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Pestilential Shadows: In Memoriam, Ill Omen

Atmosphärischer Black Metal aus Down Under
Wertung: 7/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 44:15
Release: 02.10.2009
Label: Pulverised Records / Soulfood

So kann man sich täuschen: Als ich „In Memoriam, Ill Omen“ von Pestilential Shadows einlegte, stellte ich mich sogleich auf ein unglaubliches Gemetzel ein, da die Band ihre eigene Musik als „Anti-Human Plague Black Metal“ bezeichnet. Nicht gerade ein freundlicher Begriff (begründet natürlich mit dem obligatorischen „Die Welt ist so schlecht, der Mensch verursacht nur Leid gegenüber seinesgleichen und der Natur“, wo allerdings ja schon was dran ist), noch dazu, wenn man aus dem sonnigen Australien stammt, wo man sich eigentlich kaum vorstellen kann, dass überhaupt jemand so düstere Musik zu fabrizieren in der Lage ist.

Doch mittlerweile hat sich in Down Under durchaus eine Black-Metal-Szene entwickelt; bei näherem Hinsehen wird beispielsweise klar, dass Sänger und Gitarrist Luke Mills aka Balam und zwei weitere Mitglieder von Pestilential Shadows auch bei der relativ bekannten Gruppe Nazxul tätig sind, die kein unbeschriebenes Blatt mehr ist und im australischen Underground schön länger ihr Unwesen treibt – das heißt, wir haben es hier mit Leuten zu tun, die schon einige Erfahrung im Schwarzwurzel-Genre gesammelt haben und wissen, wie man Spannung aufbaut und entsprechende depressive Stimmung vermittelt.

Wegen der Stilbeschreibung war ich dennoch zunächst etwas überrascht, recht schnell zu registrieren, dass das von Pestilential Shadows Dargebotene doch recht subtil anmutet und es sich keineswegs um eine reine Blastbeat-Orgie handelt. Genau genommen ist ein Großteil des Materials auf dieser Scheibe eher im Midtempo gehalten, was den schwermütigen Charakter von „In Memoriam, Ill Omen“ ausmacht; statt klirrender Raserei sind etliche versteckte, melancholische Melodien zu finden und zwischen diesen in mittlerer Geschwindigkeit gehaltenen und den natürlich trotzdem durchaus hin und wieder auftauchenden schnelleren Parts gibt es jede Menge ruhige, atmosphärische Passagen, die gut in die jeweiligen Songs eingebaut wurden.

Bereits im – noch nicht allzu spektakulären – Opener „Weapon Against The Sun“ taucht eine kurze ruhige Stelle mit cleaner Gitarre auf, was Dynamik und Atmosphäre sehr zugute kommt, im folgenden, wesentlich stärkeren „Beautiful Demise“, welches mit sehr hübsch im Hintergrund erklingenden, melodischen Lead-Gitarren, die das Verlorene, Depressive der Musik nur unterstreichen, ausgestattet ist, wird dieses Element noch weiter ausgereizt; sogar ein Klavier wird am Ende eingesetzt, was einen ganz hervorragenden Ausklang für dieses Stück darstellt.

„With Serpents I Lay“ ist dann ein weiteres, verloren und verzweifelt klingendes Epos, das in der Mitte mit schaurig-schönen, dissonanten Akkorden aufwartet, um sich zum Ende hin immer mehr dramatisch in Geschwindigkeit und Intensität zu steigern. Sehr stark, wie auch das sich anschließende „Of Loss And Suffering Inherit“ (mit sieben Minuten der längste Track des Albums), bei dem zunächst nur Tristesse verbreitende, vereinzelte Gitarrenklänge ertönen, bevor es im weiteren Verlauf härter zur Sache geht.

Gegen Ende der Scheibe wildert man allerdings noch konsequenter in Black-Metal-typischen Uptempo-Gefilden, wie „For Man And Heaven’s Ruin“ und der finale Track „Bathed In Ashes“ beweisen – die beklemmende Stimmung bleibt jedoch weitestgehend erhalten. „Sundered“ dagegen ist ein bewusst monoton gehaltener Song, dessen Riffing tatsächlich ein wenig an Katatonia zu „Brave Murder Day“-Zeiten erinnert, und mit „Ecclesia Moriendi“ hat man ein Instrumental am Start, dessen Heavy-Riffing zu Beginn irgendwie nicht so richtig ins Gesamtkonzept passen will, das erneut ruhige Ende sich dafür aber um so besser einfügt.

Insgesamt liegt mit „In Memoriam, Ill Omen“ ein hörenswertes Album vor, in dessen düstere Stimmung man sich gut fallen lassen kann. Stilistisch sind Pestilential Shadows wohl am ehesten mit den Amerikanern Wolves In The Throne Room zu vergleichen, wenngleich deren Klasse nicht erreicht wird und das Ganze definitiv einen depressiveren Charakter besitzt.  

Äußerst gewöhnungsbedürftig ist die Produktion – hier braucht es schon ein paar Durchläufe, um sich mit den kratzigen Gitarren, die auf ein dünn klingendes Schlagzeug und einen kaum wahrnehmbaren Bass treffen, anzufreunden. Natürlich hat das Underground-Feeling, aber so mancher dürfte wohl seine Probleme mit diesem wenig durchschlagskräftigen Sound haben. Auch das etwas plötzliche Ausklingen des letzten Songs erscheint merkwürdig. Dennoch ein gutes, intensives Album, das seine Daseinsberechtigung hat und es wert ist, angetestet zu werden.

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