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Pale | Seas: Stargazing For Beginners

Eine düster-melancholische Nostalgietour
Wertung: 8,5/10
Genre: Indie Rock
Spielzeit: 41:38
Release: 24.11.2017
Label: Abbey Records

Man hört immer wieder von Bands, die einzelne Lieder kurz vor Albumveröffentlichung noch einmal neu einspielen, eventuell als Bonustrack mit auf die Platte packen oder die komplette Tracklist umschmeißen. Dass eine gefeierte Newcomertruppe sich allerdings kurz vor Veröffentlichung des Debüts komplett verkriecht und das gesamte Album (!) quasi in den Müll wirft, um es in völliger Abgeschiedenheit neu einzuspielen, ist doch eher ungewöhnlich und ein sehr radikaler Schritt, gar könnte man von Torschlusspanik sprechen – dem besagten Scheibchen mit dem wunderschönen Titel „Stargazing For Beginners“ hört man derlei Unsicherheiten aber zu keiner Sekunde an. Eine leicht psychedelisch angehauchte Mischung aus The Doors, The Verve (kennt man sicherlich noch vom totgeliebten „Bittersweet Symphony“) und Placebo ist vielleicht noch am ehesten dazu angehalten, Nicht-Hörern den Sound der Briten (was sonst!) verständlich zu machen

Dass ausgerechnet The Verve hier ein bisschen mit reinspielen, mag einerseits an dem nasalen Gesang von Fronter Jacob Scott liegen, andererseits hatte bei der Produktion mit Chris Potter derselbe Mann seine Finger im Spiel, der seinerzeit den Neunziger-Klassiker „Urban Hymns“ der Landsmänner veredelt hat. The Verve sind hier aber keineswegs als Blaupause zu sehen, sondern eher eine Assoziation, die – wenn auch unzureichend – helfen soll, den Sound des Quartetts irgendwo einzuordnen.

Schon das vorneweg ausgekoppelte „Someday“ mit seiner perlenden Gitarre, dem leicht hallenden Gesang und dem treibenden Refrain gehört ganz oben auf die Anspieltipps und würde sich sicherlich auch auf jedem Sixties- oder Seventies-Soundtrack gut machen, ebenso das etwas nöligere „My Own Mind“, das ganz ohne großes Keyboardgeschwurbel in die Psychedelic-Ecke drängt. „Blood Return“ klingt hingegen fast ein bisschen zu kitschig, gerade der Titeltrack entpuppt sich dann aber als sphärisches, nebelhaftes Stück Musik mit beinah ätherischem Frauengesang – ein Song, den man am besten liegend mit geschlossenen Augen genießt.

Konträr dazu kommt das folgende „Animal Tongue“ regelrecht beschwingt daher und erinnert wahnsinnig stark an die britische Indie-Rock-Bewegung der Neunziger mit seinen typischen klirrenden Gitarren – ein bisschen Nostalgie ist hier also durchaus angebracht, ohne dass Pale | Seas sich hier im Kopierwahn befänden, denn die Briten bringen trotz der Dynamik ein bisschen mehr Düsternis ins Spiel; sicherlich könnte dieser Sound daraus resultieren, dass sich die Truppe für die (zweiten) Aufnahme auf der Isle Of Wight verschanzte und beinah ausschließlich nachts aufnahm. So wäre zumindest dieser konstant melancholische Unterton zu erklären, der die ganze Scheibe begleitet.

Auch zum Ende hin lassen sich Pale | Seas nicht beirren, auf einen Partysong oder auch nur einen straighten Rocker wartet man vergebens, aber ganz ehrlich: Dieses düster-sphärische Feeling, das „Stargazing For Beginners“ innewohnt, sollte auch nicht durch zu rabiate Songs zerstört werden. So bildet „Evil Is Always One Step Behind“ einen guten Abschluss, mutet es doch ähnlich an wie der Titeltrack und beendet damit die zugegebenermaßen recht nostalgisch Reise durch den Indie-Kosmus. Und ganz plötzlich ist man versucht, noch mal ein paar Brit-Platten aus den Neunziger rauszukramen…

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“