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Outcast Vs Moker: Outcast vs Moker

Songwriterisch mehr Potenzial bis zu sperrig
Wertung: 6/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 19:51
Release: 25.01.2006
Label: Shiver Records

Shiver Records scheinen sich zur Aufgabe gemacht zu haben, den Rest der Welt davon zu überzeugen, dass aus Belgien nicht nur exzellenter Hardcore, sondern auch hörenswerter Metal kommen kann. Und um gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, schmeißen die Jungs eine Split-CD mit zwei Death Metal-Newcomern auf den Markt.

Zum einen haben wir hier Outcast (vielleicht nicht gerade die beste Namenswahl, wird man doch automatisch immer an das Popgedudel der Namensvetter erinnert). Die Wurzeln der Combo reichen bis ins Jahr 1997 zurück, wo die Band aber noch dem New York Hardcore-Style verfallen war. Aber so nach und nach haben sich die Death Metal-Einflüsse amerikanischer Prägung in den Sound von Outcast eingeflochten, so dass man heute eher von technischem Death Metal als von Hardcore oder Metalcore sprechen kann. Das Label fühlt sich mit dem Begriff „Brutal Deathcore“ anscheinend richtig wohl, ich nenne das schlicht und ergreifend Death Metal. Punkt.

Und diesen gibt es beim einleitenden „Human Apocalypse“ in Reinkultur. Break reiht sich an Break, ein Tempowechsel jagt den anderen und alles wird verfeinert mit typischen Death-Growls, die ab und an mit Black Metal-Gesängen aufgewertet werden. Six Feet Under lassen an dieser Stelle grüßen. Beim Rest springen einem dann Namen wie Morbid Angel, Suffocation oder auch Sinister ins Hirn. Von den Altmeistern Cannibal Corpse ganz zu schweigen. Doch was fehlt, ist das geschickte Händchen für wirklich große Songs.

Alles klingt nicht schlecht und ist hammerfett produziert (bis auf die Snare, welche arg blechern klingt – wer regt sich hier noch über Metallica auf?), doch das letzte Tröpfchen Öl fehlt, bevor ich von einer gut geschmierten Dampfwalze sprechen kann.

„Silenced Screams“ schlägt da in die gleiche Kerbe. Zuerst ein schicker Beginn, der an Old School-Zeugs a la Asphyx erinnert. Dann fährt sich der Song irgendwo zwischen all den Geschwindigkeitswechseln richtig fest. Der letzte Track ist dann in meinen Augen die Summe der beiden erstgehörten Teile. Keine neue Erkenntnis, aber auch kein Ausfall.

Trotz einer bisher mittelprächtigen Darbietung von Outcast, sollte es mich nicht wundern, wenn sie auf ihren nächsten Longplayer die eine oder andere Überraschung bereithalten. Das Potential ist jedenfalls da. Und auch bei Startschwierigkeiten kann ich diese Band zum Antesten empfehlen.

Moker will ich mal als junge Band bezeichnen, liegt die Gründung doch erst gut 3 Jahre in der Vergangenheit. Zwei Leute der lokalen Metalcore-Combo Linchpin kamen nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss, dass sie ihrer Mucke doch mehr Brutalität zuschieben wollen und gründeten dann schlussendlich Mocker. Verstärkt durch einen waschechten Death Metal-Gitarristen war das Ziel dann irgendwann klar gesteckt… Death Metal.

Ihren Reigen auf der Split-CD eröffnen Moker mit „Rip The Flesh“. Wenn ich bei Outcast schon von vertrackten Songs gesprochen habe, dann muss das hier Mathematik-Death sein. Ein Break jagt das nächste in noch kürzeren Abständen, jede Geschwindigkeitslage ist vertreten und der reichlich schräge Mittelteil mit Gitarrenobertönen und Sprechgesang lassen das Songgebilde noch schwerer zugänglich wirken. Ich für meinen Teil habe dann irgendwann den roten Faden verloren.

Dagegen macht „Mr. Torture“ auch keine bessere Figur. Zwar wirken die eingestreuten Riffs, die durch den sägenden Spielfluss eher an Black- als an Death Metal erinnern, gar nicht mal so übel, doch ein Teil der restlichen Seiteneskapaden klingt verdammt nach Kinderreim oder so etwas in der Art. Die eingestreuten fetten Groovepassagen wirken da wie Balsam auf einen sonst eher durchwachsenen Song.

Der Lichtblick heißt dann ohne Frage „Bleed On Me“. Hier zeigen Moker richtig Mut und klingen schon fast wie eine Death Metal-Variante von System Of A Down, wenn man mal nur das Riffing betrachtet. Für mich jedenfalls ein wirklich guter Song.

Auffällig ist sofort, dass Moker soundtechnisch nicht so organisch vorgehen wie Outcast. Die Drums zum Beispiel klingen bei den Erstgenannten doch arg getriggert und völlig steril. Da fehlt definitiv die Wärme im Sound.

So kann ich doch mit gutem Gewissen behaupten, dass Outcast als Sieger aus diesem kleinen Wettstreit hervorgehen, weil einfach songwriterisch mehr Potenzial erkennbar ist. Outcast sind mit Abstrichen meine Baustelle und da freue ich mich wie geschrieben auf das fertige Album. Moker sind mir zu sperrig und zu unausgegoren. „Not my cup of tea“…sagt der Engländer.

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