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Pentaphone: Nevertheless

Weniger Kitsch, mehr Rock
Wertung: 7/10
Genre: Alternative Rock, Grunge
Spielzeit: 39:26
Release: 21.05.2010
Label: STF-Records

Deutsche Rockbands erkennt man meist schon an den ersten paar Takten. Das muss nichts Schlechtes sein, lediglich eine Feststellung, die bei SubSeven und Sturch ebenso zutrifft wie bei Pentaphone. Die Berliner Band mischt rockige Gitarren mit Alternative- und Grunge-Elementen und man hört sofort, dass es eine deutsche Band ist, auch wenn man die Stimme von Sänger Peter noch gar nicht gehört hat. Deutsche Alternative Rockbands haben einfach so ein Flair an sich, das man sofort erkennt.

Eine weitere Tatsache ist, dass alle guten (deutschen) Alternative Rocksongs eines gemeinsam haben: ein Feeling nämlich, das man schwer beschreiben kann, für mich am ehesten mit dem Gefühl vergleichbar, das man hat, wenn kurz vor Zapfenstreich noch ein absolutes Lieblingslied im Club gespielt wird, in dem man schon die ganze Nacht getanzt hat. Man genießt noch einmal die letzten Minuten, lässt die Musik auf sich wirken und wankt dann mit einem Glückgefühl nach Hause, das man sich so im Nachhinein gar nicht mehr richtig erklären kann.

Wer jetzt verwirrt vor dem Bildschirm sitzt und sich fragt, was hier für Drogen im Umlauf sind, kann beruhigt sein: Sowas passiert einfach, wenn man „Nevertheless“ hört, das erste Full Length-Album der Berliner nach ihrer „Scars To Hide“-EP 2008. Die Songs der Scheibe pendeln irgendwie zwischen Gänsehaut, Grunge-Geschredder und Ohrwurm und bieten ein ganz spezielles Grundgefühl, das man schon beim Opener spürt. „Sad’n’Useless“ startet direkt ohne Intro, und das steht stellvertretend für die ganze Platte, die sehr offen und gerade heraus wirkt. Zwischendurch kredenzen uns die Jungs überraschend aggressive Töne und einen großartig ohrwurmigen Refrain.

Durch die erfreulich variable Stimme von Sänger Peter hebt sich die vierköpfige Truppe von den üblichen Alternative-Bands ab, obwohl er nicht wie der perfekte Vokalist klingt – das Feelings macht’s aber schlussendlich aus. Bei „Tribute“ habe ich das leise Gefühl, die sehr coole Gitarrenspur schon einmal gehört zu haben, ihren Zweck verfehlt sie aber dennoch nicht, denn der Song brennt sich – nicht als einziger übrigens – relativ schnell ins Gehirn ein.

Ab der zweiten Hälfte der Scheibe regieren die ruhigeren Töne, was ich zugegebenermaßen schade finde; „Away“ will so gar nicht zum vorherigen Sound der Band passen, der Song ist zu balladenhaft und die Streicher sind einfach too much – da macht die rockige Attitüde doch wesentlich mehr her. „To Die For“ kommt zwar wieder aus der Rock-Ecke, driftet im Refrain aber doch eher in Richtung Schmalz ab. Erst „Thank You“ reißt das Ruder wieder herum, obwohl die Jungs mit ihren Texten nicht gerade das Rad neu erfinden; dafür verpacken sie ihre kreativen Ergüsse aber sehr charmant in intelligente Arrangements, was einiges raushaut. Mit „Say Goodbye“ haben sie dann doch noch ein Ass im Ärmel, obwohl auch dieser Song anfangs ein wenig kitschig daherkommt, der Grunge-mäßige Gesang und das wummernde Schlagzeug am Ende bestätigen aber nochmal: Hier handelt es sich um eine Rockband.

Die erste Hälfte der Platte würde von mir anstandslos neun oder mehr Punkte bekommen, das Übermaß an Alternative-Kitsch in der zweiten Hälfte ist mir allerdings ein Rätsel. Dennoch sind Pentaphone eine Band, auf die man ein Auge haben sollte, denn die Sache mit dem Feeling haben sie definitiv drauf – und darum geht es bei guter Musik ja schließlich.

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