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Overkill: Immortalis

Alt, aber kein bischen angestaubt
Wertung: 8/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 49:21
Release: 05.10.2007
Label: Bodog Music

Der 15. Output der New Yorker Wrecking Crew erscheint nun in Kürze. Die Band, die seit mehr als 25 Jahren tätig ist und mehr als zwei Hände voll Klassiker ihr Eigen nennen kann, ist auch heute kein bisschen leiser geworden, warum hätten sie dies auch tun sollen? Irgendwie hat man erwarten können, dass die Band mit diesem Album wieder mehr back to the roots (hierbei speziell die ersten Alben) gehen würde, denn mit dem Plattendeal bei Bodog Music ist man nun wieder bei deren Entdeckern angekommen. Ja, ihr lest richtig: Jonny und Marsha Zazula (ehemals Megaforce Records) haben dort das Sagen!

„Devils In The Mist“ beginnt dann auch mit viel Power, so wie wir es seit Jahrzehnten von der Band kennen. Thrash at it`s best. Jawohl, die typischen Bobby „Blitz“ Ellsworth Vocals, die treibende Overkill Rhytmussektion, wie immer einfach toll zu genießen. Sollte es die Band wieder schaffen, an ihre Leistungsgrenze zu gehen? Ein Hammer als Opener.

„What It Takes“ gerät dann aber mehr so zum typischen Overkill Song. Richtig gute Mucke, aber nicht wirklich herausragend. Irgendwie fällt auf, dass der Bass weiter in den Hintergrund gemischt ist. Schade, uns DD Verni mit seinem exzellenten Bassspiel ist eigentlich ein sehr wichtiger Punkt im Erscheinungsbild von Overkill. Trotz eines gewissen Drives fehlt hier etwas vom berühmt berüchtigten Overkill Groove.

„Skull And Bones“ wartet mit dem gleichen Schema auf. Hier teilt sich aber Bobby die Vocals, was eine erdigere, bösere Stimmung mit sich bringt. Nicht verkehrt, aber der Song selbst steht eher im Mittelfeld des bisherigen Overkill Schaffens. Und zur Hölle, auch wenn dieser Song immer noch die meisten der heutigen Thrashbands von der Bühne drücken würde, so ist man doch von den New Yorkern schon mehr verwöhnt. Der Midtemposong vermag nicht den Hymnencharacter eines Songs wie „In Union We Stand“, „Old School“ oder ähnlichen Hits zu erzeugen.

„Shadow Of The Doubt“ gerät dann leider als erster Song in Richtung Bodensatz. Eigentlich lebt der Song nur noch von Bobby`s Gesang. Zugegeben, Bobby ist schon ein Phänomen mit seiner tollen Stimme, wenn man jetzt noch die Krankheitsgeschichte mit Schlaganfall und Nasenschleimhautkrebs sieht, dann ist es eh ein Wunder, dass er immer noch auf die Bühne geht und 98 % der Thrashmetal Frontmänner den Garaus macht.

„Hellish Pride“ ist ein Midtempo Groover, welcher wieder deutlich mehr Esprit versprüht. Aber wo ist DD Verni`s Monsterbass? Nee, die Produktion der Scheibe ist meines Erachtens nicht so 100 % gut gegangen. Dafür erfreut sich aber Gitarrist Dave Linsk neuer Freiheiten und er steuert deutlich mehr Gitarrenhalsakrobatik bei.

„Walk Through Fire“ stapft dann wieder etwas zügiger durch die Speaker. Nett, aber trotzdem immer noch im Midtempo. Ron Lipnicki (Hades, Southern Shift) sorgt für den Antrieb. Cool, aber irgendwie in der langen Overkill Geschichte halt kein außergewöhnlicher Song.

Ich denke nicht, dass Derek Tailer was dafür kann, aber auch bei „Head On“ wird nach anfänglichem, etwas nach Iron Maiden riechendem Intro wieder das Midtempo gesucht. Oh Mann, es fällt mir echt schwer, diese Ikonen des Thrash Metals zu kritisieren; zu sehr haben sie mir damals mit Alben wie „Horrorscope“, „Feel The Fire“, „The Years Of Decay“ und „Under The Influence“ , um nur einige zu nennen, gewollte Nackenschmerzen bereitet. Der Bay Area Thrash ist den 5 Musikern inzwischen abhanden gekommen.

„Chalice Get Your Gun“ hämmert mehr in alter Overkill Tradition und weiß so den typischen Overkill Headbanger mehr zu begeistern. „Hell Is“ gerät dann aber endlich wieder zu einem echten Sahnestückchen, es geht immer wieder in höhere Geschwindigkeitsabschnitte, welche nur von groovenden, treibenden Parts in typischer Overkill Tradition unterbrochen werden. Schade, dass nicht mehr Stücke dieser Gangart auf der CD enthalten sind.

Und dann kommen wir zum Abschluss des Silberlings: „Overkill V … The Brand“. Ihr lest richtig, die Overkillsaga wird fortgesetzt, nach fast 20 Jahren. „E.vil N.ever D.ies“ hieß es damals. Man hat sich allerdings in den gut 18 Jahren immer wieder gefragt, ob es nicht doch gestorben ist, aber nun besinnen sich Overkill an ihre eigene alte Tradition und zeigen ihre unsterbliche „Marke“. Ja, der Song hat so den richtigen „Under The Influence“ Flair. Toll, dass Overkill da noch mal angesetzt haben und ihren Fans das ja schon fast versprochene („Evil Never Dies“) Wiederaufleben bereiten.

Fazit: Ein, wenn man es für sich einzeln betrachtet, starkes Album. Wenn man aber die Vergangenheit der Band sieht, dann kann das Urteil leider nicht so gut ausfallen. Man hat sich hier mit „Immortalis“ eher in der Region „Necroshine“ oder „Bloodletting“ eingereiht. Der Sound klingt fast schon ein wenig trocken. Der Bay Area Einfluss ist so gering wie nie zuvor, der Bass wird für Overkill´s Verhältnisse fast schon ein wenig versteckt. Das sind alles keine guten Eigenschaften für einen Overkill Output.

Aber wenn wir das jetzt einmal ausblenden und die Overkill Vergangenheit bei Seite legen, dann bleibt ein sehr starkes Album, über welches sich mit jedem weiteren Durchlauf immer mehr entwickelt. So läuft die Scheibe Gefahr, unter der fast erdrückenden Last der Vergangenheit schnell als eines der mäßigeren Overkill Alben verkannt zu werden.

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