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Pessimist: Call To War

Starkes Old-School-Thrash-Debut
Wertung: 8.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: netto 41:12
Release: 10.12.2010
Label: Firefield Records

Verdammter Schrott, da muss man förmlich Schwarz sehen, denn hier trudelt das Debut der Thrash-Combo Pessimist ein und bisher war sie den Redaktionsmitgliedern völlig unbekannt. So ein Schrott, denn welch Perle da aus dem beschaulichen Weil am Rhein auf die Thrashwelt zubrettert, wird schon gleich nach dem ersten Durchlauf klar.

Vor etwas mehr als vier Jahren haben sich Tz am Mikrofon und die beiden Gitarristen Peppi und Robin zusammengetan, kurze Zeit später stießen Tieftöner Sevi und Schlagwerker Raphi dazu, um fortan tief mit dem Allerwertesten im Thrash der Achtzigerjahre festzustecken, ohne aber mit widriger Anbiederung in selbigen zu kriechen. Schon mit ihrer ersten Demo „Nuclear Holocaust“ aus dem Jahre 2007 konnten sie offenbar gute Kritiken ernten, 2008 folgten dann noch ein schlicht „Pessimist“ betiteltes 4-Track-Demo sowie im Dezember selben Jahres eine Live-Scheibe mit dem Titel „Live im SAK“.

Für die erste Demo-CD bekamen Pessimist noch das Prädikat „Old School bis auf die Unterhose“ aufgedrückt – das kann man auch für das Debut „Call To War“ so stehen lassen, allerdings ohne die miefigen Eigenheiten, die solche Leibwäsche häufig innehat. Pessimist sind weit davon entfernt, großartig mit neuen Ideen das Thrash-Genre neu zu definieren, doch sie spielen mit derart viel Witz frisch ins aktuelle Jahr, dass jeder Thrashhead seine Freude daran haben wird. Entweder steht man Luftgitarre spielend vor den auf zehn aufgedrehten Boxen und gniedelt sich die Finger blutig oder aber das Airdrumming sorgt für spontane Schweißausbrüche, denn der stampfende Rhythmus hält einfach gefangen.

Die CD ist mit dem Hidden Track auch ein wenig künstlich in die Länge gezogen worden – da scheint doch der Zocker bei Super Mario, der übrigens neuerdings auch in einem Berliner Museum untergekommen ist, kurz vor Schluss in Level vier doch noch abgestürzt zu sein – nein nein nein.

Der Opener „Trommelfeuer“ – der einzige Song mit deutschem Refrain – zeigt schon ganz gut auf, wohin die Thrashreise denn geht. Immer wieder dominieren starke Leadgitarren, werden durch stampfende Rhythmen vorangetrieben, und diverse Tempiwechseln kommen zwar nicht völlig unüberraschend, wirken aber zu keiner Zeit konstruiert oder auf künstlich getrimmt. Ohne Frage haben Pessimist die Alben der guten alten Zeit mehr als verinnerlicht, denn sie halten sich gerne an klassische Songaufbauten – ein fettes Riff, stampfende Drums, der Bass pumpt songdienlich und unaufdringlich und ganz oben thront Tz mit knurr-bärbeißigem Bell-Gesang – und schon steht wieder ein toller Song parat, der lebendig die Thrash-Szene der Neuzeit mit Old-School-Stoff versorgt.

Pessimist wollen auch gar nicht ihr Idole großartig verstecken – so könnte „The Massacre Of Nanking“ auch aus der Feder von Kreator stammen – „….is there something after you…- während der Uptempo-Thrasher „Son of Satan“ sicherlich bei der einen oder anderen Slayer-Party geboren wurde – zwar hätte das Anfangsriff auch gut auf einer Wargasm-Scheibe stehen können, aber die kannte damals schon keine Sau.

„Call To War“ stampft an allen Ecken und Enden, doch Pessimist können auch die derbe Thrashkeule auspacken. Ohne Vorwarnung metzelt „Infernal Death“ titelgerecht los und bietet zwischendurch nur kleine Midtempopausen zur Erholung. Ruhiger wird es anschließend mit „Prelude (Arm To War)“ – zwar hat man seit den letzten Manowar-Scheiben gehörig die Schnauze voll von diesen Prelude-Spielereien, doch Pessimist heben diese Gangart endlich mal wieder ins kollektive Bewusstsein und liefern hier eine stimmungsvolle Einleitung für die anschließende „Call To War“-Dampframme (wenn hier nicht auch Wargasm Pate standen). So macht Thrash Spaß – abwechslungsreich, immer wieder auf die Zwölf, und trotz zahlreicher Inspirationen schwimmen Pessimist durchaus in eigenen Gewässern und bereichern durch Spielfreude und der Verarbeitung typischer Achtziger Klischees (man lausche dem Liebespiel-Intro von „It’s Time To Fuck (With Hate)).

Fazit: Pessimist haben mit „Call To War“ ein erfrischendes Old School Thrash Metal Paket abgeliefert. Trotz zahlreicher Zitate aus der Vergangenheit machen die Jungs nicht den Fehler und kopieren derart dreist, dass eine eigene Identität flöten gehen würde – schon allein die knorrige Stimme vom Frontmann Tz hebt das Album hervor und macht es zu einem Hörerlebnis. Bleibt nur zu hoffen, dass wegen dem Sodom-inspirierten Cover der olle Knarrenheinz nicht in Weil am Rhein vorbeischaut, um sein Revier abzugrenzen.

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