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Orphaned Land: All Is One

Trotz hohen Bombastfaktors deutlich eingängiger als der Vorgänger
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 54:26
Release: 21.06.2013
Label: Century Media

Stillstand kann man Orphaned Land ganz sicher nicht vorwerfen – kontinuierlich entwickelten sich die Israelis weiter, jonglierten gekonnt mit den verschiedensten Einflüssen und hatten es in Sachen Progressivität und Anspruch mit dem letzten Album „The Never Ending Way Of ORWarriOR“ auf die Spitze getrieben. Bei dem 2010er Werk handelte es sich um einen alles andere als leicht verdaulichen Brocken; schon wegen der gigantischen Länge von über 78 Minuten war hier die volle Aufmerksamkeit des Hörers gefordert.

Dass die Band mit dem nun vorliegenden neuen Album „All Is One“ ein wenig zurückrudern würde, war somit eigentlich klar. Die Strukturen und Rhythmen der Songs sind einfacher zu erfassen, die Riffs und Melodien laufen schneller rein und auch die Gesamtlänge der Scheibe ist mit rund 54 Minuten (zumindest in der regulären Version) um einiges geringer ausgefallen. Dafür fahren die Jungs teilweise eine ordentliche Bombast-Schiene auf, haben noch mehr orchestrale Elemente und Chöre am Start – und auf todesmetallische Einschübe wird bis auf ein paar vereinzelte Growls in „Fail“ komplett verzichtet; Opeth und Mikael Åkerfeldt lassen grüßen.

Schon der Opener (gleichzeitig auch das Titelstück) beeindruckt mit großen Chorgesängen sowie symphonischem Pomp und ist wegen der simplen Grundstruktur sehr eingängig. Im Prinzip wird hier nur ein einziges Riff durchexerziert, dies jedoch ist äußerst geschmeidig und mitreißend geraten und wird auf so clevere Art variiert, dass diese Tatsache kaum richtig auffällt. Natürlich wurde dabei nicht auf die typisch orientalischen Melodien und die traditionellen Instrumente verzichtet – eines der wichtigsten Trademarks von Orphaned Land, das die Gruppe so einzigartig macht. Kurzum: Ein fantastischer Ohrwurm, der die Gehörgänge auch nach Tagen nicht verlässt.

Thematisch geht es wie immer um den Konflikt im Nahen Osten und die drei abrahamitischen Religionen, was bereits das Artwork andeutet, bei dem die drei Hauptsymbole von Christentum, Judentum und Islam – das Kreuz, der Davidstern und der Halbmond – miteinander verschmolzen sind – alles ist eben eins oder sollte es zumindest sein. Es kann einem nur Respekt abringen, wie die Band immer wieder versucht, die Leute zu einem friedlichen Miteinander zu bewegen, anstatt sich in sinnlosen Gewaltorgien gegenseitig abzuschlachten. Gerade bei den vielen Fanatikern, die sich in jenen Breitengraden leider auch tummeln, kein ganz ungefährliches Unterfangen.

Dass sich bei diesem bewegenden und ernsten Thema, das die Band immerhin selbst direkt betrifft, in Verbindung mit den pompösen Breitwand-Sounds hier und da ein wenig Pathos-behaftete Klänge eingeschlichen haben, sei den Israelis verziehen. Jedermanns Sache werden die großflächigen Orchesterarrangements nicht sein und sicherlich mag manche Passage etwas arg salbungsvoll („Let The Truce Be Known“) erscheinen, doch sollte man nicht gleich von Kitsch reden – für tatsächlich seichte Töne ist die Thematik wie erwähnt auch viel zu ernst und bedeutsam. Mit der unglaublich ergreifenden Ballade „Brother“ ist der Formation außerdem ein wirklich wundervoller Versöhnungssong geglückt. Auch die Abschlussnummer „Children“, in der die unschuldigsten Opfer, die in diesem Teufelskreis aus Gewalt später selbst oft zu Tätern mutieren, beklagt werden, kann niemanden, der ein Herz hat, unberührt lassen. Und „Shama’im“ hat nicht mehr viel mit Rock zu tun, sondern eher mit Folk à la Orient – geht trotzdem sehr unter die Haut.

Tatsächliche Härte ist eher selten anzutreffen, allenfalls das bereits angesprochene „Fail“ ist etwas düsterer geraten und erhält wie erwähnt ein paar Growls sowie zusätzlich gesprochene Passagen. Ebenso wird bei „Ya Benaye“, einem der absoluten Highlights der Scheibe, ein amtliches Brett gefahren, bei dem die Gitarren dementsprechend klar das Geschehen bestimmen. Auf der anderen Seite stehen einfach gut geschriebene und arrangierte Rocksongs, dargeboten im Orphaned-Land-Gewand mit orientalischen Elementen – so beispielsweise „The Simple Man“, „Our Own Messiah“ oder das Instrumental „Freedom“.

Insgesamt ist die Angelegenheit wohl ein zweischneidiges Schwert. Viele werden die Härte und vielleicht die Komplexität früherer Tage vermissen, andere werden das Fehlen derselben begrüßen. In jedem Fall muss wohl jeder den Hut davor ziehen, wie die Band es hinbekommt, auf jedem Album anders zu klingen, aber immer heraushörbar zu sein. Kobi Farhis Klargesang wird immer besser und bei der Instrumentalfraktion handelte es sich ohnehin schon immer um ganz vorzügliche Musiker. Letztlich muss man „All Is One“ objektiv betrachtet als ein sehr starkes Album ansehen, das mit sehr facetten- und abwechslungsreichem Songwriting glänzen kann und zudem hervorragend von Jens Bogren produziert wurde.

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