Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Overkill: Ironbound

The best Thrash Metal Attack since 15 years
Wertung: 10/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 57:48
Release: 29.01.2010
Label: Nuclear Blast

Was auf politischer Ebene wie Feuer und Wasser wirken würde, ist musikalisch gesehen die Überraschung des noch recht jungen Jahres: Schwarz und grün in nahezu perfekter Vollendung vereint. Das Thrash Metal-Monster aus New York ist zurück und das anders als erwartet. Konnte man mit dem fast drei Jahre alten Album „Immortalis“ zwar für hochgezogene Mundwinkel sorgen und zumindest die Qualitätskurve der eigenen Veröffentlichungen wieder nach oben drücken, so scheint dieses aktuelle Machwerk fast wie aus einer anderen Dimension.

Ein spezieller Dank geht hier an Nuclear Blast USA, ohne die mir hier wohl dieses gelungen gestaltete Digipack nicht vorliegen würde, aber das ist eine andere Geschichte. Ohne jemals wirklich die eigenen Thrash Metal-Pfade verlassen zu haben, ist die Band in ihren eigenen Roots auferstanden, ohne dass es auch nur annähernd angestaubt oder lückenfüllerhaft klingen würde.

Wie man es bisher von der „Overkill“-Songsaga gewohnt ist, welche beim letzten Album wieder aufleben durfte, beginnt der erste Track mit düsterem, bedrohlichem Gitarrengeklimper. Dieses wird dann aber mit aller Kraft nach knapp 50 Sekunden in einer fast ein wenig erhaben-heroisch klingenden, groovenden Gitarrenbridge erdrückt, bevor dann das Tempo etwas angezogen wird und den Fans mit „The Green And Black“ gehuldigt wird. Unglaublich, was der fast 51-jährige Bobby Elsworth hier abliefert. Kein Wunder, dass sein Spitzname Blitz ist. Ihn scheint definitiv gar nichts aus der Bahn zu werfen, ob Krankheiten oder Ärger mit ehemaligen Plattenfirmen. Mittendrin wird dann ein langsamerer Part eingebaut, der sich perfekt zum Moshen eignet. Ich wüsste auf Anhieb keine Thrash Metal-Band, die dies so beherrscht wie die New Yorker.

„Ironbound“ beschleunigt die Schädeldecke dann wieder vor und zurück ohne jegliches schlechtes Gewissen, was die Nackenmuskulatur angeht. Man grölt mit, zertrümmert im Bewegungsdrang Teile der Wohnungseinrichtung, natürlich ungewollt und denkt, man wäre wieder zurück in den Achtzigern beziehungsweise den frühen Neunzigern. „All my friends are green and black“ schreit Bobby da aus sich heraus und man kann das nur zurückgeben, hier bahnt sich schon nach dem zweiten Song etwas Herausragendes an. Der sehr langsame, melodische Mittelteil reißt den Hörer gefühlsmäßig kurz aus dem Headbangingmodus, um aber kurz darauf wieder mit mächtigem Druck voran zu schieben. Toll, was Dave Linsk hier an der Leadgitarre abfeuert.

„Bring Me The Night“ ist eine Rakete im Stile von „Hello From The Gutter“ vom 1988er Album “Under The Influence”, nur mit noch ein wenig mehr Druck. Man schreit schon im ersten Durchgang den Namen des Tracks mit. Vor dem geistigen Auge tauchen die besten erlebten Liveshows der Band auf. Was will man mehr? Eine richtig starke Nummer.

Deutlich langsamer donnert dann das fast schon ein wenig sperrig anmutende „The Goal Is Your Soul“ aus den Boxen. Man fühlt sich wieder wie ein Teenager und leichte Hassgefühle kriechen aus der Magengegend nach oben. Der Schädel bangt gemächlich vor und zurück und man brüllt die Texte aus seinen Lungen heraus, als ob es das Letzte wäre, was man auf dieser Erde tun kann. Und das alles, ohne dass Bobby Blitz wirklich aufdreht. Unglaublich, wie die Mucke der Band zum 30. Jubiläum den Hörer nicht nur mitreißt, sondern gänzlich gefangen nimmt. Das gab es schon mindestens ein Jahrzehnt lang von keiner Thrash Metal-Band mehr.

„Give A Little“ wartet dann wieder mit fettem Groove auf, ohne die Thrash-Wurzeln zu verwässern. Aber wer das Album schon kennt, der weiß, dass dieser Mitgröler das geniale Bindeglied zu den nächsten Songs sein soll, welche das Tempo wieder deutlich anziehen. DD Verni sorgt mal wieder mit seinem deutlich besser in Szene gesetzten Bass, dass er zu den Besten seines Genres gehört. Das schon fast doomige, viel zu kurze Mittelstück sorgt dann wieder für Herzrhythmusstörungen, welche aber wie von einem Defibrillator weggezaubert werden.

„Endless War“ ist dann ein wie zu besten „Taking Over“-Zeiten als Nackenbrecher ausgelegt. Ein weiterer Hammersong der Band. Und das Beste habe ich noch gar nicht verraten. Iron Maiden haben ja mit ihrer genialen Blu-ray / DVD „Flight 666“ für mehr als nur Aufsehen gesorgt. Man hat hier den Eindruck, als ob Overkill der Band einen kleinen Gruß schicken. Hier hören sich einige doppelstimmige Gitarrenattacken doch ein wenig nach dem „Flight Of Icarus“-Album an, ohne aber den typischen Overkill-Sound zu vernachlässigen. Herrlich, wie man hier mit den Engländern kokettiert. Geboren ist der sechste Anspieltipp in Folge!

„The Head And Heart“ ist dann eine willkommene Dampfwalze im deutlich gezügelten Tempo. Solch intensive Songs schreiben andere Bands in ihrem ganzen Leben nicht. Unglaublich, welches Feuer die Band selbst in so einem gemäßigtem Song entfacht. DDs Bass grummelt vor sich hin, Ron Lipnicki verprügelt sein Schlagzeug und das alles mit einer spürbaren Spielfreude, die einfach nur ansteckend ist.

„In Vain“ sorgt dann mit seinem abwechselnden Tempo für ein klein wenig Erholung, ohne aber die Qualität runterzuschrauben. Das macht Spaß und klingt wie die alten Overkill; auch wenn die Band es noch nie geschafft hat, ein schlechtes Album herauszubringen, so ist man hier auf Augenhöhe mit Meilensteinen wie beispielsweise „Horrorscope“. 

„Killing For A Living“ befeuert wieder einmal mit Stromstößen die Nackenmuskulatur, auch wenn es durch die bedrohlicheren, langsameren Parts für kurzzeitige Erholungsphasen sorgt, wenn man sich trotzdem auch irgendwie bedroht fühlt. Ein weiteres kleines Meisterwerk.

Frei nach „Hello From The Gutter“ wird dann dem unterirdischen Widerstandskult gehuldigt: „The SRC“. Und dieser „Subterranean Restistance Cult“ fühlt sich so an, als ob man mit 250 Sachen auf der Autobahn unterwegs ist und von hinten ein Lamborghini Murciélago mit 340 km/h Tuchfühlung mit den Rückleuchten aufnimmt. Klar, dass dann erst mal das Tempo ein wenig rausgenommen wird und die brillante Gitarrenfraktion, bestehend aus Derek Tailer und Dave Linsk, mal wieder nur das Beste aus ihren Instrumenten herausholt.

Fazit: Overkill sind zurück, obwohl sie eigentlich niemals weg waren. Mit „Ironbound“ haben sie sich mal wieder ein eigenes Denkmal gesetzt. Dieses Album zu bewerten, fällt schwer, gab es doch in der jungen Vergangenheit wirklich starke Thrash-Packungen. Wenn ich da an Megadeth mit „Endgame“, Scornage mit „Born To Murder The World“, Holy Moses mit „Agony Of Death“, oder z. B. auch Commander mit „The Enemies We Create“ denke, dann ist das hier eine glatte Elf  (Höchstwertung ist zehn Punkte –Anm. d. Red.). Man hat hier die letzten 15 Jahre der großen Bands einfach weggehauen. Gleichwertiges oder besseres gab es nur vor 1995. Da werden Metallica, Machine Head, Exodus, Slayer und wie sie alle heißen wohl nur noch von träumen, so etwas zustande zu bekommen. Eine Lehrstunde der Metalmusik. DANKE dafür!

comments powered by Disqus

Auch die unsägliche Informationspolitik kann einem den Spaß nicht verderben

Stimmungsvoller Abend mit zwei motivierten Bands

Spektakulärer Abend, der kaum zu übertreffen ist

Das Wochenende klingt mit Volldampf aus

 

 

„Das ist genau der Punkt, kein erhobener Zeigefinger“