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Orianthi: Rock Candy

Potenziell gute Scheibe, die streckenweise jedoch unfertig wirkt
Wertung: 7/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 30:57
Release: 14.10.2022
Label: Frontiers Music

Orianthi Panagaris dürfte inzwischen jedem, der sich auch nur ein bisschen in der harten Szene auskennt, ein Begriff sein: Als die Öffentlichkeit 2009 im Rahmen eines Auftritts in Carrie Underwoods Band erstmals auf die australische Gitarristin mit den griechischen Wurzeln aufmerksam wurde, erlebte die heute 37-Jährige einen kometenhaften Aufstieg. Sie spielte fortan in den Backing-Bands von Topstars wie Michael Jackson, Alice Cooper oder Carlos Santana und hat mittlerweile bereits vier Soloalben herausgebracht. „Rock Candy“ markiert Studiolangrille Nummer fünf, für die sie sich mit ihrem guten Freund Jacob Bunton zusammengetan hat, der neben seiner Rolle als Produzent, Engineer und Co-Songwriter Bass, Keyboards und Geige übernommen hat, während Orianthi selbst an Gitarre und Gesang zu hören ist.

Der Begriff „Langrille“ ist allerdings eigentlich nicht so wirklich passend, denn bei elf Tracks (zwei davon, „Illuminate Part I“ und „Illuminate Part II“, sind kurze Instrumentals, die das restliche Material einrahmen) hat das Album lediglich eine Dauer von einer guten halben Stunde, also eher EP- als LP-Länge. Qualität vor Quantität, schon klar, dennoch wirkt es bei einigen Stücken so, als hätte man da vielleicht noch etwas länger dran arbeiten sollen bzw. als würde da etwas fehlen. Wenn die Gitarristin dann außerdem zu Protokoll gibt, die Arbeitsweise sei gewesen, dass sie und Bunton immer pro Tag einen Song geschrieben und aufgenommen hätten, klingt das schon ein wenig nach Schnellschuss oder Malen nach Zahlen. Auch dass man sich dem Willen des Labels gebeugt habe, das „something heavy“ wollte, obwohl sie an sich lieber ein bluesiges Album machen wollte, trägt sicher nicht zu positiven Vorschusslorbeeren bei, wenngleich so eine Aussage zumindest ehrlich ist.

Schlecht ist „Rock Candy“ auch ganz sicher nicht. Die Scheibe ist top produziert und natürlich kompetent eingespielt. Orianthi ist eine vorzügliche Gitarristin, die den Erfolg redlich verdient hat, und als Sängerin gibt sie ebenfalls eine gute Figur ab. Es ehrt sie auch, dass sie trotz ihrer überragenden technischen Fähigkeiten nicht jeden Song mit x Gitarrensoli zukleistert, nur um zu zeigen, wie geil sie shreddern kann, sondern sich lieber auf Hooklines fokussiert und ihre Soli zu Teil der Songs macht statt umgekehrt. Auch präsentiert sich die Platte trotz der Härte-Vorgabe relativ abwechslungsreich.

Mit „Light It Up“ und dem Satriani-mäßigen „Fire Together“ offeriert „Rock Candy“ gleich zu Beginn zwei starke, rockige Ohrwürmer, bevor mit „Where Did Your Heart Go“ sanftere Töne angeschlagen werden. Wird nicht jeder mögen, aber als guter Popsong taugt die Nummer allemal und hier bringt die Australierin zudem eine besonders starke Gesangs- und gefühlvolle Gitarrendarbietung. In Form von „Living Is Like Dying Without You“ ist noch eine zweite Ballade dabei, bei der vor allem die Akustikklampfe die Basis bildet.

Wer da nicht so Fan von ist, sieht sich zum Beispiel bei „Red Light“, wo das Gaspedal ordentlich durchgetreten wird, besser aufgehoben, und „Witches & The Devil“ geht gar als lupenreine Metalkomposition durch – ein Track mit fettem Black Sabbath-Gedächtnisriff, mit doomiger Schlagseite und prinzipiell wirklich gelungen. Aber warum zum Teufel ist das nur zwei Minuten lang? Da hätte man wahrlich noch viel mehr herausholen können – sehr schade. Ähnliches lässt sich über das ebenfalls gut rockende „Getting To Me“ oder den vielleicht interessantesten Track des Albums, „Void“, sagen. Bei letztgenanntem meint man in der Strophe, White Stripes-Vibes zu vernehmen, während im Refrain mit Industrial-Elementen gespielt wird. Coole Ideen, cooler Song, aber auch der wirkt irgendwie zu kurz.

Wie erwähnt, handelt es sich bei „Rock Candy“ um kein schlechtes Album, Orianthi kann mit starken Gesangsleistungen, einigen guten Hooklines, Abwechslungsreichtum und selbstverständlich exzellentem Gitarrenspiel glänzen, und doch hat man stets das Gefühl, da wäre einfach noch deutlich mehr drin gewesen. Ein nicht unerheblicher Teil des Materials wirkt unausgegoren und unfertig, kaum ein Stück dauert länger als drei Minuten; es hätte ganz sicher nicht geschadet, hätte man den Songs ein bisschen mehr Zeit zum Wachsen gegeben und nicht jeden Tag einen neuen geschrieben und aufgenommen.

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