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Pain Of Salvation: On The Two Deaths Of

Über vier Stunden Pain Of Salvation: Hier kann jeder bedenkenlos zugreifen
keine Wertung
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 263:00
Release: 13.03.2009
Label: Inside Out / SPV

Nach der DVD mit der Bühnenaufführung von „BE“, die im April 2005 erschien, ist „On The Two Deaths Of“ die zweite DVD der schwedischen Progressive Metaller Pain Of Salvation und das erste audiovisuelle Dokument des Quintetts mit einem „richtigen“ Konzert. Dafür jedoch bekommt der geneigte Fan immerhin gleich einen insgesamt über vierstündigen Doppeldecker vorgesetzt, der eine Tourdokumentation, ein komplettes Live-Konzert und zahlreiche Extras enthält.

Auf dem ersten Silberling ist die Dokumentation zu finden, die zumindest für meinen Geschmack wesentlich liebevoller und informativer gestaltet wurde als die sogenannten Making-Ofs anderer Bands. Das Ganze beginnt noch in Schweden während der letzten Probe zur „BE“-Tour, die allerdings, wie die Band im weiteren Verlauf erklärt, eher eine „Mixed“-Tour darstellt, da man so lange nicht mehr on the road war und den Fans einen Querschnitt durch das gesamte bisherige Schaffen bieten will, anstatt sich zu sehr auf das damals aktuelle Album zu fokussieren.

Interessant, dass auch Daniel und Kristoffer Gildenlöws Mutter (die gleichzeitig als Physiotherapeutin der Band fungiert) zu Wort kommt und einiges über die unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden Brüder erzählt. Welcher andere Metaller würde wohl seine Mutter vor der Kamera etwas über ihn erzählen lassen? Ich will das bestimmt nicht miteinander vergleichen, aber durch seine Texte insbesondere auf dem Jahrhundertwerk „Remedy Lane“ hat die Öffentlichkeit ja bereits sehr persönliche Dinge über Daniel Gildenlöw erfahren (ein Großteil davon ist autobiographisch) – für den Mut zu diesem Seelenstriptease hat der POS-Fronter übrigens immer noch meinen allergrößten Respekt.

Anschließend jedenfalls geht es dann tatsächlich auf Tour, wobei man einen äußerst detailgetreuen Einblick in das Leben on the road bekommt. Einiges kennt man bereits von anderen DVDs wie Playstation zockende Musiker und auch dass Daniel sich gleich zu Beginn der Reise eine Grippe einfängt, was sich selbstverständlich auf die Stimme auswirkt, ist sicherlich weniger spannend, doch insgesamt wird der Touralltag einfach interessanter dargeboten als bei anderen Dokus. Man sieht Ausschnitte davon, wie die Bandmitglieder bei Interviews Rede und Antwort stehen, sieht die Band direkt vor und nach der Show, was ich immer sehr spannend finde, weil der Adrenalinspiegel dann stets besonders hoch ist; man wird darüber aufgeklärt, wie Johan Hallgren zu der Band stieß und man erfährt, dass es teilweise eine enorme Diskrepanz gab, was die Längen der Shows angeht, weil an manchen Orten der jeweilige Veranstalter noch eine Vorband buchte, sodass die Schweden in einigen Städten nur anderthalb Stunden spielten, in anderen jedoch zweieinhalb oder gar drei. Dies bedeutete natürlich, dass einige Songs aus der Setlist gestrichen werden mussten, was bei den vielen großartigen Stücken, die Pain Of Salvation im Gepäck haben, die nicht gerade leicht zu beantwortende Frage aufwarf, welche Tracks denn nun dran glauben sollten.

Ansonsten kommen jede Menge Fans zu Wort – die im übrigen bei den Konzerten teilweise lauter schreien als die Musik aus der PA tönt, wie ein Techniker erklärt, der bei der Band etwa 100 bis 105 Dezibel als Durchschnittswert angibt, während das Publikum bis zu 116 Dezibel schafft – und Humor und Blödeleien kommen selbstverständlich auch nicht zu kurz.

So vertreibt man sich die Zeit mit Figuren aus Überraschungseiern oder schreit wild in der Gegend herum, was der kopfschüttelnde Keyboarder Fredrik Hermansson so kommentiert: „And we are just two days on the tour...“

Dass die Jungs Humor haben, zeigen allerdings schon die Kommentare auf der Hülle und die Warnhinweise am Anfang, doch insbesondere beim Bonusmaterial wird noch mal einer draufgesetzt – seht euch nur mal die Easter Eggs an oder hört euch den Audiokommentar von Daniel Gildenlöw und Filmemacher Per Hillblom an und ihr wisst, was gemeint ist.

Auch der Spruch „Even if we’re not in America, we might get sued anyway“ von Daniel, als sich beim Bühnenaufbau in Essen die Sorge breitmacht, der aufgehängte Projektor könnte möglicherweise herunterfallen und jemanden aus dem Publikum verletzen, trägt durchaus zur Erheiterung bei.

Weniger erheiternd, sondern eher seltsam, mutet dagegen das Statement im Abspann an, Kristoffer sei dazu aufgefordert worden, die Band zu verlassen (so geschehen im Jahre 2006). Da sich das etwas drastischer anhört als die bisher bekannte Begründung, es sei zu schwierig gewesen, mit dem Bassisten zu proben, weil er mittlerweile in Holland wohnt, wären etwas mehr Hintergründe zu diesem Thema sehr interessant gewesen – leider aber werden diese nicht näher beleuchtet.

Auf der zweiten DVD „Touching You Harder“ findet sich schließlich ein Konzertmitschnitt von 2007 aus dem Amsterdamer Paradiso – also gute zwei Jahre nach der auf der ersten Scheibe dokumentierten Tour –, als die Schweden gerade „Scarsick“ herausgebracht hatten. Hier bedient nun auch nicht mehr Kristoffer Gildenlöw den Tieftöner, sondern Simon Andersson – von Daniel als „Mr. Anderson“ vorgestellt, „if you have seen the Matrix movies“.

Pain Of Salvation beweisen bei diesem knapp zweistündigen Konzert eindrucksvoll, welch großartige Liveband sie sind und dass sie sich in technischer Hinsicht keineswegs hinter den Szenegrößen Dream Theater oder Symphony X verstecken müssen. Und was das Stageacting und die Kommunikation mit dem Publikum angeht, haben sie besonders gegenüber erstgenannten eindeutig die Nase vorn. Johan Hallgren – wenn er sich nicht gerade als exzellenter Zweitsänger hervortut oder durch hervorragende Gitarrensoli glänzt – feixt immer wieder in die Kamera und über Daniel Gildenlöw muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Der Mann kann einfach alles. Es ist nicht nur sein Stimmumfang selbst, der schlichtweg der schiere Wahnsinn ist, sondern auch die unheimlich facettenreiche Art, wie er seine Stimme einsetzt, die immer wieder aufs Neue fasziniert. Hinzu kommt noch die Inbrunst und Leidenschaft, mit der er solch emotionale Nummern wie „Undertow“, „This Heart Of Mine“ oder „Chain Sling“ vorträgt – ganz großes Kino!

An der Setlist gibt es objektiv betrachtet nicht viel zu meckern, sie bietet einen guten Querschnitt durch das bisherige Wirken der Band, subjektiv betrachtet allerdings hätte es gerne etwas mehr von den Überwerken „The Perfect Element“ und „Remedy Lane“ sein dürfen – ich vermisse Stücke wie „Ending Theme“, „A Trace Of Blood“, „Rope Ends“, „Idioglossia“ oder „King Of Loss“. Meinetwegen hätte man dafür auf den fürchterlichen Track „America“ oder die dämliche Dance-Nummer „Disco Queen“ verzichten können, die unverständlicherweise vom Publikum abgefeiert wird (ja, beide Stücke sind ironisch gemeint, trotzdem sind sie einfach schlecht; mit „Scarsick“ habe ich allerdings sowieso meine Probleme) oder die etwas kitschige Interpretation von Leonard Cohens „Halleluja“.

Aber das ist natürlich meine persönliche Sicht der Dinge, Fakt ist trotzdem zweifelsohne, dass hier jeder Fan auf seine Kosten kommt, zumal auch Bild und Ton absolut in Ordnung gehen.

„On The Two Deaths Of Pain Of Salvation“ kommt wahlweise als Doppel-DVD oder als Doppel-DVD plus Doppel-Audio-CD.

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