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Pain Of Salvation: Panther

Ebenso packendes wie herausforderndes Album
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 53:33
Release: 28.08.2020
Label: InsideOut

Bei Pain Of Salvation darf man stets gespannt sein, was sie als nächstes ausprobieren: Kaum sonst eine Band der Szene hat den Terminus „progressiv“ tatsächlich so verinnerlicht wie die Schweden um Daniel Gildenlöw und sich mit jedem weiteren Album quasi neu erfunden. Auch „Panther“ tönt so wie keine andere Platte des Fünfers zuvor – die vielen elektronischen Elemente, der ultratrockene Schlagzeugsound und der zum Teil tatsächlich an Linkin Park (!) und Rage Against The Machine (!!) erinnernde Titelsong mit seinen Rap-Passagen werden nicht jedem gefallen, doch diese Band stand noch nie dafür, plumpen Fanservice zu betreiben, sondern sich selbst und ihre Anhänger immer aufs Neue herauszufordern.

Auch wenn der Hörer also vor keine leichten Aufgaben gestellt wird, sind die typischen POS-Elemente selbstverständlich immer wieder anzutreffen – vor allem in den Gesangsmelodien. Was der Meister in der schwelgerischen, wehmütigen Klavierballade „Wait“ zum Besten gibt, ist absolut zu Herzen gehend und schlicht wundervoll. „Keen To A Fault“ vereint anschließend mühelos scheinbare Gegensätze wie auf rhythmisch vertrackten Drums schwebende, relaxte Akustikgitarren und säuselnden Gesang, wobei der schärfere Refrain dann erneut eine recht charakteristische POS-Tonfolge beinhaltet.
 
Dies sind zusammen mit dem kurzen Interlude „Fur“ sowie dem eher unspektakulären „Restless Boy“, das im Albumkontext zwar funktioniert, aber trotzdem eine seltsame Wahl als Singleauskopplung darstellt, die vergleichsweise ruhig gehaltenen Stücke der Platte. Auf der anderen Seite stehen Songs wie „Unfuture“, das durch die kraftvollen Drums und die aufwühlenden Gitarren äußerst wuchtig daherkommt, oder das zornige „Species“ (der Gedanke „sometimes I hate my fucking species“ ist wohl jedem schon mal gekommen). Der Opener „Accelerator“ ist dagegen ein anschauliches Beispiel für die Fähigkeit der Skandinavier, eingängiges und komplexes Material zu koppeln: Während der Refrain gewisse Ohrwurmqualitäten aufweist, geht man gleichzeitig polyrhythmisch vertrackt zur Sache und hat mit vielen elektronischen Effekten jede Menge interessanter Details parat.

Am eindrucksvollsten zeigt aber das über 13-minütige Finale „Icon“ das einzigartige Können der Truppe sowohl Glücksgefühle wegen der Schönheit der Musik als auch einen Klumpen im Magen ob der deprimierenden Intensität des Dargebotenen zu entwickeln: Ein hübsches Klaviermotiv, begleitet von zarten Basstönen, leitet das Epos ein, nur um dann von geradezu unangenehm verzerrten und bedrohlich klingenden Gitarrendissonanzen zerrissen zu werden, die sich alsbald in eine heftige Rifferuption entladen, die von der Stimmung her an Porcupine Tree zu „Fear Of A Blank Planet“-Zeiten denken lässt. Immer wieder wechseln sich diese unterschiedlichen Parts ab, werden variiert und kombiniert, fördern sowohl herrliche, leidenschaftliche Melodien als auch abgründig-verstörende Moloche zutage und kulminieren schlussendlich in einer grandiosen Gitarrensoloorgie.

Sicher ist das sperrig und unbequem, dafür aber ebenso unvorhersehbar und spannend und wann war es schon mal so, dass sich bei einer Pain Of Salvation-Platte während des ersten Durchlaufs gleich alles als schlüssig erwies und sämtliche Facetten offenbart wurden? Am streitbarsten wird für viele Fans wohl bereits erwähnter Titelsong sein. Dass Daniel Gildenlöw auch rappen kann, hat er zwar schon früher bewiesen, trotzdem dürfte jener Song gerade für viele Metalheads – noch dazu mit den ganzen elektronischen Spielereien – ein Dorn im Auge sein. Befreit man sich von den Scheuklappen, liegt allerdings eine klasse Nummer vor, deren aggressive Strophe von einem zerbrechlichen Chorus konterkariert wird und die trotzdem griffig ist – durchaus ein kleiner Hit, der Pain Of Salvations Wandlungsfähigkeit (und die von Daniels Stimme) in aller Deutlichkeit unterstreicht.

Inhaltlich (und das hat „Panther“ dann doch mit seinen Vorgängern gemein) liegt ein Konzeptwerk zugrunde, das grob umrissen von einer von Hunden und Panthern bewohnten Stadt handelt, wobei letztere die Außenseitergruppe darstellen – in Metaphern verpackte Gesellschaftskritik ist bekanntlich ein Thema, mit dem sich Gildenlöw immer wieder im Laufe seines Lebens und seiner Karriere beschäftigt hat.

Vor einigen Jahren wurde er, nach dem recht nebulösen Abgang von Ragnar Zolberg, mit dem er die letzte Platte noch komplett zusammen komponierte, selbst zur Zielscheibe von Kritik. Was genau dort vorfiel, kann letztlich zwar niemand verifizieren, aber die begleitenden Worte des Isländers, nachdem er die Band verließ (oder verlassen musste), schmeichelten dem POS-Frontmann wenig. Davon abgesehen ist der Truppe, zu der anstelle von Zolberg Johan Hallgren an die zweite Gitarre zurückgekehrt ist, mit „Panther“ aber erneut ein beeindruckendes Werk gelungen. Performancetechnisch vom Feinsten, ebenso emotional tiefschürfend wie handwerklich hochwertig, beklemmend wie wunderschön, vielfältig, sehr organisch produziert und garantiert mit hohem Mehrwert. Man muss die teils überbordenden Arrangements nur ihre Wirkung entfalten lassen. Chapeau!

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