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Our Lives Without Us: Our Lives Without Us

Ein Album, das vielleicht Geschichte schreiben könnte
Wertung: 9.5/10
Genre: Post-Hardcore, Alternative Rock
Spielzeit: 47:08
Release: 15.11.2011
Label: Eigenproduktion

Es gibt eine gute Handvoll Bands, die eine ganze bestimmte Grundmelancholie in ihrem Sound verarbeiten. Eine Melancholie, die man mit Worten schwer beschreiben kann, die einen im ersten Moment in die Tiefen der Seele herunterzieht, nur um dem Hörer im nächsten Moment einen Arschtritt im Sinne von „Hey, heul nicht rum, es könnte schlimmer sein!“ zu verpassen. Deftones sind so eine Band. Incubus ebenfalls, Chiodos haben da auch so ihre Momente. All diese Truppen haben eine Gemeinsamkeit: Man kann zu ihrer Musik mindestens genauso gut heulen wie abgehen.

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass das alles Bands aus Amerika sind. „Sind deutsche Bands zu doof für so was?“, möchte man empört ausrufen. Sind wir vielleicht schlichtweg zu verkopft? Es steht Beruhigung ins Haus, zumindest in Düsseldorf kann man augen- und ohrenscheinlich mit einer solchen musikalischen Ambiguität aufwarten: Our Lives Without Us verpacken auf ihrem Debüt gleichen Namens Aggression, Fragilität und positive Energie, ohne ins inzwischen allseits so beliebte Schimpfwort „Emo“ abzurutschen.

Allein der Ursprung des Bandnames bietet eine gewisse Faszination: Benannt haben sich die Jungs nämlich nach dem Film „My Life Without Me“, indem eine junge Frau sich auf den baldigen Tod durch eine Krankheit vorbereitet. Bei der Herkunft kann man sich ausmalen, dass OLWU nicht unbedingt fröhlich-beschwingte Songs schreiben, die Hoffnung kommt aber wie gesagt nie zurück. „Our Lives Without Us“ ist also im Ganzen so etwas wie der musikalische Silberschweif am Horizont, wenn alles scheiße läuft und man sich am liebsten vergraben würde.

Nun aber zur Musik: Über den Opener „Like A Statue“ kann man sich noch streiten. Bereits der zweite Track „Right Where Your Heart“ überzeugt aber direkt auf ganzer Linie: Die schreddernden Introgitarren, die Spannung aufbauen, danach der tanzbare, fast beschwingte Rhythmus und die angenehme, leicht kratzige Stimme von Sänger und Gitarrist Tomsn, der erst einmal in bester Schwedenmanier ins Mikro kreischt – hammermäßig. Allein für das Mainriff haben sich die Jungs eine fette Trophäe verdient.

„What You Get“ reißt einen ähnlich vom Hocker, allein schon die Kombination aus dem Post-Hardcore-Geschrei und dem eher in Richtung Indie und Alternative tendierenden Klargesang verbreitet ein wohliges Gefühl in der Magengegend und erst der Refrain – traurig, erhaben, irgendwie bedrückend. Man kann sich kaum davon losreißen, will ihn immer wieder hören – Drogen auf CD gepresst. „Doldrums“ wird direkt im Anschluss zelebriert, zarte Gitarren bilden den Einstieg für den an und für sich recht ruhigen Song, der zwischendurch aber natürlich im Stil der Truppe explodiert, ohne allzu sehr auf Aggressionen und Geschredder zu setzen.

„You’re The Fall“ fällt dann mit seinem hysterischen Geschrei zunächst völlig aus dem Rahmen, zumal danach mit „Early Morning Lullaby“ ein ganz großartiges, gemächliches Stück die Bühne betritt. Akustikgitarre und leise Samples im Hintergrund geben die Basis für Tomsns klare Stimme - die perfekte Melancholie, wenn es je welche gegeben hat.

Man könnte ewig so weitermachen: Auch das folgende „ A Million Ways“ eignet sich mit seiner Dynamik ohne Weiteres als Anspieltipp und das finale „Until Nothing“ mit seinem „Wohoho“-Part und den ausufernden Gitarrensoli ist als Rausschmeißer optimal ausgewählt. Our Lives Without Us ist hier ein Album abseits jeglicher Klischees und recycelter Strukturen gelungen, das nicht nur 1000 Mal gehört werden kann, ohne auch nur im Entferntesten langweilig zu werden, sondern das sicherlich auch seinen Platz in der modernen Rockgeschichte finden wird.

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