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Pedro The Lion: Havasu

Willkommen in Lake Havasu City
Wertung: 7/10
Genre: Singer/Songwriter, Emo
Spielzeit: 39:40
Release: 20.01.2022
Label: Big Scary Monsters

Ziemlich genau drei Jahre ist es her, dass David Bazan mit „Phoenix“ die erste Platte seit 15 Jahren unter dem Namen Pedro The Lion veröffentlichte, eine Hommage tatsächlich an die Stadt in Arizona; geplant waren außerdem vier weitere Alben, die er jeweils einem früheren Wohnort widmen wollte. Hier liegt also mit „Havasu“ quasi eine weitere Etappe aus dem Leben des Songwriters vor uns; der Lake Havasu ist, nur für die Allgemeinbildung, ein Stausee an der Grenze zwischen Arizona und Kalifornien, die dazugehörige Gemeinde wurde in den 1960ern gegründet und kann sich unter anderem mit einer nachgebauten London Bridge rühmen.

Die neue Scheibe hat Bazan ohne größeren Vorlauf geschweige denn Werbung bereits am 20. Januar veröffentlicht – die griffige Variante soll bereits am 4. Februar folgen. Auch diesmal scheint der Alleskönner wieder sämtliche Instrumente selbst gespielt, alle Songs selbst geschrieben und jedes Arrangement selbst zusammengeschweißt zu haben. Einige Mitmusiker hat er sich dann aber doch zur Hilfe geholt – hervorgehoben werde sollte hier ganz besonders Pedro-The-Lion-Livedrummer Sean T. Lane, der auf jedem einzelnen Stück der neuen Platte zu hören ist und zwar mit einem selbstgebastelten Ungetüm, bestehend aus verschiedenen Metallobjekten und Saiten, die auf einen Fahrradrahmen gespannt, mit einem Kontaktmikrofon versehen und mit einem Pedalboard betrieben wird. Eine absurde wie liebenswerte Randnotiz, die beweist mit wie viel kauziger Leidenschaft die Musiknerds ans Werk gehen.

Obwohl man mit einem Fahrradrahmen bestimmt einigen Lärm veranstalten könnte, ist „Havasu“ dennoch keine Rockplatte im herkömmlichen Sinne geworden. Das Prädikat „erdig“, das schon die Vorgängerscheibe für sich beanspruchen konnte, kann man auch hier durchaus berechtigt wieder ins Feld führen – Bazan und seine Crew kommen ohne großes Klimbim aus, dafür kann man der Truppe bei Songs wie dem eher monoton dahinplätschernden „Making The Most Of It“ auch schon mal schiere Lahmarschigkeit vorwerfen, was vor allem deswegen schade ist, weil Pedro The Lion gar nicht mit viel Pomp daherkommen müssen, um zu punkten: Schon das folgende „Old Wisdom“ ist im besten Sinne entspannt, schlängelt sich in Shawn James-Manier dahin, aufgefrischt durch einige perlende Arrangements im Hintergrund (vielleicht tönt ja hier unser neuer bester Freund, der Fahrradrahmen?).

Wo die Band ein bisschen an Tempo zulegt, da regnet es Punkte, das wird schon beim treibenden „Too Much“ deutlich, einem fast schmerzlich tanzbaren Song, den man im ersten Durchlauf beinah zu überhören droht; „Teenage Sequencer“ katapultiert uns dann zurück ins Hirn des 13-jährigen David, der unter einem Hormoncocktail ins Taumeln gerät – gerade textlich überzeugt der Song aus dem einfachen Grund, da hier keine Metaphern aufgetürmt werden. Vielmehr wird eine Episode aus dem Leben eines Teenagers erzählt, die wie ein kurzer Film vor dem inneren Auge ablaufen kann.

Dennoch bleibt das gleiche Problem wie schon bei „Phoenix“, wobei es sich hier eindeutig um Geschmackssache handelt: Die Tracklist weist einige Längen auf, die von den Musiker bis zum bitteren Ende ausgereizt werden. Etwas flottere Titel wie „Too Much“ können deutlich mehr punkten, dennoch ist die Qualität der Stücke wie gewohnt hochwertig. Sieben Punkte dürfen‘s werden für die Grenze zwischen Arizona und Kalifornien. Wir sind gespannt, wohin Album Nummer drei uns dann verschlagen wird.

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