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Parzivals Eye: Fragments

Erstes Soloalbum des RPWL-Bassisten
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 78:18
Release: 11.09.2009
Label: Red Farm Records

Obwohl der Terminus Supergroup eigentlich etwas ganz Spezielles impliziert, gibt es insbesondere im Prog-Bereich inzwischen ja doch eine ganze Menge davon: Zum Beispiel Transatlantic, bei denen unter anderem Mike Portnoy von Dream Theater und Neal Morse (ex-Spock’s Beard) mitwirken und die demnächst ein neues Album herauszubringen gedenken; OSI, bei denen Kevin Moore (ex-Dream Theater) und Jim Matheos (Fates Warning) die Fäden ziehen; oder Redemption, wo für eine Zeitlang Jason Rullo von Symphony X die Felle verdrosch und mit Ray Alder ebenfalls ein Fates Warning-Mitglied am Start ist.

Die hier zu besprechende Band Parzivals Eye ist zwar eher ein Soloprojekt von Chris Postl, seines Zeichens Bassist von RPWL – und dementsprechend bedient er hier nicht nur den Tieftöner, sondern ist außerdem verantwortlich für Gitarren, Gesang und Keyboards – doch konnte er für seinen ersten Soloausflug so illustre Namen wie Ian Bairnson (immerhin Ex-Gitarrist des Alan Parsons Projects) oder Alan Reed (Sänger der britischen Proggies von Pallas) verpflichten, so dass das Ganze schon den Charakter einer Supergroup innehat.
Laut Plattenfirma soll sich Chris Postl recht deutlich an seiner Hauptband orientieren – allerdings habe ich von RPWL bis zum heutigen Zeitpunkt noch nie etwas gehört, auch wenn die Gruppe bereits sieben Alben veröffentlicht hat. Die Vergleichsmöglichkeit fehlt mir also, aber so oder so sind die Einflüsse eindeutig herauszuhören: Geboten wird hier nämlich lupenreiner Progressive Rock der Marke Arena, IQ oder Marillion mit gelegentlichen Querverweisen auf alte Hasen wie Genesis oder Yes.

Hauptsächlich im Midtempo gehalten, glänzt „Fragments“ in erster Linie durch sehr eingängige Melodien, verträumte Mellotron-Passagen, spannende Gitarrensoli und wunderschön arrangierte, meist mehrstimmige Gesangspassagen, die neben Postl und Reed noch von Christina Booth von Magenta vorgetragen werden, die den Konstrast zu den Männerstimmen bildet und so zusätzlich Farbe in den Sound bringt.  

Auffällig ist zunächst vor allem, dass man mit dem über 13 Minuten langen „Longing’s End“ den längsten Track an den Anfang gestellt hat, doch da das Stück wunderbar fließt und keineswegs sperrig ist, muss niemand befürchten, hier gleich zu Beginn vor eine schwer zu knackende Nuss gestellt zu werden. Vielmehr kann man während dieses Epos’ wunderbar die Augen schließen und sich von den flächigen, harmonischen Klängen treiben lassen. Alle oben genannten Elemente sind hier bereits vereint und die Marschroute der Platte ist somit klar vorgegeben. 
Sehr stark auch das folgende, durch die prägnante Keyboardmelodie Remeniszenzen an Arena erweckende „Signs“ (die Stimme von Alan Reed erinnert ebenfalls ziemlich an den früheren Arena-Frontmann Paul Wrightson) und der sich wiederum anschließende Titelsong, welcher sich zunächst durch herrlichen mehrstimmigen Gesang, in dem man geradezu baden könnte, und später dann durch ein exzellentes Gitarrensolo auszeichnet.

Als weitere Highlights der CD müssen zweifelsohne das geradezu schwebend anmutende, sich stetig steigernde „Skylights“, die spritzige Nummer „Where Have Your Flowers Gone“, das spacige „Wide World“ und der Abschlusstrack „Another Day“, in dem in zehn Minuten noch einmal alle Prog-Register gezogen werden, genannt werden, wobei ein wirklicher Ausfall ohnehin nicht auszumachen ist, was bei 78 Minuten Spielzeit schon beachtenswert ist. Lediglich das Graham-Nash-Cover „Chicago“ ist mir irgendwie etwas zu lahm – Protestsong hin oder her.

Es mag durchaus sein, dass Postl nichts explizit Neues mit „Fragments“ vorlegt, doch bei dem im Prinzip durch die Bank gelungenem Songwriting wird deutlich, dass hier erfahrene Musiker am Werke sind und die sphärischen Klänge sind wie erwähnt bestens dazu geeignet, darin zu versinken. 
Der ein oder andere mag vielleicht vielleicht die ein oder andere Uptempo-Passage, um das Ganze noch etwas abwechslungsreicher und peppiger erscheinen zu lassen, vermissen, aber auf der anderen Seite wirkt „Fragments“ gerade durch den Verzicht darauf sehr homogen und besitzt auf diese Weise eine ganz bestimmte Atmosphäre.

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