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Pantera: Cowboys From Hell (Deluxe Edition)

Das Album selbst ist natürlich Pflicht, diese Neuauflage nicht unbedingt
keine Wertung
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 173:47
Release: 24.09.2010
Label: Warner Music / Rhino

1990 war ein entscheidendes Jahr für Pantera: Die Band, die zuvor noch eine Mischung aus Glam, Power und Heavy Metal spielte und entsprechende Outfits mit hochtoupierten Haaren und Spandexhosen trug, vollführte auf einmal einen radikalen Kurswechsel: Haare fönen gehörte ab sofort der Vergangenheit an und musikalisch lieferte man in Form von „Cowboys From Hell“ eindrucksvoll den Beweis ab, dass Thrash Metal amerikanischer Prägung nicht zwangsläufig aus der Bay Area kommen muss.

Das umjubelte fünfte Album des Quartetts um die Abbott-Brüder ließ sämtliche Lästermäuler verstummen, die den angekündigten Imagewechsel nie für möglich gehalten hätten, und für manche Fans ist es sogar das eigentliche Debüt der Band; kein Wunder bei dem Schnitt, den Pantera vorgenommen hatten. „Cowboys From Hell“ war außerdem der erste Longplayer der Texaner, der bei einem Label erschien (und dabei handelte es sich sogar gleich um den Branchenriesen Atlantic), nachdem sämtliche vorige Scheiben in Eigenregie veröffentlicht worden waren, und man eine Absage nach der anderen kassiert hatte – ob sich wohl immer noch manche Plattenfirmen in den Allerwertesten beißen?

Vorhersehen konnte den Erfolg zumindest in dieser Form wohl niemand, aber Fakt ist, die Band hatte eine eigene, überaus aggressive Spielart des Thrash Metal kreiert, die sich in einer unwiderstehlich groovenden Rhythmusgruppe, nanopräzisem, eingängigem Riffing à la Dimebag Darrell – durch unzählige Liveshows hatten die Instrumentalisten ein hohes technisches Niveau und tightes Zusammenspiel entwickelt – und variablem Gesang von Frontmann Phil Anselmo manifestierte. Dimebag hatte einen völlig eigenen Gitarrensound für sich entdeckt, Anselmo pendelte zwischen hohen Schreien, derben Shouts (wenn auch noch nicht so krass wie auf den Nachfolgewerken) und melodischem Gesang, und songschreiberisch agierte man auf einem so hohen Level, dass „Cowboys From Hell“ vollkommen zurecht zum Klassiker avancierte.

Über die Qualität der Tracks braucht man also nicht mehr viel sagen, Stücke wie das mit einem formidablen Mainriff versehene „Cowboys From Hell“, der epische Siebenminüter „Cemetery Gates“, das aggressiv nach vorne preschende „Domination“, das rotzige, Punk-Attitüde versprühende „Heresy“ oder der mächtige Midtempo-Groover „Message In Blood“ sind allesamt Thrash-Juwelen allerfeinster Sorte, die auch nach zwanzig Jahren nichts von ihrer Power verloren haben – einen Ausfall sucht man allerdings auf dem gesamten Album vergeblich. Angesichts dessen ist es sicherlich nachvollziehbar, dass die Platte zu ihrem Jubiläum in remasterter Form und mit Bonustracks neu aufgelegt wurde, auch wenn sich sicherlich wieder jede Menge Stimmen erheben werden, die solch eine Neuauflage für Kommerz halten.

Tatsächlich klingt das Remastering des Originalalbums zwar ein klein wenig fetter, nicht aber bemerkenswert großartiger (der Sound war schließlich schon damals sehr charakteristisch) und über die Bonus-CDs kann man sich streiten. Die Expanded Edition enthält zusätzlich noch eine zwölf Tracks starke Live-CD, von der die ersten sieben Stücke von einem am 15. September 1990 stattgefundenen Auftritt in Los Angeles bei der Foundations Forum Metal Convention stammen; dieser wurde damals fürs Radio mitgeschnitten, bis heute allerdings noch nicht auf einem Tonträger veröffentlicht. Das Ganze mag bessere Bootleg-Qualität haben, ist dem Stil der Band gemäß dafür jedoch angenehm roh, dreckig und authentisch, während sich Phil Anselmo in seiner typischen Art schön asi durch seine Ansagen prollt („...the only thing that goes in and out of our fucking mouths is pussy, alcohol and bad language“). Die fünf anderen Tracks stammen vom 1991er „Monsters Of Rock“-Festival in Moskau und waren bisher lediglich als EP unter dem Titel „Alive And Hostile“ auf einer Box erhältlich, die 1994 ausschließlich in Australien über die Ladentheken ging. Der Sound ist hier etwas geschliffener, die Band indes zeigt sich bei beiden Gigs wie nicht anders zu erwarten in bestechender Form.

Bei der hier zu besprechenden Deluxe Edition liegt als weiterer Bonus dann noch ein dritter Silberling vor, auf dem außer „Primal Concrete Sledge“ und „Clash With Reality“ alle Songs von „Cowboys From Hell“ noch einmal als Demos zu hören sind. In puncto Arrangements unterscheiden sich diese Versionen nicht großartig von den Originalen, nur der Sound – insbesondere der Gitarre – ist natürlich etwas dumpfer und unausgeglichener. Muss man nicht unbedingt haben. Das Interessante an dieser CD ist jedoch der bisher unveröffentlichte Song „The Will To Survive“, der etwas melodischer als die anderen Stücke des Albums daherkommt und aus diesem Grund nicht den Weg in die Tracklist fand – stilistisch unterschied er sich doch zu sehr von den anderen Songs; um eine sehr gelungene Komposition handelt es sich hier zweifelsohne aber ebenfalls.

Ich meine, wer „Cowboys From Hell“ bereits im Schrank stehen hat, muss sich diese Ausgabe nicht zwangsweise zulegen. Ob man dieselben Songs in drei- oder gar vierfacher Ausfertigung haben muss, sollte jeder für sich selbst entscheiden, auch wenn gerade die Live-CD sicherlich ganz interessant ist, und auch wenn es sich bei „The Will To Survive“ um einen wirklich starken Track handelt. Wer das Album allerdings noch nicht sein Eigen nennt (darf allerdings eigentlich ja gar nicht sein), macht jedoch keinen Fehler, sich diese Neuauflage zu schnappen, von der am 19. November übrigens noch eine „Ultimate Edition“ erscheint, die neben den drei CDs eine umfangreiche Memorabilien-Sammlung enthalten soll.  

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann