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Phobiatic: Fragments Of Flagrancy

Derbe und doch auch verspielt
Wertung: 8/10
Genre: Technical Death Metal
Spielzeit: 33:35
Release: 29.08.2014
Label: Unundeux

Wer Phobiatic aus Essen und Umgebung kennt, der weiß, dass diese Truppe ziemlich kompromisslos durch den Tech-Death-Urwald rauscht, sodass einem vor Geschwurbel regelrecht schwindelig wird. Und wer sich darüber hinaus auch schon ein wenig mit der ruhrpottschen Todesszene beschäftigt hat, weiß natürlich um das Engagement von Mister „Bloß keine Melodie“-Flitzefinger Robert Nowak, der ja schon mit Krachcombos à la Unchallenged Hate, Jack Slater oder auch Japanische Kampfhörspiele aktiv war bzw. ist – kaum zu glauben, dass er sogar mit Patrick Donath (ex-Greydon Fields, jetzt Wicked Disciple) bei Artcrime eher auf powermetallischen Pfaden unterwegs war.

Wesentlich wichtiger, nicht im Sinne von besser oder schlechter, aber grundsätzlich, ist der Wechsel am Mikrofon, denn der auch bei Diaroe seine Stimmbänder malträtierende Christian ist nicht mehr dabei und wird nun auf dem vorliegenden zweiten Longplay-Rundling durch Sebastian von Warfield Within ersetzt – dass der sich gerne selbst strangulierende Kerl sich ebenfalls auf derbe Brüllerei versteht, dürfte dann für Szenekenner keine große Überraschung mehr darstellen.

Das größte Plus aber haben die Vier selbst, unabhängig von Namensspielereien oder anderen musikalischen Verdiensten, in die digitalen Rillen gezimmert, denn bei aller technischen Schredderrei geht der rote, songdienliche Faden nicht verloren, sodass Deathheads, die einen weiten Bogen um jegliche Tech-Todes-Annäherung machen, hier nicht mehr vorbehaltlos nein sagen können. Natürlich werden zur Verlockung auch ganz gerne Genregrößen von Cannibal Corpse über Origin bis Beneath The Massacre in den Raum geworfen, was durchaus als Orientierung herhalten mag, den Essenern aber nur bedingt weiterhilft, lassen sie es doch herrlichst brutal in Eigendynamik krachen, dass einem das Underground- und todesmetallische Herz nur so aufgeht.

Flirrende Gitarren hier, Blastdrums dort, so hört sich das Gros der Scheibe an, wie von der ersten Sekunde an „Bugging Operation“ impliziert – fette Drums wie ungebändigtes Maschinengewehrknattern mit Dauersalven, dazu aber auch eine liebevoll angetippte Klampfe, fertig ist ein kaum drei Minuten langer Zerstörer. Auf Pausen braucht man sich erst gar nicht einstellen: „A Genius Of Manipulation“ ist pures, technisch hochwertiges Geballer mit derben Vocals und zahllosen Breaks, die Drums scheinen sich wie schon bei „Ripped To Shreds“ selbst überholen zu wollen, während die rasend schnell flirrenden Gitarren einem den Rest geben. Und was sich so unstrukturiert liest, funktioniert, ohne aufgesetzt zu wirken, da trotz aller Frickelei der Song tatsächlich noch als Einheit im Mittelpunkt steht und nicht „totzerbrochen“ wird.

Mit „R.A.T.T.“ wollen die Essener den Fan glatt in den Wahnsinn führen, denn einmal mehr sorgen das treibende Gitarrengeflirre in Kombination mit den rasenden Drums für ein unheilvolles Miteinander, wo nur kurze ausbremsende Passagen sich schnell wieder im Drum- und Riffgewitter verlieren und wie eine untergehende Ruheinsel im sirrenden Taifun untergehen. Ganz anders aber gehen Phobiatic bei den beiden über fünf Minuten langen Stücken zu Werke. Zwar frickeln sie bei „House In Cleveland“ erst wieder unvermittelt los, wandeln dann aber auf verhaltenen Pfaden, bleiben trotzdem durchschlagskräftig – teilweise schon ein bisschen strange psychedelisch. Und auch beim Rausschmeißer „Metropolis (Of The Dead)“ „experimentieren“ sie mit verhalteneren Passagen vor allem zu Beginn und am Ende und sorgen so für einen gelungenen Spannungsaufbau bzw. Ausklang, zwischendurch aber donnern die treibenden Drums mit den Gitarren „full speed ahead“ dem Breakrausch entgegen.

Kompromisslos, nicht nur technisch versiert, sondern auch songdienlich, derbe und doch auch wieder verspielt, so präsentieren sich Phobiatic auf ihrem zweiten Longplayer „Fragments Of Flagrancy“ – Tech-Death-Fans müssen zugreifen, aber auch „normale“ Todesköpfe werden kaum etwas auszusetzen haben.

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