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Pedro The Lion: Phoenix

Vor allem textlich spannend
Wertung: 7,5/10
Genre: Emo, Alternative Rock
Spielzeit: 45:40
Release: 18.01.2019
Label: Big Scary Monsters

Das erste neue Album seit 15 Jahren ausgerechnet „Phoenix“ zu betiteln, zeugt jetzt im ersten Augenblick nicht unbedingt von wahrer kreativer Größe. Was Pedro The Lion sich dabei gedacht haben, bleibt Spekulation, vielleicht hatte die Truppe auch einfach keinen Bock mehr, das Albumrelease auf der Suche nach einem einfallsreicheren Albumtitel noch länger aufzuschieben, vielleicht hat Songschreiber David Bazan die Scheibe aber auch einfach nach seiner Heimat Phoenix, Arizona benannt, die er Mitte 2016 bereiste. Das bringt dann schon wieder einen gewissen Charme und Nostalgiefaktor mit ein, den man auf „Phoenix“ skurrilerweise auch dann spürt, wenn man vorher wenig mit der Band am Hut hatte.

Dass eine Band, in der der Fronter mehr oder weniger alle Songs alleine schreibt, um sie den versammelten Musikern dann zum Auswendiglernen vorzulegen, nur bedingt funktionieren konnte, hätte eigentlich jedem klar sein sollen. Normalerweise nahm der Mann ohnehin alles alleine auf – eine Bürde, die Bazan Ende 2005 nicht mehr stemmen konnte oder wollte und die Emo-Alternative-Truppe auf Eis legte. Eine Solokarriere entpuppte sich als ähnlich unbefriedigend, also schnappte Bazan sich letztes Jahr Gitarrist Erik Walters und Drummer Sean Lane und spielte „Phoenix“ ein.

Offenen Frohsinn und Beschwingtheit wird man auf den 13 Songs einigermaßen vergeblich suchen, das scheint aber auch grundsätzlich nicht unbedingt Bazans Ding zu sein. Am nächsten kommt dann noch „Yellow Bike“ an gute Stimmung heran, das auch im Voraus bereits als Single herhalten durfte und dessen Video eben in dem Vorort aufgenommen wurde, in dem der Sänger aufgewachsen ist. Nostalgie also auch hier wieder, entsprechend verbreitet der Track ein heimeliges, warmes Gefühl, was nicht zuletzt auch an der erdigen Produktion liegen kann.

Bei Songs wie „Model Homes“ kommt zwar ein bisschen die gesangliche Monotonie durch, dafür wird aber ein schöner, dichter Klangteppich ausgelegt, der als Instrumentalstück wahrscheinlich fast noch besser funktioniert hätte. Gerade im Intro von „Piano Bench“ muss man dann ein bisschen an Volksmusik denken – die Bläser lassen einfach kaum einen anderen Eindruck zu, da kann man sich das Schmunzeln nicht verkneifen. Im Vergleich zu den Vorgängersongs haut „Quietest Friend“ dann schon richtig zu, hier ist deutlich mehr Druck dahinter, von einem „harten“ Track kann man aber natürlich dennoch nicht reden, dafür erweist sich der Song als beinah tanzbar und der Refrain als äußerst ohrwurmig, vom ehrlichen und emotionalen Text ganz zu schweigen.

Absolute Gänsehaut produziert dann schon zu Beginn „Black Canyon“, das sich thematisch an „Priests And Paramedics“ vom starken „Control“-Album anschließt und die Erlebnisse von Rettungssanitätern verarbeitet. Interessanterweise ist überhaupt die zweite Hälfte von „Phoenix“ deutlich treibender und spannender ausgefallen als die ersten Songs, da reiht sich ein bärenstarkes „Tracing The Grid“ an „Quietest Friend“ und ein regelrechter Rocker wie der Quasi-Titeltrack „My Phoenix“ folgt „Black Canyon“, so dass man hier gleich eine ganze Handvoll Anspieltipps aus der Tracklist herauspflücken kann.

Insgesamt ist „Phoenix“ ein erdiges, ehrliches und vor allem textstarkes Album geworden, bei dem die Lyrics selbst in musikalisch nicht ganz so spannenden Stücken überzeugen können. Zu einer Glanzbewertung reicht es nur deswegen nicht, weil gerade der zwar emotionale, aber teils doch eher eintönige Gesang zeitweise die Dynamik stört, Altfans der Truppe dürften daran ja aber gewöhnt sein und „Phoenix“ gerne in die heimische Sammlung einreihen.

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