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Perzonal War: The Last Sunset (Vinyl)

Wächst mit jeder Runde
Wertung: 8,5/10
Genre: Melodischer Thrash Metal
Spielzeit: 21:15/21:56
Release: 29.05.2015
Label: Metalville

Die Troisdorfer Perzonal War gehören irgendwie schon seit Jahren zu den Combos, die man einfach zu selten wahrnimmt, und läuft man ihnen beispielsweise auf einem Festival über den Weg, dann ist man immer heilfroh, diese Band erlebt haben zu dürfen. Mag sein, dass sie sich immer wieder ein bisschen zu rar gemacht haben, was die Liveauftritte betrifft, mag sein, dass sie mit ihrer Musik dann doch eher eine Nische besetzen, die nicht unbedingt besonders angesagt ist. Frontmann Metti selbst ist ja der Auffassung, dass einfach zu wenig melodischer Thrash Metal angeboten wird, denn genau hier hat sich das Quartett verortet.

Wobei der Oberbegriff „Thrash Metal“ eindeutig zu kurz geraten ist, haben die Nordrhein-Westfalener doch auch diverse Power-Metal- oder einfach auch nur Metaleinflüsse auf ihrer nunmehr achten Full-Length-Scheibe verbaut. Und was schon Anfang des Jahres bei der Listening-Session mehr als deutlich aufgefallen ist: Perzonal War konzentrieren sich einfach wieder auf ihre Stärken, schmeißen modernen Schmonzens über Bord und packen dem Groove und der Melodie ordentlich an die stählernen Eier.

Und wer heute in 2015 auf sich hält, der setzt natürlich auch auf Vinyl, so wie eben „The Last Sunset“ auch, welches auf 500 Einheiten limitiert im orangen Vinyl zur Verfügung steht. Die Platte selbst ist mit 144g ausreichend dick genug, eine Kennzeichnung der Limitierung ist allerdings nicht vorhanden. Natürlich kommt das Coverartwork in groß viel besser zur Geltung, schade nur für den kleinen Rüffel an die Grafikabteilung, dass die Tracklist der CD-Variante übernommen wurde und auf der Rückseite der Hülle nicht nach Seite A und B unterscheidet. Die Innenhülle ist bedruckt, auf der einen Seite sind die kompletten Texte vorhanden, auf der anderen ist die Band selbst im Großformat zu sehen. Auf den Labeln des Vinyls ist sofort erkennbar, welche Seite wo ist, und auch die Titel sind dort abgedruckt. Ausgeliefert wird die Platte in einer Cellophanhülle, was beim Kauf am Merchstand einen gewissen Schutz bietet, beim Versand aber dafür sorgt, dass sich das Vinyl selbst in der Hülle schneller abdrückt.

Schon die A-Seite macht deutlich, wie sehr die Troisdorfer nicht nur die Mischung aus Melodie und Härte beherrschen, sondern wie stringent wandelbar sie zielsicher ihren ständigen Begleiter „Metallica aus Deutschland“ abstreifen. Der Anfang wird vom groovigen Zepter beherrscht, gerade „Speed Of Time“ zimmert da ein sehr bodenständiges Fundament und spielt mit melodischen Elementen und einer passgenau abgestimmten Gesangslinie, die es einfach in sich hat. Der groovige Opener „Salvation“ donnert da schon noch ein wenig gewaltiger durch die Vinylrillen und scheut auch nicht vor deutlichem Double-Bass-Einsatz zurück.

Und wenn schon Abwechslung ein Thema war, so lassen es Perzonal War daran nicht missen. Das schleppende „Never Come Back“ sortiert sich unter den Powerballaden ein und lebt von der Akustik-Strom-Dynamik, mit „30 Years“ wird dagegen das Thema speediger Thrash angesprochen, wobei natürlich auch hier die vielleicht eine Spur rotzigeren, aber immer klar verständlichen Vocals sich schön aus dem sonstigen Thrash-Allerlei absetzen. Auch zum Rausschmiss aus der A-Seite ballern die Vier mit schön speediger Kante aus vollen Rohren, setzen einen Midtempo-Kontrapunkt zum Refrain hin und beenden so eine starke und wandelbare erste Seite.

Aber auch die B-Seite ist ein melodischer Hörgenuss, die schon mit der ruhigen, mit einer sehnsuchtsvollen und zudem melancholischen Melodie angereicherten Nummer „When Faith Has Gone Forever“ früh ein wahres Highlight in sich birgt. Allerdings übertreiben Perzonal War mit dem anschließenden, balladesk startenden „What Would You Say?“ ihren Ausflug in ruhig-kommerzielle Gewässer, da hilft auch das zackige Ende nur schwerlich über den schwermütigen Happen hinweg.

Die variable Speed-Nummer „I See Nothing“ beschließt dann das Album – Perzonal War werfen hier zum letzten Male noch einmal alle ihre Stärken ins Rennen: Starkes Riffing, nicht zu süßlicher Refrain, herrliche Melodien und den nötigen Punch an Härte. So richtig zackig zogen sie ja zuvor schon noch mit dem Titeltrack „The Last Sunset“ ins Gefecht, wobei sie auch hier ganz im Gegensatz zur Double-Bass-Attacke den Refrain deutlich melodischer ausgestaltet hatten.

Leider geht auf der Vinyl-Scheibe soundtechnisch ein bisschen die Dynamik verloren, da muss man schon den Lautstärkepegel ein wenig nach oben drehen, und ein paar Bässe mehr einstellen ist auch nicht verkehrt. Das Album funzt aber von der ersten Sekunde an und entwickelt von Durchlauf zu Durchlauf sogar mehr Intensität. Den großen Durchbruch schippern Perzonal War mittlerweile nicht mehr an, aber „The Last Sunset“ ist ein großartiger Abschnitt Musik, ohne den die heimische Szene einfach ein Stück weit verlorener wäre.

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