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Picture: Live 2008

Eine Legende kehrt zurück
Wertung: 9.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 48:22
Release: 12.09.2008
Label: Marsmountains

Liebe Metalfans auf der Welt, Unglaubliches hat sich zugetragen. Fast schon heimlich, still und leise hat sich eine Band reformiert, die seit Ende der Siebziger beziehungsweise eigentlich für die Öffentlichkeit Anfang der Achtziger den Geheimtipp schlechthin abgegeben hat. Hm, Geheimtipp, heißt ja eigentlich, dass es die Band nie geschafft hat. Ja und nein. Damals grassierte ja die NWOBHM und da wurde natürlich viel Gutes übersehen und dieses Metalflagschiff kommt aus Holland. Picture ist die erste niederländische Heavy Metal Band, die einen Plattenvertrag ergattern konnte und das mit Warner Bros. Records, bevor sie dann zu Backdoor (Phonogramm Records) wechselten. Und das schon 1981. Ja, und dass sie eigentlich deutlich mehr als nur ein Geheimtipp waren, zeigt unter anderem, dass Hammerfall ihren Song ?Eternal Dark? gecovert haben. Schaut euch mal die Kommentare bei YouTube an, da herrscht vorwiegend die Meinung, dass das Original besser ist. Kein Wunder.

Und nun hat sich die Band 29 Jahre nach der Gründung reformiert und greift erneut an. Ein neues Studioalbum ist in der Mache und man hat, sozusagen auf kleinem Dienstweg, schonmal eine Live CD aus diesem Jahr am Start, welche allerdings nur als streng limitierte Version an den Start geht. Also beeilt euch, sonst verpasst ihr was.

Los geht`s mit ?Opening Tune Picture?, welcher aus einer Version von Carl Orff`s ?O Fortuna? besteht. Da es sich bei Fortuna ja um eine Glücksgöttin handelt, ist diese Wahl musikalisch zwar richtig gelungen, aber inhaltlich etwas daneben, denn diese Band braucht kein Glück. Nein, wer einen derartigen Backkatalog im Rücken hat, der kann nichts mehr falsch machen. Und so ertönen dann nach über 2 Minuten endlich der Donner und die Band legt kräftig mit ?You`re All Alone? los. Der Song von ihrem 82er Werk ?Diamond Dreamer? weiß auch heute noch zu begeistern, kein Wunder, der im zügigen Midtempo gehaltene Knaller ist ein idealer Opener.

Jawohl und dann kommt der erste große Hit der Band: ?Heavy Metal Ears? hämmert derart durch die Lautsprechermembranen, dass sich sowas wie eine Freudenträne im Auge ansammelt und gewillt ist, die Heimat zu verlassen. Zur Hölle, was haben eigentlich die Bands in den letzten beiden Jahrzehnten gemacht, wenn man derart aus dem Häuschen gerät, wenn man solche alten Songs hört?

Ohne Lückenfüller geht es zum nächsten Klassiker. ?Diamond Dreamer?, deutlich langsamer als der Vorgänger, entfaltet seine Wirkung. Wie bei den Songs zuvor ist man ungehalten, schüttelt sein Haupthaar und gröhlt mit. Ja, da kann man eigentlich nicht still stehen oder auch sitzen bleiben.

Dann kommt der Moment, auf den auch ich schon seit 24 Jahren warte. Die Übernummer ?Eternal Dark? live zu hören. Ja, denn auch ich habe die Band leider noch nie live begutachten können. Mein Nachbar hämmert mal wieder den falschen Takt gegen die Wand und brüllt hysterisch, aber meine Stereoanlage ist eh lauter und ich gröhle den Text mit mehr Hingabe, also was soll`s? Der Bass von Rinus Vreugdenhil donnert immer noch so düster verschwitzt aus den Lautsprechern wie anno 1983. Ein Fest für die Ohren. Wer diese Version hört, weiß, warum Hammerfall im direkten Vergleich keine Chance hatten.

?Griffons Guard The Gold? zieht dann wieder das Tempo an. Eine starke Abgehnummer, die direkt ins Blut geht. Starke Gitarrenarbeit, gerade auch beim Solo von Jan Bechtum und Rob van Enkhuizen. Ja, so wurden damals Heavy Metal Träume gemacht.

Dann folgt das tolle ?Tell No Lies? auch vom genialen ?Eternal Dark? Album. Der Nachbar scheint aufgrund körperlicher Erschöpfung auch sein Trommelfeuer gegen die Wand aufgegeben zu haben, da passt es doch ganz gut, dass der Song ein wenig langsamer geraten ist, dennoch in keinster Weise langweilig, eher erhaben und heroisch.

Darauf folgt das Intro für ?Lady Lightning?, bevor die Band wieder das Kommando übernimmt und losrockt. Oh mann, was wäre wohl heute, wenn die Band aus England gekommen wäre, sie würden sicher zur Creme de la Creme der NWOBHM zählen.

Dann wird es richtig ruhig, denn es folgt die wunderschöne Ballade ?You`re Touching Me?. Und ganz klar, der Titel des Songs spricht genau das aus, was die Band mit diesem Album bei mir macht. Auch heutzutage werden wenig Powerballaden mit dieser Schlagkraft geschrieben, welche den Hörer dennoch dahinschmelzen lassen. Großes Heavy Metal Kino! Wer weiß, wo die Metalszene in Holland heute stünde ohne Picture. Denn seien wir mal ehrlich, Deep Purple und Co., also die Stars, die man heute noch kennt und verehrt, waren auch nicht die ersten beziehungsweise die wahren Wegbereiter für unsere Musik. Nein, da gibt es viele vergessene Perlen, die es nie zu Weltruhm geschafft haben.

Dann kommt der erste mit Spannung erwartete neue Song der Band: ?Choosing Your Sign?. Und er fügt sich sehr gut ein. Klar hat er nicht den Kultstatus der alten Songs, aber dennoch weiß er mehr als zu überzeugen, denn man ist sich und seinem Stil treu geblieben. Jawohl, der Song geht ins Ohr und krallt sich im Gedächtnis derart fest, dass es selbst den besten Chirurgen nur schwer fallen sollte, ihn aus dem Kopf zu entfernen.

Direkt im Anschluss folgt dann der zweite Neuling: ?Live By The Sword?. Ein weiterer Beleg dafür, dass die Band unbedingt zurückkommen musste. Und man kann froh sein, dass man bei den neueren Stücken nicht den Weg des damals letzten Albums ?Marathon? eingeschlagen hat. Ein tolles Gitarrensolo garniert die starke Melodie der Sechssaiter und Laurens Bakker sorgt am Schlagzeug für den exakten Rhythmus.

Nach dem kurzen Intro ?Tune Bombers?, welches eigentlich nur ein wenig Akustikgitarrengeklimper ist, das von Interviewfragmenten der Band stammt, geht es dann noch ein allerletztes Mal für diese CD in die Vollen. ?Bombers? ertönt und unter großem Donnergrollen fliegt die Band ihren letzten Angriff auf`s Publikum und wirft eine weitere Hitbombe von ihrem allerersten Album ab. 

Fazit: Alt, aber noch kein bisschen leise, das Prädikat passt gut zu Picture im Jahre 2008, da wohl auf Grund des Alters die meisten Metal Fans hier noch einiges an Nachholbedarf haben dürften, denn die Band hat sich 1987 aufgelöst und die Reunions zwischendurch waren nicht sehr zielstrebig. Hier gibt es ein fettes Stück Musikgeschichte, die eigentlich keinem Heavy Metal Fan unbekannt sein sollte. Hört bei myspace unter pictureholland rein und feiert kräftig ab. Die holländische Legende ist zurück, und das ist auch gut so. Kommen wir nun zur Punktevergabe. Eigentlich müssen da 10 Punkte stehen, da man es aber nicht geschafft hat, das Publikum vernünftig einzufangen und abzumischen, geht doch ein bisschen Flair der Liveaufnahme verloren und so gibt es nur 9,5 Punkte.

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