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Pain Of Salvation: Remedy Lane Re:visited (Re:mixed & Re:lived)

Neuauflage, um die kein Fan herumkommt
keine Wertung
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 142:32 (68:10/74:22)
Release: 01.07.2016
Label: InsideOut

Es soll ja tatsächlich Nasen geben, die etwas an Pain Of Salvations 2002er Gottalbum „Remedy Lane“ auszusetzen haben, manchmal zum Beispiel wird eine angeblich zu dünne Produktion beklagt. Ich persönlich konnte das nie nachvollziehen, denn für meine Begriffe ist diese Scheibe perfekt so wie sie ist, alles in allem sogar eines der besten (Metal-)Alben, die je aufgenommen wurden, und zweifellos noch vor „The Perfect Element“ das Magnum Opus der Schweden. Ein wahnsinnig intensives Konzeptwerk über Selbstfindung und -reflexion, Beziehungen, Liebe, Sex, Verlust, Depression und Trauer, das sehr viele persönliche Elemente in den ausgezeichneten Texten von Frontgenius Daniel Gildenlöw enthält. Berührend, aufwühlend und unglaublich mitreißend – man kann von dieser Sensationsplatte eigentlich gar nicht genug schwärmen und ich kriege schon eine Gänsehaut wenn ich nur daran denke.

Dennoch scheint auch Gildenlöw selbst zu der Fraktion zu gehören, die (jedenfalls was den Sound betrifft) nie zu hundert Prozent mit der Scheibe zufrieden waren. Zumindest wird er im Promoschreiben so zitiert, dass er, nachdem Jahre nach der Veröffentlichung von „Remedy Lane“ Jens Bogren auf ihn zukam und erklärte, er sei Fan seiner Band, immer wieder am Überlegen war, wie jene Scheibe wohl in dessen „skillful hands“, wie er sich ausdrückt, geklungen hätte.

Vierzehn Jahre nach Release des Originals ist es nun soweit und tatsächlich sind im direkten Vergleich Unterschiede auszumachen, wobei es sich hier ja auch um einen Remix und nicht lediglich ein Remaster handelt; bei letzterem ist in vielen Fällen kaum eine Veränderung zu bemerken und man fragt sich häufig, was da überhaupt gemacht worden sein soll. „Remedy Lane Re:mixed“ hingegen kann (auch wenn ich persönlich wie angedeutet keine Probleme mit dem alten Klanggewand habe) definitiv mit einem wesentlich transparenterem und klarerem Klang gegenüber dem 2002er Release aufwarten, der Schlagzeugsound hat mehr Druck und Schärfe und vor allem viele kleine Details wie insbesondere „versteckte“ Gitarrenlicks treten deutlicher zu Tage.

Das ist schon mal sehr positiv, allerdings für Fans, die das Original im Regal stehen haben, wahrscheinlich noch nicht Grund genug, sich diese Neuauflage zu organisieren – der Hauptgrund wird einem eigentlich vor allem mit der zweiten CD geliefert, einer Komplettaufführung des Albums beim ProgPower Festival 2014. Vor dem lyrischen Hintergrund betrachtet wäre ja eigentlich Budapest die konsequentere Wahl gewesen, außerdem ist es doch eher ungewöhnlich, ein ganzes Album bei einem Festival zu spielen, aber das nur am Rande.

Vom damaligen Personal, das „Remedy Lane“ einspielte, ist inzwischen nur noch der Boss himself, Daniel Gildenlöw, an Gesang und Gitarre dabei, alle weiteren Positionen werden längst von anderen Musikern bekleidet. Doch die heutige Mannschaft steht der damaligen im Prinzip in nichts nach, denn die Leidenschaft und Spielfreude, mit der die Band auftritt, muss jeden Zuhörer begeistern. Dass Daniel selbst ein unfassbar talentierter Künstler mit sagenhaften Fähigkeiten sowohl als Sänger als auch als Gitarrist ist, muss man niemandem mehr ausführlich erklären. Doch auch der Rest der Truppe hat es in sich, vor allem Zweitgitarrist Ragnar Zolberg tut sich mit hervorragenden Backing Vocals hervor, bei „Undertow“ darf er sogar den gesamten Lead-Gesang übernehmen.

Auch bei „This Heart Of Mine“ (einem der schönsten, ehrlichsten und herzzerreißendsten Liebeslieder, die je komponiert wurden) übernimmt er den letzten Chorus, was allerdings den einzigen „Schwachpunkt“ dieses fantastischen Livealbums markiert, denn Ragnars vokale Fähigkeiten in allen Ehren, aber gerade bei diesem so persönlich erscheinenden Song ist es einfach emotionaler und authentischer, wenn Daniel selbst singt.

Ansonsten aber sind die perfekt sitzenden Harmoniegesänge („Second Love“!) ein absoluter Hochgenuss, die entfesselten, geradezu ekstatischen Soli lassen einen zwischen enthusiastisch Luftgitarre mitspielen und sich als nichtswürdig in den Staub werfen hin- und herpendeln. Des Weiteren kann die Live-CD mit einem exzellenten Sound glänzen, der alle Details einfängt, aber unverkennbar live tönt. Auch Publikumsreaktionen sind gut hörbar, manchmal durchaus mitten in den Songs, wenn sich die Leute – verständlicherweise ohnehin vollkommen geplättet ob der unglaublichen Bühnendarbietung – beispielsweise über eine besonders gelungene Gesangspassage freuen.

Überhaupt: Stimmlich hat Daniel Gildenlöw nicht einen Jota eingebüßt und kriegt alle hohen Schreie und Kopfstimmen-Sequenzen mühelos, wie besonders eindrucksvoll am Ende von „Fandango“ zu hören. Platz für Jam-artige Einlagen bleibt außerdem, so steigert sich das eigentlich so zerbrechliche und entspannte „Dryad Of The Woods“ am Ende zu einer grandiosen, mitreißenden Gitarrenorgie.

Keine Frage: Um „Remedy Lane Re:visited“ kommen auch Fans, die das Original von 2002 besitzen, nicht herum. Weiterer Kaufanreiz neben Live-Konzert und Remix ist außerdem sicherlich das ausführlichere Booklet, das mit Linernotes des Meisters ausgestattet wurde – bestimmt sehr interessant, da der Redaktion als Promo allerdings lediglich ein Download zur Verfügung stand, kann darauf nicht näher eingegangen werden.

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