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Pagan's Mind: Heavenly Ecstasy

Nach vier Jahren Pause melden sich die Norweger zurück
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Metal, Melodic Power Metal
Spielzeit: 56:01
Release: 20.05.2011
Label: SPV/Steamhammer

Namen können manchmal verwirren: Wer diese norwegische Band noch nicht kennt und in den folgenden Zeilen ein Review über ein Pagan-Metal-Album erwartet, liegt völlig daneben, denn Pagan's Mind haben mit jener Musikrichtung trotz ihres Namens überhaupt nichts zu tun. Vielmehr bekommt der Hörer ein melodisches Gebräu aus Power- und Progressive-Metal-Elementen serviert, das sich handwerklich auf einem sehr hohen Niveau befindet und durch aufwendige Arrangements (sowohl in gesanglicher als auch in instrumentaler Hinsicht) und Abwechslungsreichtum überzeugen kann. Allerdings sind hier ja auch keine Anfänger am Werk; „Heavenly Ecstasy“ ist bereits die fünfte Scheibe des Quintetts, das in der Vergangenheit bereits gute Kritiken einheimsen konnte und sich für das neueste Werk statt der vorher üblichen zwei diesmal ganze vier Jahre Zeit ließ, denn „Qualität ist wichtiger als Quantität“, wie Sänger Nils natürlich vollkommen zurecht anmerkt.

Tatsächlich scheint die Truppe extrem selbstkritisch zu sein, da der Frontmann weiterhin ausführt, man würde bei jedem neuen Album am Ende bis zu 80 Prozent der ursprünglichen Ideen wieder verwerfen. Auch wenn dem Autoren leider die Vergleiche mit den älteren Outputs der Norweger fehlen, so lässt sich doch konstatieren, dass es anscheinend zumindest kein Fehler war, länger an „Heavenly Ecstasy“ herumzufeilen. Das Endresultat überzeugt in puncto Arrangements und Songwriting, die Liebe zum Detail ist anhand der filigranen, sauber ausgearbeiteten Gitarrensoli und der aufwendigen Keyboard-Bombast-Passagen jederzeit erkennbar. Letztere sind zwar sehr präsent und bewegen sich an der Grenze zum Kitsch, die musikalische Klasse der Band verhindert jedoch, dass diese tatsächlich überschritten wird – sieht man mal vom Totalausfall „When Angels Unite“ ab; eine unheimlich platte, pathetische Billig-Ballade, die aber zum Glück nur zwei Minuten währt, bevor wieder Normalform erreicht wird.

Ansonsten ist der Hang zum Kitsch bei der Gruppe lediglich in Form etwas klischeebehafteter Songtitel wie dem oben genannten Track, „Eyes Of Fire“ oder dem Albumtitel selbst erkennbar; noch mehr allerdings anhand des fürchterlichen Covers, das eben diesen bildlich wiedergeben soll und dabei wie die Frontseite irgendeiner seichten italienischen Dudelkapelle anmutet. Das Songmaterial aber ist wirklich fast durch die Bank stark: Der Opener „Eyes Of Fire“, eingeleitet von einem mit leicht orientalischen Harmonien versehenen Intro, geht schon in die richtige Richtung, doch so richtig Fahrt nimmt der Fünfer erst mit dem folgenden Doppelpack „Intermission“, dem ein geradezu hypnotischer Charakter innewohnt und das weiterhin durch einen großartigen Refrain punktet, und „Into The Aftermath“, eine vom Kontrast zwischen schwerem Riffing in der Strophe und melodischem – abermals grandiosem – Chorus lebende Nummer, auf.

Sehr gelungen ist jedoch auch die sich anschließende Midtempo-Hymne „Walk Away In Silence“, deren große Pluspunkte das unheimlich eingängige Mainriff und – man ahnt es wohl schon – der erneut saustarke Refrain sind. Mein lieber Schwan, in diesen Momenten beweisen die Herren eindrucksvoll, dass sie tatsächlich keine halben Sachen machen wollen und sich lieber etwas länger hinsetzen, um wirklich qualitativ Hochwertiges abzuliefern. Etwas sperriger ist da das achteinhalb Minuten lange „Revelation To The End“, bei dem einige etwas aggressivere Gesangspassagen, die zunächst etwas befremdlich anmuten, eingebaut wurden und das mit einigen krassen Breaks aufwartet, das dadurch aber als „echter“ Prog-Song durchgeht und etwas mehr Durchläufe braucht, um sich zu entfalten.

In der zweiten Hälfte des Albums ist besonders das bedrohliche, teils mit Devin Townsend-artigen Vocals ausgestattete „The Master's Voice“ erwähnenswert, doch auch das finale, am Ende mit seinen vielen Gitarren fast schwebende „Never Walk Alone“ kann auf der Habenseite verbucht werden, während „Live Your Life Like A Dream“ etwas poppiger gehalten ist und ein hübsches, sehr gefühlvolles Gitarrensolo bietet. Summa summarum hätte die Platte durchaus acht Punkte verdient gehabt, für den grauenhaft künstlichen Schlagzeugsound muss jedoch ein halber Zähler abgezogen werden. Zum Glück wird die Gesamtatmosphäre dadurch nicht zerstört, doch dieser seelenlose, undynamische und vollkommen drucklose Schießbudenklang kann einem schon ganz schön auf den Keks gehen. 

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann