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Overload: The Imagery Process

Ein fader Nachgeschmack bleibt
Wertung: 6.5/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 36:41
Release: 01.10.2010
Label: Klonosphere / Season Of Mist

Als Melodic Death Metal-Band gibt es einen Fehler, den man tunlichst unterlassen sollte: auch nur annährend so zu klingen wie die große schwedische Melo Death-Combo unserer Zeit, In Flames. Den Vergleich kann man als aufstrebende Band nur verlieren. Erst recht, wenn sich in den Sound auch noch Einsprengsel der nicht minder begabten Dänen Mnemic mischen. Die Franzosen Overload vermengen beide Stile zu einem etwas Cyber-behafteten melodischen Todesmetall, bei dem man sich quasi bildlich vorstellen kann, wie Mnemic und In Flames gemeinsam auf der Bühne stehen.

Nun sind Overload keineswegs eine schlechte Band, aber im mentalen Vergleich mit ihren Kollegen natürlich alles andere als ebenbürtig. Das Sextett rund um Sänger Guizmo, der von klarem Gesang bis zu Growls die Bandbreite des Death Metal ziemlich gut abdeckt, die beiden Gitarristen Mikka und Dju, die sich mit flirrenden Läufen, akustischem Gezupfe und waghalsigen Riffs gegenseitig hochpushen, Drummer Will und Bassist Laurent, beide stets bemüht, die Dynamik auf hoher Oktanzahl laufen zu lassen, und Keyboarder Ben, der glücklicherweise weiß, wie man die Tasten drückt ohne wie ein Kinderkarussell zu klingen, scheint sich bei der Wahl des Bandnamens nicht daran gestört zu haben, dass es von China über Ungarn bis hin zu Schweden mindestens 15 Bands mit gleichem Namen gibt, davon allein drei in Frankreich – nämlich neben unserern Melodic Deathern noch eine Power- und eine Thrash Metal-Band. Hätte man vorher prüfen können, muss man aber nicht.

„The Imagery Process“ ist bereits die zweite Full Length-Auskopplung der Frenchies nach ihrem 2006er Debüt „Heartbreak System“ – zumindest am produktionstechnischen Standard der neuen Scheibe kann man wenig aussetzen, kommen doch alle Instrumente verhältnismäßig klar und druckvoll aus den Boxen. Der Titeltrack stimmt als Opener gleich mal auf das grundlegende Problem des Sextetts ein: Zwar wird ordentlich Druck aufgebaut (allein die Vocals rumsen ordentlich), aber der entscheidende Funke fehlt und das aufsteigende Glühen wird mehr oder minder im Keim erstickt. Die galoppierenden Schlagzeugrhythmen hat man so – und besser – schon bei einer ganzen Armada Melo-Death-Bands gehört. Da hilft es auch nur wenig, dass der klare Gesang nach Mnemics Guillaume Bideau klingt – meiner bescheidenen Meinung nach ohnehin nur ein unwürdiger Ersatz für den früheren Fronter Michael Bogballe, aber das nur am Rande.

Mit symphonischen Elementen und reichlich Blastbeats versuchen die Herren, bei „Distorted Fates“ ein bisschen den Druck zu erhöhen, scheitern aber auf halber Strecke aufgrund relativ unpassend wirkender Keyboardfetzen. Erst im Verlauf des Tracks kann wieder Fahrt aufgenommen werden und zwar ganz ordentlich – hier ist Matte schütteln angesagt, und auch wenn die Keyboards zwischendurch nicht unbedingt zur Stimmung beigetragen haben, kann der Track gut und gerne als Anspieltipp durchgehen. Ebenso „My Odyssey“: Der Track startet erst ein wenig stolpernd, aber im Refrain kommt die Dynamik richtig schön durch und es darf ordentlich gegroovt werden. Live ist der Song sicherlich ein Highlight und auch auf Platte sticht er angenehm heraus.

„Thirst For Speed“ kann zu Beginn Punkte bei der Aggressivität einheimsen, was man jetzt nach der Platte so gar nicht mehr von den Franzosen erwartet hätte. Zwar glänzt auch dieser Song nicht unbedingt durch Ideenreichtum, aber dadurch, dass hier die klaren Vocals außen vor gelassen wurden, rast der Track mit hörbar mehr Druck durch die Gehörgänge. Da können auch das solide nachfolgende „Final Line“ mit seinem durchdringenden Schlagzeug und das finale Instrumental „Under“ mit seiner leider etwas zu gekünstelt sehnsuchtsvollen Gitarre nicht mehr mithalten. Schade, denn Overload hätten hier, so wie bei vielen anderen Songs sicherlich noch mehr herausholen können. Was bleibt, ist ein gutes Melo-Death-Album mit einem etwas faden Nachgeschmack und sechseinhalb Punkten zur Güte.

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