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Overkill: The Grinding Wheel

Mit Groove-Klötzen vom Ruhrgebiet bis nach New Jersey
Wertung: 8/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 60:19
Release: 10.02.2017
Label: Nuclear Blast

Overkill muss man einfach lieben, auch wenn sie mit „The Grinding Wheel“ eher ein schwächeres Album vorgelegt haben und nicht die „Irounbound“ bis „White Devil Armory“-Phase übertreffen – live allerdings schmiegen sich die Songs perfekt ins Gesamtkonzept ein und lassen die weitestgehende Midtemposause anno 2017 schnell vergessen. Dabei soll sich das gar nicht so pessimistisch anhören, denn noch immer sind alle Trademarks des US-Fünfers vorhanden: Charismatische Vocals wie gewohnt durch Blitz – und das auch noch nach seiner erfolgreich bekämpften Erkrankung –, dazu der klare, häufig auch deutlich vom Bass getriebene Sound, und fertig ist die Thrash-Laube mit leicht angezogener Handbremse, wobei The Grinding Wheel auch ohne den ganz großen Knaller relativ gut auskommt und weiterhin zur Speerspitze der Thrash-Bewegung zählt.

Wer sich mit dem Album befasst, wird schnell bestätigen können, dass allein der Opener „Mean, Green, Killing Machine“ die Album-Marschroute ganz gut verkörpert: Schon gut einleitendes Powerdrumming hin zur eingängigen Midtempo-Nummer, die live sowie als Heimversion überzeugt und sich von Durchlauf zu Durchlauf mehr zum Ohrwurm entwickelt, mit einem melodischen Mittelpart, wo tatsächlich die markanten Ohoo-Rufe den Song sogar noch eine Spur interessanter machen. Und genau das ist es eben anno 2017, was Overkill verkörpern, auch wenn sie immer genau dann ganz großes Kino fabrizieren, wenn die Handbremse außer Betrieb gestellt ist und das Quintett nach Herzenslust auf die Vollgaspedale latscht.

„Our Finest Hour“ gehört zu den stark nach vorn treibender Thrashern und wurde wohl nicht ohne Kalkül vorab als Single im Vorfeld veröffentlicht, entpuppt sich der Track doch schon als prima zukünftiger Livekracher mit kompromisslosem Drive und gerade im Refrain mit der richtigen Mischung aus mitsingbar und Aggression, gestützt von reichlich Doublebass-Power. Auch „Red, White And Blue“ führt nur anfangs auf den Midtempo-Irrpfad und entwickelt sich schnell zum genickbrechenden Thrasher mit reichlich Durchsetzungskraft. Überhaupt, im letzten Albumdrittel lassen es die New Jersey-Herren auf hohem Niveau krachen, ganz nach dem eigens gewählten „The Wheel“-Motto: „There goes Mr. Kiss My Ass“. Das will der Fan hören, nicht verkopft, nicht zu nachdenklich, nicht zu konstruiert, sondern einfach treibend drauflos sich eine blutige Nase holen, abwischen und gut ist.

Das gilt auch im weitesten Sinne für den abschließenden Titeltrack „The Grinding Wheel“, holen hier Overkill doch nochmals alles raus von Midtempo-eingängig über thrashig-mächtig-episch mit einem gewissen Erinnerungshang an die „Overkill“-Trilogie, nur um dann aber auch mit kontrolliert wilder Antreibmatrix Zähne zu zeigen bis kurz vor dem Überschnappen – und obendrauf ein immer wieder schneidender Blitz in Bestform.

Aber auch im groovenden Midtempo hat das Album seine lichten Momente: In „Goddamn Trouble“ merkt man Bobby partout nicht seine Lenze an, dazu groovt der Track aggressiv wie Hölle und ist dazu noch eingängig wie nix und auch das kurze Zeit später folgende „Shine On“ – fast irgendwie schon eine eigene Covernummer – ist eigentlich schon eine Groove-Frechheit vor dem Herrn, headbang-kompatibel und am Ende doch auch ein „Nummer sicher“-Song.

Leider können die US-Herren das Niveau nicht halten, denn die deplaziert wirkenden Shouts in „The Long Road“ ziehen die an sich ohrwurmartige Fortführung runter und auch das anschließende „Let's All Go To Hades“ gehört zwar wegen des breitbeinigen Midtempo-Starts zu den Groove-Klötzen vom Ruhrgebiet bis nach New Jersey, allerdings ist er auf der anderen Seite eben auch ein wenig „langatmig“ und man wird das Gefühl nicht los, dass einfach mehr im drin gewesen wäre. „Come Heavy“ kredenzt gar ein paar Stoner-Einflüsse, doch Aggression und Esprit der overkillschen Attacken fehlen leider, sogar die Übergänge zu den schnelleren Passagen wirken nicht wirklich flüssig.

Am Overkill-Status wird „The Grinding Wheel“ nicht kratzen, auch wenn sich ein bisschen Staub im Getriebe eingenistet hat. Die Truppe muss sich doch gar nicht neu erfinden, die Trademarks sind weiterhin vorhanden und man muss sich wahrlich keine Sorgen machen, dass demnächst nur noch zahnlose Tracks aus Übersee durch die heimische Anlage pusten. Denn Biss hat das mittlerweile 18. Studioalbum trotz aller Kritik – meckern auf hohem Niveau eben, aber das Quintett hatte die Messlatte ja schon selbst weit nach oben gewuchtet.

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