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Owl: Owl

Mitunter etwas unausgegoren, aber durchaus reizvoll
Wertung: 7/10
Genre: Death Metal, Black Metal
Spielzeit: 65:09
Release: 11.03.2011
Label: Zeitgeister Music

Owl sind das neueste Projekt aus dem Bonner Innovationslabel Zeitgeister und selbstverständlich – Kenner der Plattenfirma aus der ehemaligen Hauptstadt jedenfalls wird dies wenig überraschen – sind die Protagonisten alte Bekannte. Wobei es sich in diesem Fall eigentlich nur um einen tatsächlichen Protagonisten handelt, denn Tausendsassa Christian Kolf, der bei fast allen Zeitgeister-Combos in irgendeiner Form tätig ist, hat hier beinahe einen Alleingang unternommen, indem er sich für Gesang, Gitarre, Bass und Synthies verantwortlich zeichnet, lediglich das Schlagzeug wird von Patrick Schroeder bedient – ebenfalls eine wichtige Konstante im Zeitgeister-Universum.

Es scheint, als wollten die Musiker dieses Labels wirklich alle Stile, die irgendwie etwas mit sowohl atmosphärischem, als auch extremem Metal zu tun haben, abdecken und sich in sämtlichen Genres austoben und wahrhaftig gelingt es ihnen dabei auch fast immer, nicht zu enttäuschen oder besser gesagt, dem Hörer (besonders dem aufmerksamen Zeitgeister-Hörer) zu demonstrieren, wozu extremer Metal fähig ist, was er hergibt, was man alles daraus hervorkitzeln kann: was für Sounds, was für Stimmungen, was für Arrangements. Dies wird gerade dadurch umso deutlicher, als dass sich hinter den Bands stets die gleichen Menschen nur in anderer Zusammensetzung verbergen.

Obwohl auf der CD, die ansonsten fast ausschließlich in schlichtem Schwarz gehalten wurde, die Worte „Death“ auf der einen und „Metal“ auf der anderen Seite vermerkt wurden, handelt es sich beim Debüt von Owl nicht um reines Todesblei, sondern eher um eine Scheibe in der Schnittmenge zwischen Death und Black Metal, bei dem deutlich roher und ruppiger zu Werke gegangen wird als beispielsweise bei Valborg, bei denen Kolf als Sänger und Gitarrist ebenfalls die Hauptrolle spielt. Dies wird schon anhand der eindeutig dumpferen und bewusst primitiveren Produktion deutlich. Der erste Track, „Conquering The Kingdom Of Rain (Entering Her Holy Halls)“, erinnert von der doomigen, pechschwarzen Atmosphäre her an Triptykon oder deren Vorgängerband Celtic Frost, doch auch ganz alte My Dying Bride kommen einem durchaus in den Sinn, auch wegen des doch sehr monotonen Gesangs, der über die gesamte Distanz der Platte leider mitunter ein wenig zu monoton herüberkommt. Dissonante, schneidende, Schwarzwurzel-artige Riffs sind eingewoben, das Tempo bleibt über die gesamten 13 Minuten allerdings eher gedrosselt.

Was bereits beim Opener auffällt, ist zweierlei: Zunächst einmal die Vorliebe des Duos für überlange, kryptische Titel (auch alle weiteren Tracks sind ähnlich lang und kryptisch benannt und auch die im Booklet abgedruckten Texte sind recht obskur und geheimnisvoll gehalten) und als Nächstes die hypnotische Atmosphäre, die einen schnell in den Bann zieht. Hier wird mehr Wert auf entsprechende Stimmungen gelegt als auf stets klar strukturiertes Songwriting – was nicht heißen soll, dass nur wild mit Fragmenten um sich geworfen und überhaupt kein nachvollziehbarer Aufbau stattfinden würde.

Dennoch ist das Dargebotene selbstredend nicht immer leicht verdaulich und wirkt manchmal noch etwas unausgegoren. Dies ist nicht etwa damit zu begründen, dass beispielsweise nach dem mahlenden, beklemmenden Opener im zweiten Stück „Lost In Vaults Underneath The Melting Mountain Of The Saints“ plötzlich heftig und durchgängig geblastet wird – denn das unterstreicht nur den Versuch, abwechslungsreich zu agieren und die beklemmende, hypnotische Atmosphäre geht dabei auch nicht verloren. Vielmehr fehlt dem Ganzen mitunter irgendwie ein wenig der letzte Biss und die letzte Überzeugungskraft, was möglicherweise am – bewusst – etwas verwaschenen Sound liegt, vielleicht aber auch am etwas chaotischen Charakter von Nummern der Marke „The Daimonion Of Dying Summers Looming Through The Golden Mist Of Dreams“ und „Spell Of The Ignis Fatuus That Leads To The Impalpable Altar Of Beasts“ (wahrlich sind diese Titel echte Zungenbrecher). Auf der anderen Seite macht gerade diese Experimentierfreudigkeit und Unberechenbarkeit von „Owl“ einen nicht unerheblichen Reiz der Platte aus, handwerklich kompetent wird sowieso gezockt (aber das ist ja fast schon überflüssig zu erwähnen) und mittels Ambient-artiger Einschübe zwischen den Songs wird die Atmosphäre noch verstärkt.

Apropos Ambient: Komplett in diese Richtung geht das letzte Stück „Threnodical Ritual At The Spectral Shores Of The Eternal Sunset“ (jetzt wurden tatsächlich alle Titel einmal erwähnt), das lediglich mit spacigen Keyboardsounds und Meeresrauschen aufwartet. Zum Chillen ist es sicherlich wunderbar geeignet, doch ob man dies auf eine halbe Stunde ausdehnen musste, ist wohl eher zweifelhaft; solcherlei Aktionen wirken meist eher wie ein künstliches In-die-Länge-ziehen eines Albums. Sei’s drum: Leicht zu bewerten ist „Owl“ nicht, gute Ansätze und interessante Passagen, sowie eine gefangen nehmende Atmosphäre sind vorhanden, aber ausbaufähig ist die Angelegenheit ebenso – 7 Punkte.

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