Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Party.San Open Air: Sound Of Hell 2009

Eine gelungene Zusammenfassung zur 2009er-Ausgabe eines der wichtigsten Extrem-Metal-Festivals
keine Wertung
Genre: Black Metal, Death Metal, Thrash Metal, Grindcore, Pagan Metal
Spielzeit: 210:00
Release: 03.12.2010
Label: War Anthem Records

Diesmal hat es etwas länger gedauert, doch wenigstens noch vor Weihnachten ist die siebte "Party.San Open Air"-DVD auf den Markt gekommen, die eine Zusammenfassung der fünfzehnten Ausgabe von 2009 bietet. Erneut bekommt der geneigte Fan einen Doppeldecker vorgesetzt, der diesmal allerdings ein wenig übersichtlicher gestaltet wurde als zum Beispiel der letzte Tonträger. So finden sich zwischen den Tracks der Bands bei dieser Ausgabe keine Fan-Impressionen, diese wurden stattdessen lieber in die Dokumentation auf dem zweiten Silberling eingebaut, während sich alle dargebotenen Performances der Bands auf DVD Nummer eins befinden.

Insgesamt wartet man mit immerhin 31 Tracks, die zusammen eine Spielzeit von knapp zweieinhalb Stunden erreichen, auf, dennoch sind nicht alle Gruppen, die auf dem PSOA 2009 am Start waren, auch auf dieser DVD vertreten; dafür gibt es von anderen Combos wiederum zwei Songs zu bestaunen. Man darf vermuten, dass dies rechtliche Gründe hat, weswegen der Zuschauer leider auf Clips von Satyricon, Unleashed, Deströyer 666, Brutal Truth, Misery Index und Brujeria verzichten muss, was jedoch insofern komisch ist, als dass zumindest Unleashed, Brutal Truth und Misery Index wenigstens ausschnittsweise auf der zweiten DVD zu sehen und zu hören sind, da mit ihnen auch Interviews geführt werden.

Wie dem auch sei, in jedem Fall wird natürlich einmal mehr deutlich, dass die Veranstalter des Party.San die ganze Palette des extremen Metal abgedeckt haben: Los geht es mit Postmortem, die das Festival damals eröffneten und gleich mit einer guten Portion Humor die Bühne enterten, indem sie bei „Are You Dead“ mit einer Art Kreisel eine Kriegssirene und im zweiten, völlig gestörten Stück „Killing Days“ eine Kettensäge aufheulen ließen, danach geben sich die polnischen Death-Metaller Azarath die Ehre, deren technisch beeindruckendes Geschredder deutlich von Immolation und Morbid Angel beeinflusst ist. Etwas melodischeren Death Metal der alten Schwedenschule bieten dagegen Evocation, während Inhume und Rotten Sound (beide so herrlich kaputt und krachig, dass man sie irgendwie einfach mögen muss) für die Grindcore-Schiene stehen.

Aus der Pagan-Ecke wiederum hatte man mit Moonsorrow die mit Abstand beste Band des Genres verpflichtet, die mit dem epischen (na ja gut, welches Stück von denen ist nicht episch?) „Sankaritarina“ vertreten sind, das eine wunderbare Mitsing-Passage bietet, an der das Publikum in der Abendsonne begeistert partizipiert.

Heftiger, gnadenloser Black Metal darf beim Party.San natürlich nie fehlen und mit Marduk hatte man eine der bekanntesten Szenebands eingeladen, die nach 2003 und 2006 zum dritten Mal in Bad Berka dabei waren und besonders mit „Christraping Black Metal“ (Kulttitel!) alles in Schutt und Asche legten. Weitere Vertreter sind Grabak, Dark Funeral, Hellsaw, Shining (SE) und Den Saakaldte. Der berüchtigte Niklas Kvarforth war also gleich zweimal vertreten und machte seinem Ruf als "Enfant terrible" wieder alle Ehre: Beim auf der DVD enthaltenen Song „La Vinteren Vare Evig“ von Den Saakaldte sieht man, wie er immer wieder an einer Flasche Whisky nuckelt und dann kurz hintereinander zweimal von der Bühne kotzt. Da will man nicht unbedingt Security-Mann sein – wirklich widerwärtig, aber für diesen Idioten wohl sogar ein Fortschritt, wenn man bedenkt, dass er früher bei Auftritten auch gerne seine Bandkollegen oder Leute aus dem Publikum verprügelt hat.

Musikalisch etwas aus dem Rahmen fallen dürften hingegen die Schweizer Eluveitie, die sich mit ihrer folkig-mittelalterlich angehauchten Mucke und den entsprechenden exotischen Instrumenten doch schon deutlich von den anderen Bands des Billings abheben, und mit dem teils arg schief tönenden Flötengedudel zumindest beim hier präsentierten Song „The Somber Lay“ auch nicht so wirklich zu überzeugen wissen - ganz im Gegensatz zu Solstafir, den anderen Exoten des Line-ups, die mit dem neunminütigen „Köld“ faszinieren, allerdings selbst nicht wissen, ob sie mit ihrer Mischung aus Folk, Metal und Pink Floydschem Psychedelic Rock beim Publikum ankamen, da der Sänger in der Doku erklärt, er habe während der gesamten Performance die Augen vielleicht gerade einmal vier Minuten offen gehabt, da er völlig in Ekstase gewesen sei.

Zur ersten DVD sei ansonsten noch gesagt, dass Bild und Ton absolut in Ordnung gehen (lediglich bei „Bringer Of Storms“ von Hate Eternal ist der Sound eher suboptimal, da die Bassdrum alles übertönt), dass die Kamera erfreulich oft auch das Publikum einfängt (und da gibt es gerade auf Festivals bekanntermaßen immer wieder die coolsten Sachen zu entdecken: Hier zum Beispiel, als bei der doomigen Schlusspassage des zweiten Stücks von Evocation, „Razored To The Bone“, alle Pommesgabeln im Takt nach oben schießen, hält irgendjemand in den hinteren Reihen in der einen Hand immer wieder einen Teddybären hoch – Hammer! –, und bei Sadus bildet sich ein kleiner Circle Pit, in deren Mitte ein Typ steht, der in aller Seelenruhe eine Kippe raucht, als wäre nichts los), und dass der Drummer von Six Feet Under barfuß spielt. Des Weiteren hätten die Übergänge zwischen den Tracks etwas eleganter geschnitten sein dürfen, aber das alles sei nur am Rande erwähnt.

Die zweite Scheibe hingegen beinhaltet eine etwa 65-minütige Dokumentation, bei der Fuchs von den Apokalyptischen Reitern durchs Programm führt und Kurzinterviews mit den Veranstaltern, Bands, Fans, Anwohnern und sogar dem Bürgermeister von Bad Berka führt. Das Ganze ist sehr unterhaltsam, da natürlich wieder herrlich viel Blödsinn gequatscht, aber auch viel Selbstironie bewiesen wird (sehr schön: „Ich bin aus Bielefeld, obwohl’s das nicht gibt“). Genauso jedoch sprechen alle Beteiligten ihre Wertschätzung für das Party.San aus, was tatsächlich sehr ehrlich und nicht bloß dahergeredet wirkt (vor allem bei Erik Rutan von Hate Eternal, der sich total begeistert zeigt). Irgendwo ist es natürlich bedauerlich, dass das PSOA ab 2011 nicht mehr in Bad Berka stattfindet, wo sich die Bewohner – wie hier eben auch deutlich wird – längst an die vielen Metaller gewöhnt haben. Eines der wichtigsten, auf Extrem Metal spezialisierten Festivals wird es aber zweifellos trotzdem bleiben. Maik Weichert von Heaven Shall Burn, der als PSOA-Stammgast auch kurz zu Wort kommt, fasst die Lage auf die Frage, ob das Party.San noch wachsen kann, gut zusammen: „Man denkt nie, dass es wachsen kann, aber in einer Welt, in der Dimmu Borgir und Cradle Of Filth Millionen Platten verkaufen, kann ja auch das größer werden, obwohl das ja noch ’ne Spur härter ist. So lange sich das nicht dem kommerziellen Zweig der ganz harten Musik öffnet und man nicht auch solche Bands spielen lässt, ist das das positive Ende der Fahnenstange. Ich glaub, es will auch keiner, der hier herumläuft, dass es noch irgendwie größer wird“.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer als Endfazit, dass hier ein wertiges Paket von insgesamt dreieinhalb Stunden vorliegt, welches man sich ohne Zögern in den Schrank oder ins Regal stellen kann.

comments powered by Disqus

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging