert, beginnt Pete Lovell seine ruhigere Seite der Stimmbänder zu zeigen, das klingt wirklich gut, aber Picture wären nicht Picture, wenn sie es nicht zumindest im Refrain noch mal krachen lassen. Alt sind sie, aber leise, nein das sind sie wirklich noch nicht. Mit einer modernen Produktion hätte man hier einen Song mit gehörigem Chartpotential, aber so klingt das Ganze halt deutlich stimmiger. Vielleicht sollte die Band hier mal über eine Extended Version als reine Singleauskopplung nachdenken. Ich muss zugeben, einen solchen Kracher hätte ich der Band nicht zugetraut. 

„Just Incredible“ zeigt dann wieder deutlich mehr metallische Gene. Leider kann er nicht ganz mit dem bisher gezeigten mithalten, da hilft auch das solide, vielleicht manchmal auf dem Album etwas zu stark hervorstechende Drumming von und „Bakkie“ Laurens Bakker nichts.

„Who Can You Trust“ ist dann die Abgehnummer des Albums mit herrlich herausstechender Gitarre zu Beginn und dem dann folgenden eher düsteren Verlauf im urtypischen Picture-Style hat man hier einen weitern Kracher im Gepäck. Schade, dass hier Rinus Vreugdenhil nicht vereinzelte Akzente weiter im Vordergrund hat setzen dürfen. Das hätte den Song sicherlich mit ein zwei kleineren Sololäufen auf dem Bass noch deutlich aufwerten können, und das trotz des hohem Niveaus.

„Opposites Attract“ ist dann wieder etwas mehr im eingängigen Midtempo gehalten und dokumentiert wieder einiges von Pete Lovells guter Stimme. Hier wird auch mal die Gitarre über eine Voicebox verfremdet. Absolut gelungne, aber auch nicht wirklich ein Vergleich zu den ganzen Anspieltipps, zumal der nächste Kracher nun auch schon folgen soll. 

„Choosing Your Sign“ erklingt und der Schädel fliegt gemächlich vor und zurück, zu häufig lief das Stück schon von der Live-CD, als dass ich mich noch allzu sehr damit vertraut machen müsste. Klasse Song mit Anspruch auf festen Bestandteil der Setlist bei Konzerten.

Leider kommt danach auch das Lowlight des Albums: „A Better Soul“. Ein eher traditioneller Rocker, welcher aber nicht wirklich zu Picture passt. Das ging leider daneben und ein wenig Sorge macht sich breit, dass das bei den verbleibenden Songs auch in diese Richtung gehen könnte.

Aber diese Sorge ist völlig unbegründet, denn mit „Celtic Cross“ hat die Band wieder einen Kultsong erschaffen. Dabei klingt der Song sehr frisch und unverbraucht. Der Refrain brennt sich tiefer ins Gedächtnis wie der Biss eines Hundes. Nein, wirklich alte Hunde sind die fünf  von der holländischen Band nicht. Höchstens nach dem Kalender, aber nicht vom Blute her.

Den Abschluss kredenzt uns die Band dann mit der Uptemponummer „Never In A Million Years“. Hier darf der Kopf noch mal deutlich vehementer durchgeschüttelt werden, man streckt ungewollt die Faust in die Luft und gröhlt den Songnamen aus sich heraus. Oft wirken Songs mit rebellischen Texten ab einem gewissen Musikeralter irgendwie wie eine Persiflage, dem ist hier aber nicht so. Ein starker Schlusspunkt unter einem gelungenem Album.

Fazit: Picture sind nun auch mit einem Studioalbum zurück. Viele hätten ihnen ein derart starkes Album sicher nicht zugetraut. Mit einem quasi Greatest Hits (auch wenn da sicher noch gut zehn Songs fehlen würden) Album als Livemitschnitt zu punkten, ist für eine Band  von der Garde Picture nicht schwer. Dies aber mit einem Studioalbum und neuem Material zu untermauern, dagegen schon. Dies ist weitestgehend gelungen und der traditionelle Heavy Metaller feiert ein Fest. Hoffentlich kommen sie bald auf größere Deutschland Tour.

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