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Patient, Patient: Chasma

Düster-sphärisch - und das in pinkem Gewand
Wertung: 8/10
Genre: Shoegaze, Alternative Rock/Metal
Spielzeit: 43:54
Release: 14.09.2018
Label: Midsummer Records

Patient, Patient stammen zwar aus dem Kölner Umland, könnten aber rein soundtechnisch gut und gerne einem schwedischen Wald entsprungen sein: Mit teils angeschwärztem Shoegaze und Post-Rock kommt der Zweitling „Chasma“ daher, der in wenigen Tagen erscheint; ein düsteres, aber gleichzeitig fragiles Stück Musik, das bei näherer Betrachtung so oder zumindest so ähnlich genauso gut von Bands wie Katatonia stammen könnte. Dabei klingen Patient, Patient gar nicht mal so wahnsinnig metallisch, der Sound aber trotz Samples so erdig und naturverbunden, wie man ihn bei den schwedischen Kollegen auch oftmals vorfindet. Auf der Facebookseite der Band nennt der Fünfer Einflüsse wie Anathema und Deftones – nach dem ersten Durchlauf passt dieser Eindruck verdammt gut.

Passend zu dem erdig-natürlichen Gitarrengeschwurbel kommt als Sahnehäubchen noch der recht unaufdringliche, aber dennoch eindringliche, durch viel Hall immer wieder fast magisch anmutende Klargesang dazu, der den Hörer mit auf einen dreiviertelstündigen Trip nimmt, den man so nüchtern wie möglich antreten sollte, um all die vielen Kleinigkeiten zu bemerken, die auf „Chasma“ lauern.

Mit scheinbar sehr viel Liebe zum Detail haben die Jungs hier tatsächlich so was wie einen Klangwald erschaffen; schon der Opener „Glared By The Whole“ entfacht den ersten Funken Begeisterung, entspannt fließt der Track dahin, versehen mit wunderbar perlenden Gitarrenspuren und einem lässigen Schlagzeug. Dass Patient, Patient nicht immer so schüchtern sind, wird spätestens zur Mitte des Songs klar, als die Gitarrenwand sich etwas aggressiver präsentiert – schlicht und ergreifend ein schöner Einstand.

Deutlich noisiger und verstörender wird es bei dem eigentlich sehr zahm startenden Vorab-Song „Aurora Chaos“, der sich zwischendurch immer wieder aufbäumt und herrlich lärmig gegen eine massive Gitarrenwand fährt. Dagegen sind bei „Satori“ die Gesangslinien eine Spur zu hoch geraten, schon im Anschluss wartet aber das Doppelpack „I: Beauty“ und „II: In The Dark“. Während ersteres mit gerade mal zwei Minuten Laufzeit nicht nur verhältnismäßig kurz ausfällt, sondern beinah schon schüchtern aus den Boxen tröpfelt und dann nahtlos in seinen Nachfolger übergeht, wiegt dieser den Hörer zu Beginn auch noch in Sicherheit; beinah ist man versucht, weiterzuskippen, dann schalten sich wie aus dem Nichts die sphärisch anmutenden Gitarren ein und auch der hallende Gesang bekommt wieder mehr Substanz, obwohl man praktisch nichts vom Text verstehen kann.

Mit einem Song wie „Beamless“, der ebenfalls im Voraus anzuhören war, zeigen sich Patient, Patient dann von einer fast schon düsteren Seite – man muss es mögen, was die Truppe hier auf „Chasma“ fabriziert, aber Fans von shoegazigem Sound sollten an dieser Band keinesfalls vorbeihören. Erst recht nicht, wenn man gleichzeitig auch noch Vinyl-Liebhaber ist: Das Album kommt nämlich in geilem Magenta und fast noch coolerem schwarz-grau-schlierigem Vinyl. Zugreifen kann man bei den almighty Midsummer Records – es lohnt sich definitiv!

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