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Phil Campbell And The Bastard Sons: Live At Solothurn

Nicht essenziell, aber macht Laune
keine Wertung
Genre: Rock'n'Roll / Hard Rock
Spielzeit: 22:54
Release: 23.06.2017
Label: Nuclear Blast

Ende 2015 verstarb bekanntermaßen Motörhead-Legende Lemmy Kilmister – dass Gitarrist Phil Campbell und Drummer Mikkey Dee danach nicht unter demselben Bandnamen weitermachen konnten, verstand sich von selbst. Während Mikkey mittlerweile bei den Scorpions trommelt, tobt sich Phil nun in seiner eigenen Truppe Phil Campbell And The Bastard Sons aus, die sich neben ihm selbst aus seinen drei Söhnen sowie Sänger Neil Starr zusammensetzt. Genaugenommen existiert der Fünfer allerdings bereits seit 2013, hieß damals aber noch Phil Campbell’s All Starr Band.

Nachdem man im November des letzten Jahres eine Fünf-Track-EP unter dem neuen Bandnamen herausbrachte, folgt rund ein Dreivierteljahr später mit „Live At Solothurn“ erneut eine EP – Phil und seine Jungs scheinen wohl auf dieses Format zu stehen. Diesmal mit insgesamt sechs Stücken angereichert, entstammen drei dem Debüt-Minialbum, während die andere Hälfte aus Coversongs besteht. Für meinen Geschmack hätte die Produktion der ersten EP ruhig ein bisschen mehr Dreck vertragen können – für diese Art Musik war das schon fast ein bisschen zu sauber und klar. Im direkten Vergleich mit den nun kredenzten Liveversionen fallen diese definitiv etwas rotziger aus, so wie es sich gehört.

Das Songmaterial selbst darf solide genannt werden; Phil hat bei Motörhead viele Songs geschrieben und weiß, wie es geht, andererseits weiß auch der Fan weitestgehend, was ihn wohl zu erwarten hat. „Big Mouth“ ist treibend und eingängig, „Spiders“ schleppender, düsterer und mit sludgig-grungiger Schlagseite ausgestattet, während „Take Aim“ als beinahe lupenreiner Hard-Rock-Song durchgeht. Natürlich hat das alles Motörhead-Vibes, freilich ohne das Original zu kopieren, das ist aber ja schon allein durch Lemmys einzigartige Stimme und das unverkennbare Bassspiel nicht möglich.

Dass sich mit „Nothing Up My Sleeve“ und „R.A.M.O.N.E.S.“ dann auch zwei Motörhead-Nummern in die Tracklist eingeschlichen haben, dürfte wohl niemanden überraschen (immerhin handelt es sich nicht um die offensichtlichen Standards à la „Ace Of Spades“, „Overkill“ oder „Killed By Death“ – das wäre auch zu billig und langweilig gewesen), das starke Black Sabbath-Cover „Sweet Leaf“ fügt sich ebenfalls glänzend ein.  

Eine runde Sache also, diese EP, auch wenn man sich die Frage stellen darf, ob dieser Release unbedingt nötig gewesen wäre, so mancher hätte es wohl als sinnvoller erachtet, erst ein Full-Length-Album zu machen und eventuell dann eine Live-Scheibe, zumal keine neuen Songs auf „Live At Solothurn“ vorgestellt werden. Man darf also zuschlagen, muss es aber nicht unbedingt. Interessanter ist ohnehin die Frage, wie sich die Band in puncto Songwriting-Qualität über die Distanz eines kompletten Albums schlägt. Bis dahin macht diese Miniplatte – wenn auch nicht essenziell – zweifellos viel Spaß.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“