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Pain Of Salvation: Road Salt One

Besser als "Scarsick", aber frühere Werke werden erwartungsgemäß nicht erreicht
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 51:20
Release: 14.05.2010
Label: InsideOut/EMI

Pain Of Salvation sind eine Progressive Metal-Band im eigentlichen, ursprünglichen Sinne. Progressive Metal bedeutet schließlich nicht, so viele Noten wie möglich innerhalb einer Sekunde zu spielen – dafür ist jemand wie Yngwie Malmsteen zuständig –, sondern neue Wege zu gehen, auszuprobieren, zu experimentieren. Und genau das haben die Schweden um den genialen Daniel Gildenlöw immer getan, auch wenn sie damit nicht immer jeden zufriedenstellen konnten.

Auch meine Wenigkeit war nicht von jeder Scheibe durchgängig begeistert: „The Perfect Element“ und „Remedy Lane“ gehören für mich noch heute zu den besten Alben aller Zeiten, auch bei „Entropia“ und „One Hour By The Concrete Lake“ handelt es sich für meine Begriffe um hervorragende Scheiben. Mit „BE“ hatte ich allerdings so meine Probleme: zu viele Hörspielsequenzen, zu viel Gelaber – das Ganze schien einfach überambitioniert; auf der anderen Seite kenne ich aber auch genügend Leute, die das Album lieben (und schlecht ist es ja auch nicht).

Das 2007 erschienene „Scarsick“ hingegen stellte für mich gar den bisher schwächsten Output der Band dar – eine wirklich grässliche Nummer wie „Disco Queen“ zum Beispiel hätte man sich sparen können, allerdings konnte auch im Falle von „Scarsick“ wohl wieder niemand abstreiten, dass diese Gruppe immer wieder etwas Neues ausprobiert. Mit Spannung durfte man also zunächst die Vorab-EP „Linoleum“ erwarten, die letztlich tatsächlich wieder völlig anders als alles klang, was Pain Of Salvation bislang herausgebracht haben, was sicherlich auch mit dem sehr viel erdigeren Sound zusammenhängt, der die Band rauer erscheinen ließ. Zwar ist es bei einer Prog-Metal-Combo wie den Schweden ohnehin normal, dass ihre Alben Zeit brauchen, um sich zu entfalten, doch brauchte es bei „Linoleum“ vielleicht sogar noch etwas mehr Gewöhnungszeit, da die EP trotz im Vergleich zu den vorigen Alben weniger ausufernden Arrangements zunächst einmal recht sperrig anmutete; dies deutete bereits an, dass es auch beim folgenden Studioalbum einiges an Geduld brauchen würde, um mit dem Material warm zu werden.

Und natürlich ist es dann auch so gekommen: „Road Salt One“ zeigt eine Band, die neue Wege geht, aber ihre typischen Trademarks beibehalten hat. Die Skandinavier klingen mit drahtigem, an die Siebziger Jahre erinnernden Gitarren- und dumpfem, der Atmosphäre aber damit durchaus gerecht werdenden Drumsound einerseits rauer und präsentieren größtenteils eher kürzere Songs, auf der anderen Seite besitzen diese aber dennoch mehr Tiefgang als „Scarsick“. Was auch am Gesang liegen dürfte: Daniel Gildenlöws unfassbar vielseitige Stimme berührt so stark wie seit „Remedy Lane“ nicht mehr, aber es gibt sowieso nur wenige Sänger in der Metalszene, die sowohl technisch derart brillieren, gleichzeitig aber so emotional klingen.

Man höre sich nur mal ein Stück wie „Sisters“ an, vielleicht das Highlight der Platte. Eine wunderschöne, sich stetig steigernde Ballade, die mit traumhaften, melancholisch-sehnsüchtigen Gesangslinien ausgestattet ist, welche vom Frontmann mit nie übertriebenem Pathos vorgetragen werden, und zu denen sich Streichersounds und ein zerbrechliches Piano hinzugesellen.

Der Opener „No Way“ ist, wie schon das Titelstück von „Linoleum“ (das auf „Road Salt One“ ebenfalls zu finden ist), recht rockig geraten, doch auch hier sind einige wundervolle ruhige Stellen zu hören, die bestens in den Song integriert wurden und Daniels Stimme von ihrer emotionalsten Seite zeigen.

Ansonsten offenbaren Pain Of Salvation eine unheimliche stilistische Vielfalt: Die jeweils nicht einmal drei Minuten langen „She Likes To Hide“ und „Tell Me You Don’t Know“ gehen in die Blues-Ecke, „Of Dust“ erinnert mit seinen sakralen Gesängen ein wenig an „Nauticus (Drifting)“ von „BE“, „Sleeping Under The Stars“ ist ein lupenreiner Walzer mit teils sehr schrägen Klängen, „Darkness Of Mine“ atmet zwischen erneut sehr rockigen Gitarren jede Menge Psychedelic-Flair, „Where It Hurts“ wohnen teils fast Queen-artige Chorstimmen inne, und „Innocence“ ist ein ziemlich komplexes, etwas unausgegoren erscheinendes, siebenminütiges Finale.

Das ist alles wahrlich nicht immer leicht verdaulich und wirkt im ersten Moment ein wenig zusammengewürfelt, braucht jedoch wie erwähnt halt Zeit. Man muss vor Pain Of Salvations Experimentierfreudigkeit in jedem Fall Respekt haben, zumal es an der songschreiberischen Klasse von „Road Salt One“ insgesamt nicht viel auszusetzen gibt – dennoch fehlt irgendwie ein bisschen das gewisse Etwas, das Meisterwerke wie „The Perfect Element“ und „Remedy Lane“ auszeichnete. Aber zugegeben: Wenn man solche Jahrhundertwerke veröffentlicht hat, hat man eben auch das Problem, immer daran gemessen zu werden und sie nicht mehr überbieten zu können. Zumindest gefällt mir „Road Salt One“ besser als „Scarsick“.

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