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Pain Of Salvation: Road Salt Two

Insgesamt noch einen Tick überzeugender als der erste Teil
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Rock/Metal
Spielzeit: 53:35
Release: 23.09.2011
Label: Inside Out

Keine anderthalb Jahre nach dem Release von „Road Salt One“ folgt bereits der zweite Teil, der wenig überraschend in ähnlichem Stil wie Part eins gehalten ist und in Bezug auf Struktur und Arrangements einige Parallelen aufweist. Mit der 2009 erschienenen „Linoleum“-EP hatten Pain Of Salvation ja einen recht radikalen Schnitt, was den Sound betrifft, vollzogen und bei manchen Fans ein irritiertes Kratzen am Kopf ausgelöst. Klar, bei dieser Band ist man in der Vergangenheit ja bereits so einiges gewohnt gewesen, doch diesmal war die Veränderung schon ziemlich deutlich.

Doch auch wenn zunächst vieles ungewohnt und sperrig erschien – nach einigen Durchläufen von „Linoleum“ und eben „Road Salt One“ werden die meisten wohl einräumen müssen, dass Mastermind Daniel Gildenlöw es zumindest in songschreiberischer Hinsicht immer noch drauf hat. Dies bestätigt sich weitestgehend auch beim zweiten Teil, der sich qualitativ auf mindestens demselben Niveau bewegt, ähnlich viele interessante Einfälle bietet und möglicherweise sogar noch einen Tick zugänglicher als der Vorgänger geworden ist. Wobei es durchaus sein kann, dass diese Einschätzung auch nur daher rührt, weil man sich inzwischen etwas besser an den neuen Pain-Of-Salvation-Sound gewöhnt hat und logischerweise erwarten konnte, dass „Road Salt Two“ der 2010er-Platte nicht unähnlich sein würde.

Tatsächlich beginnt die Scheibe – vom kurzen, nicht einmal eine Minute währenden Intro mit dem Titel „Road Salt Theme“, das mit indischen Streichern aufwartet, einmal abgesehen – mittels des von sehr harschen Gitarren dominierten „Softly She Cried“ ähnlich kraftvoll wie „Road Salt One“ – wobei das Ganze sogar eher noch roher und ungeschliffener als „No Way“ herüberkommt; hätte man bei dem Titel sicherlich nicht unbedingt erwartet. Leider ist der Song aber auch wesentlich unspektakulärer als sein Gegenstück vom letzten Jahr, sicherlich nicht schlecht, aber auch nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinreißend.

„Conditioned“ wiederum ist dann so etwas wie das Pendant zu „Tell Me You Don’t Know“, es besitzt ein ähnlich bluesiges Anfangsriff, kann aber trotz der überraschend, aber sehr clever und schlüssig eingebauten, zurückhaltenderen Slide-Gitarren-Parts ebenfalls nicht zu hundert Prozent überzeugen. Doch in dem Moment, in welchem sich schon ein erster leichter Frust breit macht und man sich denkt, dass man hier verdammt nochmal tatsächlich die endgültige Bestätigung vorliegen hat, dass die Schweden es schlichtweg nicht mehr schaffen, an ihre alten Meisterwerke anzuknüpfen (was trotzdem immer noch heißt, dass viele andere Bands für diese Tracks töten würden – nur, um das klarzustellen) – in dem Moment also kommt „Healing Now“, eine grandiose Nummer, welche die Gehörgänge nicht verlassen will und die man wieder und wieder hören will. Ein sehr melancholisch geratenes Stück, das von Akustikgitarren und Daniels Stimme getragen wird und sich in der Mitte wie ein wilder Tanz mehr und mehr steigert – hier erreichen Pain Of Salvation wahrhaftig das unfassbar hohe Level der eigenen Vergangenheit. Ich kriege eine Gänsehaut, wenn ich an den Song nur denke.

Und erfreulicherweise wird die Platte auch in ihrer Gesamtheit ab der Mitte um einiges besser: „To The Shoreline“ ist mit seinem positiven Charakter ein wunderschöner, luftig-lockerer und aufwendig arrangierter Absacker nach dem zwar großartigen, aber eben schwermütigen „Healing Now“, der mit Blasinstrumenten veredelt wurde und durch himmlische Gesangsmelodien glänzt, die einem die Tränen in die Augen treiben. Herrlich, göttlich, unbeschreiblich, nur ein Manko gibt es: Mit drei Minuten ist das Stück einfach zu kurz, man will noch weiter darin schwelgen.

In Form des siebenminütigen „Eleven“ zeigt sich die Gruppe anschließend wieder von ihrer rockigen Seite: Das Mainriff ist ein absoluter Killer und hätte definitiv auch in den Siebzigern geschrieben sein können, und was rhythmisch in der Mitte abgezogen wird (das Zusammenspiel und Gegeneinanderlaufen von Gitarren, Bass und Schlagzeug), ist wirklich vom Allerfeinsten. Im pompösen Endpart hätte man sich vielleicht noch ein richtig spektakuläres Gitarrensolo gewünscht, aber so oder so ist auch diese Nummer ganz großes Kino.

In eine ähnliche, sprich rockigere Kerbe schlagen „The Deeper Cut“ und „Mortar Grind“, die sich durch eine düstere Atmosphäre auszeichnen (letztgenanntes Stück war bereits auf der „Linoleum“-EP zu finden), während „1979“ (nein, hier handelt es sich nicht um ein Cover des Megahits der Smashing Pumpkins) und „Through The Distance“ zwei weitere hübsche Balladen darstellen. Besonders „1979“ dürfte mit seinem nostalgischen Text bei dem ein oder anderen Hörer sicherlich eine wehmütige Retro-Stimmung auslösen.

Einmal mehr wird somit deutlich, wie abwechslungsreich die Band agiert; völlig problemlos wird zwischen Balladen und Rocksongs gewechselt, zwischen zerbrechlichen, hochemotionalen Momenten, die niemals aufgesetzt oder unehrlich wirken, und markig rockenden Passagen – und über allem thront die einmal mehr unglaublich facettenreiche Stimme Daniel Gildenlöws, der für mich ganz klar zu den Top 5 der besten Metalsänger überhaupt gehört. Beim fast neunminütigen Finale „The Physics Of Gridlock“ gibt er sogar ein paar französische Lyrics zum Besten, was sich erstaunlich gut macht. Irgendwie muss ich dabei an David Gilmours Interpretation von „Je Crois Entendre Encore“ aus Bizets Oper „Les Pêcheurs De Perles“ denken, obwohl die Gesangslinien eigentlich völlig unterschiedlich sind.

Alles in allem haben Pain Of Salvation mit „Road Salt Two“ ein weiteres, sehr interessantes und abwechslungsreiches Album auf den Markt geworfen, dessen Anfang zwar nicht enttäuscht, aber auch nicht so richtig zündet, das sich danach aber umso bravouröser steigert und das übrigens auch in einer Digipack-Version mit zwei weiteren Tracks erhältlich ist. Mir ist es summa summarum sogar noch einen halben Punkt mehr als das erste Werk wert. Man darf gespannt sein auf die Tour mit Opeth Ende des Jahres; die Zusammensetzung wird wohl nicht von ungefähr gewählt sein, schließlich haben Åkerfeldt und Co. auch gerade einen radikalen Schnitt in ihrem musikalischen Schaffen gewagt.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann