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Periphery: Periphery

Perfektion ohne Emotion?
Wertung: 9/10
Genre: Mathcore/Progressive Metal
Spielzeit: 71:25
Release: 28.05.2010
Label: Roadrunner Records

Was macht ein perfektes Album aus? Eine Frage, die sich seit jeher Musiker stellen und doch ist es schwer, eine genaue Definition zu finden – nahezu unmöglich ist es, zu sagen, ob technische Perfektion, ein optimal umgesetztes Gesamtkonzept oder schlichtweg ungezügelte Emotionen ausschlaggebend sind. Periphery lassen mit ihrem selbstbetitelten Debüt jedenfalls sämtliche Unterkiefer nach unten klappen, denn diese Newcomer liefern eine technisch derart atemberaubende Show ab, die so ziemlich alles andere aus diesem Bereich nichtig erscheinen lässt.

Über die mehr als 70 Minuten des Albums verteilt fährt die Band so ziemlich alles auf, was man auffahren kann und bietet dermaßen ausgeklügeltes Songwriting, dass man sich nicht eine einzelne Sekunde langweilt. Mit maschinengleicher Präzision gespielte Stakkato-Riffs treffen auf virtuoses und einfallsreiches Drumming und den vielseitigen Gesang, der zwischen wüsten Screams und Shouts und kraftvollem Klargesang, den man so meistens im Post-Hardcore hört, schwankt – am Bass wird zwar eine ebenso beeindruckende Leistung gezeigt, jedoch wird dieser in der druckvollen Produktion eher im Hintergrund gehalten.

Sämtliche Riff-Ideen klingen frisch und nicht abgenutzt, die ganze CD über versucht man nach Möglichkeit Wiederholungen zu vermeiden und baut immer wieder Einflüsse aus anderen Genres ein. Ebenso verhält es sich mit den perfekt durchdachten Leads, die die zahlreich vorhandenen melodischen Momente angemessen unterstützen und verhindern, dass ausschließlich mathematisch berechnetes Geknüppel zu hören ist. Die Möglichkeit zu solchen Passagen und auch den experimentellen Ansätzen in einigen Stücken ist vor allem durch den ebenso perfekt agierenden Frontmann Spencer gegeben, der neben seinen aggressiven Vocals auch oftmals klar singt und vor allem bei den hohen Tönen in Bereiche vordringt, von denen normalsterbliche Sänger nur träumen können.

„Insomnia“ leitet das Album mit Ambient-Klängen ein, bevor nach wenigen Sekunden Stakkato-Riffs in tödlicher Präzision entfesselt werden und Spencer sich die Seele aus dem Leib brüllt, nach einiger Zeit aber auch des Öfteren mal melodischere Töne anstimmt und sich sogar durch einige sehr ruhige Parts singt – eine so optimal durchdachte Songstruktur findet man nur selten. „The Wall“ legt dann in puncto Härte noch eine Schippe drauf und schmettert dem Hörer bedrohliche Klänge entgegen, verzichtet aber ebenfalls nicht auf die von der Band so gut beherrschten großen Melodien. Gegen Ende gibt es dann auch noch ein halsbrecherisches Solo zu hören, das leicht orientalisch angehaucht ist. In „Letter Experiment“ werden anschließend einige sehr groovende Riffs und einige der stärksten melodischen Teile des Albums zum Besten gegeben, auch das Schlagzeugspiel sorgt in seiner vielfachen Variation für offene Münder. Ihren Hang zum Experimentieren zeigen Periphery mit „Jetpacks Was Yes!“: Am Anfang erstrahlt das Stück fast ausschließlich im elektronischen Gewand und unterlegt Spencers Klargesang mit Breakbeats, erst später wird die gewohnte Härte wieder ausgepackt.

Solche Spielereien finden sich immer wieder, auch in „Light“ wird beispielsweise kurzzeitig ein weiterer Breakbeat präsentiert und in dem sehr komplexen Song „Totla Mad“ erklingt gegen Ende sogar ein sanftes Piano. In „New Materials“ frönt man stellenweise etwas mehr dem Post-Hardcore, hat aber auch einige härtere Momente an Bord, während „Zyglrox“ als der mit Abstand heftigste Track der Platte sogar Blastbeats und reichlich Shredding bietet.

Neben dem atmosphärischen Song „Ow My Feelings“, der mit verträumten Melodien und der besten klaren Gesangsleistung auf dem Album daherkommt, ist auch das 15-minütige Epos „Racecar“ als Höhepunkt der CD zu nennen: Selten hört man in dieser Länge ein derart abwechslungsreiches und perfekt aufgebautes Stück, das alle Trademarks der Band in sich vereint. Brachiale Härte und donnernde Screams treffen auf Ambient-inspirierte Passagen und großartige Gesangsmelodien, zu keiner Sekunde droht Langeweile aufzukommen.

Beurteilt man das Debüt von Periphery ausschließlich nach technischem Können und Songwriting, wären hier ohne Frage zehn Punkte angebracht, denn in diesem Bereich gibt man sich schlichtweg überragend. Bei all der Perfektion fällt jedoch nach einiger Zeit auf, dass das Ganze auf lange Sicht einfach zu kalkuliert wirkt um dauerhaft zu überzeugen, nur selten scheinen wirklich Emotionen durch – selbst der Gesang wirkt über weite Strecken zu berechnet und auch die Screams haben trotz grandioser Ausführung bei näherem Hinhören einen fast schon leeren Klang. Findet man sich nach dem ersten Durchgang vor Staunen noch sprachlos wieder, macht sich nach weiteren Durchläufen eine schleichende Ernüchterung breit, zu wenig Leidenschaft und emotionale Tiefe bietet die CD.

Für manche mag dieses Album vielleicht die Definition von einem perfekten Werk darstellen, wer sich jedoch von optimal durchdachter Technik nicht beeindrucken lässt, findet hier lediglich ein sehr gutes Album – letztendlich ist „Periphery“ nämlich trotz diesem Manko noch immer ein beeindruckendes Debüt geworden, das die junge Band als einen der vielversprechendsten Newcomer seit Langem präsentiert. Wer auf fortschrittlichen Metal mit einer Mischung aus kompromissloser Härte und großen Melodien mit vertrackten Gesangsarrangements in technischer Perfektion steht, findet hier das Album seiner Wahl und eines der Highlights der derzeitigen Mathcore-Veröffentlichungen.

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