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Pentagram: Curious Volume

Stagnation auf allerhöchstem Niveau
Wertung: 7/10
Genre: Doom, Hard Rock, Heavy Metal
Spielzeit: 42:12
Release: 28.08.2015
Label: Peaceville Records

"Curious Volume" ist das nun insgesamt neunte Studioalbum der Truppe rund um den legendären Frontmann Bobby Liebling, welche eine der ersten Doom-Metal-Bands ist neben anderen Szenegrößen wie Saint Vitus und Witchfinder General. Von Black Sabbath schöpften sie direkt ihre Inspiration und sind schon seit 1971 aktiv im Musikgeschäft. Auf diesem aktuellen Album ist auch wieder Victor Griffin (Gitarre) mit von der Partie, welcher schon 1984 auf dem selbstbetitelten Erstlingswerk mit seinen prägnanten Riffs den benötigten bösen Groove neben Lieblings gruseliger Gesangsleistung geliefert hat. Schon damals hat er sich deutlich von den meisten anderen Künstlern aus dieser Zeit hervorgehoben, welche zuvor in der Regel meist nur reine Sabbath-Klone waren und über keine eigene musikalische Identität verfügten.

Den Bass bedient Greg Turley, der seit dem letzten, 2011 erschienenen Album "Last Rites" dabei ist und sogar der Neffe von Victor Griffin ist. Zu guter Letzt ist hinter dem Schlagzeug ein Neuzugang in der Form von Pete Campbell  zu hören, der auch in Griffins Nebenprojekt In-Graved als Drummer fungiert. Ob es dieser gemischten Truppe aus Jung und Alt gelingt, ein frisches Pentagram-Album im Jahre 2015 zu servieren?

Gleich der erste Track "Lay Down And Die" spricht eine deutliche Sprache, denn er prescht sofort mit allen Musikern zusammen agierend voran und markiert eine eingängige Nummer, deren Refrain sich augenblicklich ins Hirn brennt und mit einem flotten, rockigen Tempo aufwartet. Dazu kommt noch, dass der Sound sehr saftig abgemischt ist und somit alle Instrumente gleichermaßen betont. Zudem hört sich Lieblings Stimme auch anno 2015 sehr kraftvoll und abgebrüht an und man kauft ihm den Part des wehleidigen Doomsters voll und ganz ab. Es sollte auch darauf hingewiesen werden, dass das Leben des Bobby Liebling dominiert von Schicksalsschlägen und jahrelanger Drogensucht war und es an ein anatomisches Wunder grenzt, dass dieser Mann noch am Leben ist. Mit anderen Worten, Liebling ist der Inbegriff des personifizierten Doom Metal.

Das aufgebaute Tempo wird auch im nächsten Lied aufrechterhalten, nur um dann im dritten Song "Dead Bury Dead", einer traditionellen und geilen Doom-Nummer, radikal niedergerissen zu werden. Dieses Lied ist herrlich heavy und versprüht einen gehörigen Old-School-Charme, welcher vor allem von Lieblings markanter Stimme ausgeht. Ein definitives Highlight! Danach folgt eine Neuauflage eines Songs, der bereits in den frühen Siebzigern, während Pentagrams produktiver Demophase, aufgenommen wurde und nun durch die Produktion ein modernes Gewand verliehen bekommt. Darauf folgt einer der stärksten Tracks des Albums: die Doomhymne "Walk Alone", die wieder einmal durch den perfekt abgestimmten Dialog zwischen Griffins Rhythmusspiel und Lieblings wehleidigen Gesang bestimmt wird und garantiert in Zukunft live zum Besten gegeben wird.

Echter, ehrlicher Doom Metal wird auch im Titeltrack gespielt, der zu gefallen weiß und das Interesse des Hörers aufrechterhält. Dann folgt mit dem grandiosen "Misunderstood" ein erneuter Hit, dessen Tempo infektiös für den Hörer wirken könnte, da man am liebsten sofort dazu abrocken möchte. Insbesondere sollten die Vocals in diesem Lied hervorgehoben werden, da sie wahrlich manisch vorgetragen werden, denn die Stimme scheint stellenweise zu brechen, als ob Sänger Liebling  am Rande eines Nervenzusammenbruchs stehen würde; ein geiles Lied, welches zeigt, dass sogar ein Bobby Liebling bereit dazu ist, an gewissen Stellen zu experimentieren. Der Rest des Albums wartet dann nicht mehr mit allzu vielen Überraschungen auf, bis der finale Track "Because I Made It" einen emotionalen und introspektiven Abschluss der Scheibe bildet, denn hier reflektiert Bobby über sein ereignisreiches Leben und es hat den Anschein, als ob er es tatsächlich geschafft hat, den Griffen der Sucht zu entfliehen.

Alles in einem ist "Curious Volume" ein grundsolides Album geworden, was immer noch den 70er Rocker-Charme auf authentische Art und Weise aufleben lässt. Hin und wieder gibt es Tracks, die als Filler gesehen werden könnten, was für das Album als Ganzes bedeutet, ein paar Abstriche verbuchen zu müssen. Man mag auch behaupten, dass die Musik nicht gerade originell ist, aber das muss sie auch gar nicht, da diese Kunst von Pionieren des Genres stammt und man somit "Curious Volume" als Stagnation auf allerhöchstem Niveau betrachten kann, denn es gibt den einen oder anderen Hit auf diesem Album. Das Cover ist nicht sonderlich berauschend ausgefallen, wobei es Sinn macht, da der Albumtitel von den Anfangszeilen von Edgar Allen Poes "The Raven" stammt, allerdings wirkt der titulare Rabe eher lieblos aufgetragen, was somit dem Album einen kleinen Schönheitsmakel aufträgt. Ansonsten macht es ordentlich Spaß, die Scheibe zu hören und man mag gespannt sein, was Pentagram in Zukunft für die Ohren vorbereiten.

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