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Pattern-Seeking Animals: Only Passing Through

Auch das dritte Album überzeugt voll und ganz und zeigt eine Weiterentwicklung
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 51:40/59:29
Release: 01.04.2022
Label: InsideOut

Anfangs noch als „Projekt“ bezeichnet, weil dort lediglich aktuelle und ehemalige Spock's Beard-Mitglieder musizieren, sodass man annehmen könnte, es sei nur eine Nebenspielwiese mit der sie sich die Zeit vertreiben, darf man Pattern-Seeking Animals spätestens jetzt zur vollwertigen Band upgraden. Das dritte Album innerhalb von drei Jahren jedenfalls sollte doch deutlich belegen, dass es den Herren mit PSA sehr ernst ist – zudem hat Gründer und Hauptkomponist John Boegehold erklärt, in Zukunft nicht mehr für Spock's Beard zu schreiben und den Fokus auf seine neue Band zu legen.

Nachdem der Zweitling „Prehensile Tales“ in eine progressivere Richtung ging als das Debüt, wird diese Richtung auf „Only Passing Through“ weiter verfolgt und munter experimentiert, gleichzeitig stehen jedoch wieder mehr kürzere, kompaktere Nummern auf dem Programm, die schneller auf den Punkt kommen. Prog im eigentlichen Sinne – also Weiterentwicklung – halt, für all jene, für die diese Musikrichtung nicht nur Shredding und Zurschaustellung technischer Fähigkeiten bedeutet. Der Bärte-Vibe ist zwar immer noch vorhanden (die Assoziation wird allein durch die Bandmitglieder wohl eh immer da sein), doch alles in allem tönt die Band inzwischen schon ziemlich eigenständig.

Wie bereits im Review zur selbstbetitelten ersten Platte erwähnt, klingt die Truppe etwas weniger kauzig, dafür scheint gerne mal eine extra Portion Melancholie über dem Ganzen zu schweben. „Everdark Mountain“ als knackiger, nur knapp drei Minuten langer Opener ist da sofort ein gutes Beispiel: Der Song transportiert eine wehmütige Stimmung, die durch Mellotron und Mandoline noch verstärkt wird, der Refrain ist recht eingängig, fast hymnisch, dabei aber immer noch sehr elegisch – eine wunderschöne kleine Einstiegsnummer.

Auch „I Can’t Stay Here Anymore“ drückt eine eher triste Atmosphäre aus, ist dabei jedoch genauso wie der erste Track mit wundervollen Melodien inklusive aufblühendem Refrain mit kanonartigem, mehrstimmigem Gesang versehen (ein Markenzeichen genau wie bei Spock's Beard), wobei Dave Meros’ knarziger Bass und Jimmy Keegans gewohnt kraftvolles Drumming trotzdem für einen saftigen Groove und ein energiegeladenes Rhythmusfundament sorgen. Der Titeltrack reiht sich ebenfalls in diese Kategorie ein, Streicher und ein verstimmtes Klavier leiten das Stück romantisch ein, im Folgenden meistert auch dieser Song den nicht immer unbedingt einfachen Spagat zwischen melancholischer Grundstimmung und rockigem Groove.

Auf der anderen Seite stehen in ihrer Gesamtheit etwas heiterere Songs wie das erfrischend swingende „Much Ado“ oder der das reguläre Album abschließende Achtminüter „Here With You With Me“, ein so strahlendes Stück, das einem mit seiner positiven Ausstrahlung beim Anhören ein Grinsen ins Gesicht zaubert und abermals mit tollen Melodien und hymnischem Charakter glänzt – hier ist die Verwandtschaft zu Spock's Beard am deutlichsten hörbar. „Rock Paper Scissors“ hingegen besitzt eine herzallerliebst naive Note, allein durch den niedlichen Titel und die Kinderstimmen im Chorus, schreitet jedoch schon dank der stets robusten Rhythmusgruppe trotzdem festen Schrittes voran.

Mit dem 13-minütigen „Time Has A Way“ haben PSA dann außerdem eine waschechte Prog-Nummer am Start, die reichhaltig instrumentiert daherkommt und alle möglichen klassischen Prog-Einflüsse wie Genesis und Yes offenbart. Was Instrumentierung und Arrangements betrifft, zeigt sich das Quartett allerdings ohnehin erneut sehr kreativ: Violine, Cello, etliche verschiedene Keyboardstimmen, Mandoline, diverse Bläser – alles mögliche wird verwurstet, doch immer überlegt eingesetzt, um stets die jeweils passende Wirkung zu erzeugen. Experimentell präsentiert man sich aber vor allem in „Said The Stranger“, das mit elektronischen Elementen ausgestattet ist und sich laut Promoschreiben wie der Soundtrack zu einem „Spaghettiwestern in der Welt des 2022er Prog“ anhören soll. Mit Sicherheit die interessanteste Nummer des Albums.        

Allerdings ist die komplette Scheibe wirklich stark geworden: Vielseitig, tiefgängig, spielfreudig, kompositorisch prima und spannend instrumentiert, sollten hier nicht nur Spock's Beard-Fans ihre Freude haben – wer die ersten beiden Platten mochte, kann ohnehin wieder zugreifen. Am besten die Digipack-Ausgabe mit den beiden Bonustracks holen, die man sich nicht durch die Lappen gehen lassen sollte und die noch einmal anschaulich die unterschiedlichen Seiten der PSA-Medaille repräsentieren: „I’m Not Alright“ ist eine wehmütige, hübsche Ballade mit Akustikgitarren und Flötensounds plus wunderbar gefühlvollem Solo von Ted Leonard, das einen der zahlreichen Beweise darstellt, dass der Mann nicht nur ein exzellenter Sänger, sondern zudem ein toller Gitarrist ist. „Just Another Day At The Beach“ dagegen markiert einen dem Titel gemäß sonnigen kleinen Softrocker, der das Ganze schön abrundet. Mal sehen überhaupt, wann es nun endlich ein neues Spock's Beard-Album gibt – als deren letzte Scheibe erschien, gab es PSA noch gar nicht, die nun bereits drei Platten herausgebracht haben. Bitteschön, die Herren…   

PS: Ein Interview mit Pattern-Seeking Animals-Leader John Boegehold wird demnächst auf The-Pit.de zu lesen sein.

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